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8. Juni 2006, 16:06 Uhr

Meine Eltern, die Superstars

Shiloh Nouvel Jolie-Pitt ist gerade geboren, Suri Holmes Cruise sechs Wochen alt. Doch schon beherrschen sie die Klatschspalten. Wie wird es sich leben, wenn Mami und Papi bekannt sind wie bunte Hunde? Von Till Raether

Die Tochter von Angelina Jolie und Brad Pitt kam in Namibia zur Welt© AFP Photo

Mag sein, dass in diesem Jahr in Deutschland eine Fußball-WM stattfindet, der Iran sich die Atombombe baut und die Große Koalition vor lauter Langeweile zerfällt. Es ist egal, dies sind Nebengeräusche. Denn 2006 wird uns in Erinnerung bleiben als das Geburtsjahr zweier Babys, die wir (die informierte Öffentlichkeit) vielleicht noch sehnlicher erwartet haben als die werdenden Eltern. Gut, dass Shiloh Nouvel Jolie-Pitt am vergangenen "Sonntag 1.40 Uhr" geboren wurde, wie Namibias Tourismusministerium bekannt geben durfte.

Welches Leben erwartet die Promi-Babys?

Die Eltern des Kindes, Angelina Jolie und Brad Pitt, sind ebenfalls wohlauf. Und gut, dass Katie Holmes ihrem Lebensgefährten, dem "Operierenden Thetan" Thomas Cruise Mapother IV, bereits am 18. April eine Tochter geschenkt hat. Denn mit diesem Doppelschlag haben die öffentlich bis ins letzte Detail auszelebrierten Liebesgeschichten der Paare Holmes/Cruise und Jolie/Pitt endlich ihren dramaturgischen Höhepunkt erreicht. Wie soll es nun weitergehen? Womit sollen wir uns jetzt beschäftigen? Ganz klar: mit der drängenden Frage, welches Leben die beiden Promi-Butzeln erwartet.

Wir wissen nicht viel über die Kinder von "TomKat" und "Brangelina". Zum einen sind da die Namen. Zuletzt hatte es Gerüchte über Beziehungsprobleme im Hause Jolie/Pitt gegeben, möglicherweise haben sie ihre Tochter deshalb nach einem großen Schlachtfeld des amerikanischen Bürgerkrieges benannt. Der Namenszusatz "Nouvel" signalisiert, dass es sich um ein "neues" Kind handelt, also ein Baby; Kinderärzte vermuten, dass dieser Namenszusatz zusammen mit dem Rest der Nabelschnur in etwa acht bis zehn Tagen abgestoßen wird. Das Kind von Cruise/Holmes heißt Suri.

Scientology fordert eine stille Geburt

Das soll "rote Rose" oder "Prinzessin" heißen, teilen Tom und Katie mit. Namensforscher widersprechen. Angeblich bedeutet Suri auf Japanisch "Taschendieb". Es wird weitergeforscht, kann sein, dass Suri auf Sanskrit "Windelvolontariat" bedeutet oder "Rüdiger". Suris Eltern sind Scientologen, das finden viele nicht gut. Angeblich schreibt Scientology eine "stille Zeugung" und eine "stille Geburt" vor, weil in diesen wichtigen Momenten Schmerzensschreie oder Pressekonferenzen das Kind traumatisieren könnten. Die Geburt soll "still" gewesen sein, falls die Zeugung es auch war, wären dies im vergangenen Jahr die einzigen Sekunden gewesen, in denen Tom Cruise die Klappe gehalten hätte. Kritiker halten Scientology für gefährlichen Unfug, die Rede ist von Ausbeuterei und Gehirnwäsche. Angeblich durfte Katie Holmes seit ihrer Liaison mit Tom Cruise ohne Scientology-Assistentin nicht einmal aufs Klo gehen. Scientologen haben mehr Zähne als gewöhnliche Menschen, das sieht man an Tom Cruise, John Travolta und Isaac Hayes. Scientologen glauben, stark vereinfacht, dass in uns die Seelen von Außerirdischen wohnen, welche es mit Hilfe eines kostspieligen Kursprogramms freizusetzen gilt. Das kann man albern finden, man kann aber auch sagen, Scientology ist eine Religion, die sich eine gewisse Kindlichkeit bewahrt hat. Vielleicht hat Suri Spaß an der Sache mit den Außerirdischen, Kinder glauben ja auch, dass Stofftiere leben und Tokio Hotel eine Rockband ist.

Mehr Sorgen sollte einem bereiten, was Suri nach und nach über ihre Eltern herausfinden wird. Wenn Kinder ein wenig älter sind, blättern sie mit großem Wissensdurst in alten Fotoalben, um sich Bilder ihrer Eltern vor und nach der eigenen Geburt anzuschauen, Bilder einer fremden und doch vertrauten, fast verwunschenen Welt, die man nie kennen gelernt hat, von der man aber ein Teil ist. Suri wird eines Tages keine Bilder von Mama und Papa vor dem neuen gebrauchten Astra-Kombi betrachten, sondern Fotos eines entgrenzten Quasi-Irren, der auf Sofas herumspringt. Und immer das gleiche Foto von Mama, die merkwürdig pflanzenartig vor sich hin lächelt, mit leerem Gesichtsausdruck, weil sie sich stark darauf konzentrieren muss, in jede öffentliche Äußerung die Formulierung "Ich bin so aufgeregt!" einzubauen. "Mama", wird das Kind fragen, "was hat Papa dir zur Verlobung geschenkt?" "Einen superteuren Ring und alle seine Filme auf DVD. Ich war so aufgeregt." "Auch "Cocktail"?", wird das Kind fragen. "Ja, auch "Cocktail"", wird die Mutter sagen und pflanzenartig, aber auch leicht gequält lächeln, wie eine Schnittblume.

Man braucht Humor für die Kindererziehung

Wichtig bei der Kindererziehung ist, dass man den Humor nicht verliert. Brad Pitt wirkte in den vergangenen Monaten nicht, als hätte er drei Schritte hinter Angelina Jolie noch viel zu lachen. Dem "schönsten Paar der Welt" nahe stehende Quellen versichern jedoch, er sei zu Hause mit den Kindern "sehr lustig". Zwei seiner Standardnummern sind bekannt: Oh, Papa lässt sich einen zotteligen Bart wachsen! Und noch einen! Und noch einen! Oh, Papa setzt einen albernen Hut auf! Und nimmt ihn nie wieder ab! Kinder kriegen nicht genug von so was.

Moderne Ehen reiben sich oft an der Frage auf, wer welches Kind wann und wie von A nach B bringt. Es ist beeindruckend, wie entschlossen "Brangelina" und "TomKat" dieses logistische Problem angehen. In beiden Beziehungen haben die Haushaltsvorstände (Angelina Jolie und Tom Cruise) einen Pilotenschein und ein eigenes Flugzeug, Brad Pitt lernt Hubschrauberfliegen. "Sind wir bald da?" "Ruhig jetzt, Mama hat noch keine Landeerlaubnis." Oder: "Vertragt euch, sonst setzt Papa Brad euch noch vor Davos auf einem einsamen Berggipfel aus!" Der Hinweis, dass Kindern oft schon auf dem Rücksitz eines Mittelklassewagens schlecht wird, muss jedoch erlaubt sein.

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