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2. Juni 2008, 11:45 Uhr

Adam Sandler rettet die Dauerwerbesendung

Tom Cruise, Charlize Theron, Edward Norton - die Macher der MTV Movie Awards lockten mit großen Namen. Genützt hat es nichts. Die Preisverleihung in Los Angeles geriet zur gähnend langweiligen Dauerwerbesendung, bei der ein peinlicher Auftritt dem nächsten folgte. Von Frank Siering, L.A.

So blass wie der Auftritt von Rainn Wilson und Megan Fox war auch die ganze Veranstaltung© Kevin Winter/Getty Images

Eigentlich geht es bei den MTV Movie Awards um die "Goldene Popcorn Trophäe", die alljährlich in so ungewöhnlichen Kategorien wie "Bester Filmbösewicht", "Bester Kampf" oder "Bester Kuss" vergeben wird. In diesem Jahr verkam die Zeremonie jedoch zu einer Dauerwerbesendung, so dass das Zuschauen schon physisch wehtat. Erfreulich war allein die Tatsache, dass die Verleihung wie geplant auf dem Gelände der Universal Studios stattfinden konnte, denn wenige Stunden vor dem Startschuss wütete dort ein Großbrand, der zahlreiche Kulissen und Kostüme zerstörte.

Moderiert wurden die MTV Movie Awards in diesem Jahr von Komiker Mike Myers. Der hüpfte als Gastgeber über die Bühne, um bei jeder sich bietenden Gelegenheit seinen neuen Film "The Love Guru" zu erwähnen. Will Smith, der der am Abend zuvor noch mit Tom Cruise auf dessen neues Haus in Beverly Hills angestoßen hatte, rührte erst die Werbetrommel für seinen neuen Film "Hancock" und wurde anschließend für seine Rolle in dem Streifen "I Am Legend" mit dem Preis für den "Besten Darsteller" ausgezeichnet.

Der Auftritt von Coldplay verkam zum Angriff auf das Trommelfell

Auch die im Vorfeld ungemein gehypte britische Band "Coldplay", Frontman Chris Martin ist mit Schauspielerin Gwyneth Paltrow verheiratet, durfte ungehemmt ihre neue CD promoten. Spätestens seit diesem Auftritt dürfte jeder wissen, dass das neue Album der Band, "Viva la Vida" heißt und exklusiv über iTunes zu erwerben ist. Der Live-Auftritt von Coldplay, die Musiker waren in phantasievolle Uniformen gekleidet, verkam zu einem echten Angriff auf das Trommelfell. Papa Chris Martin hat in letzter Zeit wohl ein bisschen mehr Zeit mit seinen Kindern auf dem Spielplatz verbracht anstatt im Aufnahmestudio zu proben.

Weiter ging's mit den Werbeauftritten. Warum tragen die Schauspieler eigentlich nicht gleich T-Shirts oder Hüte, die auf den neuen Film hinweisen? Als nächster war Edward Norton dran. Der Intellektuelle unter Hollywoods Schauspielern ist kaum noch auf der Leinwand zu sehen. Angeblich, weil er lieber anspruchsvolle Filme und Theaterstücke produzieren möchte. Warum er dann jetzt mit einer zum x-ten Mal aufgewärmten Version von "Der unglaubliche Hulk" - der letzte "Hulk" war Schauspieler Eric Bana und floppte von Hamburg bis Hongkong - in die Kinos kommt, war wohl selbst dem konsternierten Norton ein Rätsel. Vielleicht braucht auch einer wie Edward Norton ab und zu mal einen guten Zahltag, um dann wieder im intellektuellen Elfenbeinturm verschwinden zu können.

Auch Lindsay Lohan rührte die Werbetrommel - für sich selbst

Apropos, Zahltag: Auch Lindsay Lohan war im Saal. Warum? Weil sie die Studios darauf aufmerksam machen möchte, dass sie zurück ist. Nüchtern, ohne Drogen und pünktlich. Ihr Auftritt bei MTV war also eine Art Bewerbungsgespräch. Ob's geholfen hat? Die Liste der schamlosen und zum Teil überflüssigen Werbeauftritte setzte sich den ganzen Abend fort. Ben Stiller, Anne Hathaway, Steve Carell, The Rock Johnson und auch Seth Rogan und James Franco bewarben ihre neuesten filmischen Werke. Zum Schluss gab es dann doch noch einen echten Höhepunkt. Nein, es war nicht Tom Cruise, der außergewöhnlich gut gebräunt aussah, sondern der Auftritt von Adam Sandler. Der Komiker erhielt den "MTV Generation Award" und zeigte sich als echter Gewinner des Abends. Sein musikalischer Auftritt war genauso auf den Punkt wie seine anschließende aufrichtige Rede - in der er nicht ein einziges Wort über seinen neuen Film "Don't mess with the Zohan" verlor.

Von Frank Siering, L.A.
 
 
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