Svetlana heißt die neue Miss Deutschland. Die in Russland geborene 18-Jährige hat das "deutsche Mädchen" Nadine Domröse auf den zweiten Platz verwiesen. Und damit musste sich die Jury Schiebungs-Vorwürfe gefallen lassen.

Ein Krönchen für die Siegerin: Svetlana Tsys bekommt von Daniela Domröse die Krone aufgesetzt© DPA
Wer mehrere Düfte hintereinander testet, der kann meist schon nach der fünften Schnupperprobe Jasminduft nicht mehr von Maiglöckchengeruch unterscheiden. Beim Anschauen schöner Frauen tritt dieser Abnutzungseffekt der Sinne dagegen nicht ein - das behaupten zumindest die Jury-Mitglieder, die von der Firma MGO an diesem Wochenende für die Wahl der Miss Deutschland nach Ägypten eingeflogen wurden. Eifrig machen sie sich Notizen, während vor ihnen 17 langhaarige Mädchen mit hochhackigen Schuhen und Bikinis über den Laufsteg stolzieren.
Bei der Wahl hat die 18 Jahre alte Schülerin Svetlana Tsys aus Berlin alle 16 Konkurrentinnen aus dem Feld geschlagen. Die 1,80 Meter große Blondine hatte schon mit 14 Jahren ihre erste Miss-Wahl gewonnen. Doch die Krone der Miss Berlin hatte das Mädchen mit dem herzförmigen Gesicht damals wieder zurückgeben müssen, als herauskam, dass sie das vorgeschriebene Mindestalter von 16 Jahren noch nicht erreicht hatte. Diesmal hatte Svetlana, die als Miss Ostdeutschland an dem Finale am Roten Meer teilnahm, dafür umso mehr Grund, zu strahlen.

Auf Platz zwei verwiesen: Nadine Domröse© Achim Scheidemann/DPA
Das deutsch-ägyptische Publikum, das sich an diesem Abend im Festzelt eines erst vor wenigen Tagen eröffneten Hotels in Hurghada eingefunden hat, applaudiert fleißig. Und selbst die Damen mit Kopftuch riskieren einen prüfenden Blick auf die schlanken Deutschen mit ihren Tätowierungen und Bauchpiercings. Erstaunt stellen die Ägypter fest, dass deutsche Frauen im Jahr 2007 nicht unbedingt Petra oder Martina heißen müssen. Miss Nordrhein-Westfahlen heißt mit Nachnamen Simijonovic. Miss Baden-Württemberg hat Vorfahren in Thailand, und die mit 16 Jahren jüngste Teilnehmerin, Miss Berlin, hat ihre Wurzeln in der Türkei.
Dieses multikulturelle Flair passt aber offensichtlich nicht allen. Auf die Frage des Moderators, warum die Jury ausgerechnet sie auswählen sollte, antwortet Miss Bayern Nadine Domröse (22): "Ich bin ein gebürtig deutsches Mädchen." Als sie dann doch "nur" den zweiten Platz belegt, lächelt Nadine trotzdem tapfer weiter. Ihre zwei Jahre ältere Schwester Daniela, die als Miss Deutschland 2006 zu gerne Krone und Schärpe an die kleine Schwester weitergegeben hat, weint dagegen bitterlich.
Das Rennen macht an diesem Abend schließlich Miss Ostdeutschland Svetlana Tsys (18), die in Russland geboren wurde und schon seit Jahren an Schönheitswettbewerben teilnimmt. Mit ihrem runden Engelsgesicht und den für Model-Verhältnisse geradezu üppigen Rundungen wirkt sie nicht wie eine kühle Schönheit, sondern eher wie das sprichwörtliche Mädchen von nebenan. Freundlich lässt sie sich von ägyptischen Fernsehmoderatorinnen befragen. Sie lächelt, lächelt und lächelt - stundenlang. Tsys freut sich schon darauf, Deutschland demnächst bei der Miss-Europa-Wahl in Kiew und beim Finale der Miss Intercontinental in China zu vertreten.
"Wir sind nach der Wahl von einigen Gästen beschimpft worden, einer hat sogar "Schiebung" gerufen", ärgert sich Jurymitglied Charles Rettinghaus ("Unter uns"). "Über Geschmack kann man doch gar nicht streiten, und wir wählen ja hier schließlich auch nicht die Bundeskanzlerin." Der Schauspieler, der selbst drei Kinder hat, war optisch sowieso mehr angetan von den Teilnehmerinnen des vergangenen Misses-Deutschland-Wettbewerbs für Mütter und verheiratete Frauen, bei dem er ebenfalls mitentschieden hatte.
Die meisten Schönheitsköniginnen verschwinden hinterher wieder in der Versenkung. "Ich kenne eine, die ist jetzt Verkäuferin bei Karstadt, aber immerhin hatte sie ein Jahr lang Spaß", erzählt Rettinghaus. Eine der erfolgreicheren Schönheiten ist Alessandra Alores, die den Miss-Deutschland-Titel vor vier Jahren gewonnen hatte, diesmal Jury-Mitglied ist und inzwischen als Model in New York arbeitet.
Sie hatte 2003 für Aufsehen gesorgt, weil sie bei ihrer Wahl in Bielefeld erklärt hatte, sie wolle den irakischen Machthaber Saddam Hussein treffen, um ihn davon zu überzeugen, dass er einen Krieg gegen sein Land verhindern müsse. Kurz vor der US-Invasion erhielt sie prompt eine Einladung nach Bagdad, traf allerdings nur Saddams berüchtigten Sohn Udai, der später von den US-Truppen erschossen wurde. "Er hat mich über Nachtclubs in Deutschland ausgefragt", erinnert sie sich.
Der Miss-Deutschland-Wettbewerb findet erstmals im Ausland statt. Außerdem gibt es die Wahl der Miss Germany, die am 10. Februar im Europa-Park Rust stattfinden soll.