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24. Januar 2011, 10:20 Uhr

Fleischgewordene Männerfantasie

Nastassja Kinski feiert am heutigen Montag ihren 50. Geburtstag. Das Image der Lolita-esken Kindfrau ist sie trotzdem nie ganz losgeworden.

Für einige Jahre war sie Deutschlands sinnlichstes Gesicht in der Welt. Nastassja Kinski war noch keine 20, als internationaler Starruhm zu ihrem ständigen Begleiter wurde. Ihr Jungmädchenzauber ließ sie in den späten 70-er Jahren zur Ikone werden. Keine andere Schauspielerin aus Deutschland hatte damals so viel Erfolg im Ausland wie Nastassja Kinski. Ihr Ruhm ist inzwischen ein wenig verblasst, doch dreht sie immer noch Filme. Am Montag wird Nastassja Kinski, der das Kino lange Zeit die Rolle des ewigen Mädchens zudachte, 50 Jahre alt.

Kinskis Karriere fing früh an - und erscheint im Rückblick wie ein Versprechen, das sich nicht ganz erfüllt hat. Als große Schauspielerin hat sich die Tochter des Filmexzentrikers Klaus Kinski dauerhaft nicht etablieren können. Das Kino missbrauchte sie als Lustobjekt, legte sie fest auf die Rollen der Lolita, des Vamps - ganz so, als wäre sie zu schön gewesen für inhaltlich gute Filme. Nastassja Kinski machte mit. Sie ließ so oft vor der Kamera die Hüllen fallen, dass es die "New York Times" in den 90-er Jahren in einer säuerlichen Kritik über einen Film schon als Verdienst Kinskis hervorhob, "dass es ihr gelungen ist, bekleidet zu bleiben".

Begonnen hatte Kinskis Karriere rasant, wild, zauberhaft - ein Teenagertraum. Den ersten Film drehte sie mit 13 Jahren, mit 15 dann kam der Durchbruch in der legendären Tatort-Folge "Reifezeugnis": Sie spielte eine Schülerin in tödlicher Liaison mit einem Lehrer. Im wahren Leben geht Kinski noch als Minderjährige eine Beziehung zu Starregisseur Roman Polanski ein, der sie 1979 in seiner Romanverfilmung "Tess" groß rausbringt. Die Kinski betörte die Welt. Als Postermotiv wurde sie durch eine Aufnahme des Fotografen Richard Avedon mit einer Python-Schlange zum Kult, eine Männerphantasie als Wandschmuck.

Dass sie ihre schauspielerischen Leistungen nicht immer mit Disziplin vorantrieb, räumte Kinski selber ein. "Es ist sicher wahr, dass ich den extremen Ehrgeiz anderer nicht besitze", sagte sie 2001 dem "Spiegel" zum Stand ihrer Karriere. Es gebe wenig gute Filmangebote für sie. "Und ich kann mir den Luxus nicht leisten, alles andere abzulehnen." So weist die Liste ihrer Filme eine große Spannbreite an Qualität auf.

Schon als Teenager arbeitete Kinski mit renommierten Regisseuren wie Wim Wenders zusammen. Daneben stehen freizügige Filme im Stil der wilden Siebziger. Auch nach ihrem Wechsel nach Los Angeles, wo Kinski seit Jahrzehnten lebt, stellten die Filme ihre körperliche Merkmale mindestens ebenso heraus wie ihr schauspielerisches Talent. In "Katzenmenschen" (1982) verwandelt sie sich nach Sex in einen Panther. In "Exposed" (1983) spielt ihr Filmpartner Rudolf Nurejew auf Kinskis Körper mit einem Cellobogen wie auf einem Streichinstrument.

Später bedauerte Kinski die Fixierung auf das Physische. "Das musste nicht sein", sagte sie vor zwei Jahren in der ZDF-Talkshow von Johannes B. Kerner. "Seit ich sehr jung bin, hat man mir ein bestimmtes Image verpasst." Ab Mitte der 80-er Jahre wandte Kinski sich eher künstlerischen Filmen zu, die oft aber ohne große Resonanz beim Publikum blieben. Filmkritiker sprangen nicht immer gnädig mit ihr um - ebenso wie die Boulevardmedien, die ihr Privatleben mit großem Interesse verfolgten. In den 90-er Jahren war Kinski einige Jahre mit dem Musikproduzenten Quincy Jones liiert. Nastassja Kinski hat drei Kinder und lebt in ihrer Wahlheimat Los Angeles.

Peter Wütherich, AFP
 
 
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