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30. September 2007, 16:04 Uhr

Nicht nur um die Wette gestrahlt

Kinderarmut und zu hohe Steuern sind eigentlich kein Thema bei einer Miss-Wahl. Umso verdutzter schaute das Publikum, als es bei den Interviews zur Wahl der "Miss Deutschland" politisch wurde. Und am Ende kullerten bei der 24-jährigen Siegerin nicht mal die Tränen.

Miss Deutschland, Miss Germany

Mister Deutschland und die neue Miss Deutschland: Philipp Holl und Janice Behrendt© Pascal Amos Rest

Nicht einmal eine Freudenträne kullerte über die hübschen Wangen der neuen Schönheitskönigin Janice Behrendt. Die 24- jährige Sekretärin aus dem westfälischen Herford lächelte Sekunden nach ihrer Wahl zur Miss Deutschland am Samstagabend in einem Dortmunder Casino souverän in die Kameras rund um den Laufsteg. An ihrer Seite ein ebenso entspannter Mister Deutschland 2008: Der 21 Jahre alte Berliner Philipp Holl hatte sich im Finale gegen 13 männliche Schönheiten durchgesetzt. Insgesamt hatten sich nach Angaben des Veranstalters MGO rund 1400 Männer und Frauen aus ganz Deutschland um den Schönheitstitel beworben.

"Ich habe nie mit dem Sieg gerechnet, ich wollte einfach nur natürlich sein", sagte die strahlende junge Frau, als die ersehnte Krone in ihren schwarzen Haaren blitzte. Nach drei Laufsteg-Runden in lässiger Straßenkleidung, im knappen Bikini und im feinen Abendkleid hatte sich die Jury für Janice Behrendt entschieden. Ihren Job als Sekretärin will die in Cottbus geborene Schönheit nun erst mal ruhen lassen. Ein Erfolgsrezept für den Laufsteg hat die 24-Jährige nicht: "Ich habe da keine Tricks. Man muss wohl viel Persönlichkeit mitbringen", findet sie. Die Ziele für ihre weitere Karriere steckt die frisch gekürte Miss Deutschland allerdings nicht zu kurz: "Ich würde gerne im Fernsehen moderieren", sagt sie.

Miss Deutschland, Miss Germany

Überraschte Siegerin: Janice Behrendt© Michael Gottschalk/DDP

Ein bisschen Politik Noch ein wenig planlos ist dagegen Mister Deutschland: "Ich weiß wirklich nicht, was jetzt passiert", meint Philipp Holl. Nach dem Abitur und dem Zivildienst hat der junge Berliner, wie er sagt, gerade Zeit für die große Model-Karriere. Ein wenig Erfahrung in der Branche hat er auch schon. "Einzelne Aufträge hatte ich schon während der Schulzeit. Aber nicht mit Dampf, da war die Schule einfach wichtiger." Den lässigen Gang auf dem Laufsteg hat er sich der Hobby- Segler bei den Großen des Geschäfts abgeschaut: "Markus Schenkenberg ist mein großes Vorbild", erzählt er.

Im Dortmunder Finale zählte allerdings nicht nur das hübschere Äußere. Wer die mit wenig Prominenz besetzte Schönheits-Jury überzeugen wollte, musste sich auch einem kurzen Interview stellen. Zwischen Badeshorts und Bikini wurde es mitunter sogar politisch. Gegen Kinderarmut oder zu hohe Steuern in Deutschland wetterte da so manche Schönheit zur Überraschung des Publikums.

Sachpreis statt Geldsegen

Reich geworden ist keiner der beiden Sieger von Dortmund. Für jeweils rund 10.000 Euro dürfen sich die beiden in einem Berliner Fotostudio professionell ablichten lassen. Was für Miss und Mister Deutschland danach kommt, blieb zunächst offen. Hoffnung machte am Samstag aber Janice Behrendts Vorgängerin Svetlana Tsys. Sie ist inzwischen herumgekommen, war bei der Unesco in Paris und erst kürzlich bei der Wahl zu "Queen of Banana" in Ecuador.

Mit einem Makel müssen die "Königinnen" aber jedes Jahr leben, sie sind nicht einzigartig: Schon im Februar kürte ein Konkurrenz- Veranstalter seine schönste Deutsche: Die Schülerin Nelly Marie Bojahr aus Kleinmachnow in Brandenburg trägt den Titel Miss Germany. Die Titel Miss und Mister Deutschland werden seit dem Jahr 2000 vergeben. Nach Veranstalterangaben knüpfen sie an einen früheren Schönheitswettbewerb mit dem gleichen Titel vor dem Zweiten Weltkrieg an.

DPA
 
 
KOMMENTARE (1 von 1)
 
initialway (01.10.2007, 08:57 Uhr)
Schönheit
Sonst heißt es ja immer, Kunst ist relativ und Geschmäcker verschieden. Bei diesen Gewinnern, besonders bei Mr. Deutschland, sträubt sich bei mir alles. Wenn das das schönste sein soll, was Deutschland momentan zu bieten hat, dann gute Nacht. Auf der anderen Seite, welcher normale Mensch nimmt heute noch an diesen absurden Wettbewerben teil?
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