Für ihren neuen Film musste sie sich extra den Schädel kahlscheren lassen: Natalie Portman will weg vom Schmuse-Image und spricht im Interview über ihre Hollywood-Karriere und Terrorismus.

Haarsträubend: Natalie Portman in "V wie Vendetta"© Warner Bros
Natalie Portman ist erst 24 Jahre alt, doch schon seit über einem Jahrzehnt ein Weltstar. Neben Jean Reno spielte sie sich in dem französischen Killer-Thriller "Leon - Der Profi" in die Herzen eines weltweiten Publikums. Danach arbeitete sie wie im Rausch weiter, absolvierte Auftritte in Blockbustern wie "Heat", "Mars Attacks!" und spielte, mit gerade mal 18, die schöne Prinzessin Amidala im ersten Teil der "Star Wars"-Reihe. Mittlerweile ist sie zum Sinnbild zarter Hollywood-Romantik geworden. Gegen dieses Image kämpft die in Jerusalem geborene Natalie Portman nun engagiert an und verwandelt sich in der provokanten Comic-Verfilmung "V wie Vendetta" vom liebreizenden Unschuldslamm zur gewaltbereiten Terroristin. Eine echte Herausforderung für den Workaholic: "Einmal ein Angebot auszuschlagen, einfach nicht zu arbeiten, das wäre wirklich riskant, gerade wenn so viel auf einen einstürmt wie auf mich in dieser Zeit." Im Interview spricht sie über ihren geschorene Haare und die schwierige Frage nach Sinn und Unsinn von Gewalt und Terrorismus.
Sie wachen ja schon wieder fleißig. Ich fand es wirklich spannend, mein Haar abrasieren zu lassen. Das war eine besondere Herausforderung für mich als Frau. Vorher hatte ich nie den Mumm dazu. Jetzt gab es einen triftigen Grund.
In der Szene sollte ich niedergeschlagen aussehen, mit den Nerven am Ende. Genau das glaubhaft zu spielen, war für mich das Schwierigste. Schließlich war ich voller Spannung und Vorfreude darauf, wie ich wohl aussehen würde ohne meine langen Haare. So stand ich sehr unter Stress, weil wir nur einen Versuch hatten. Alles musste perfekt sein: Kameraeinstellung, meine Darstellung, einfach alles.
Die Vorbereitung hat sich lange hingezogen. Die Szene wurde immer wieder geprobt - aber nicht mit mir, versteht sich. Wir hatten zahlreiche Freiwillige, die sich zur Probe die Köpfe haben rasieren lassen - meistens Männer. So konnten wir schon vorher alle Unwägbarkeiten ausschließen. Schließlich hätte ja auch was mit dem Rasierer schief gehen können.

Portman mit Haaren bei der Berlinale in Berlin© Jochen Lübke/DDP
Ein Schauspieler hätte zu viel falsch machen können. Daher war ich froh, dass der einzig ausgebildete Friseur am Set, Jeremy, den Job erledigt hat.
Das brauchte natürlich eine noch viel längere Vorbereitungszeit. Dafür wurde extra eine Sprachtrainerin schon während der Dreharbeiten meines vorherigen Films "Freezone" nach Israel geflogen. Richtig warm mit dem Akzent wurde ich aber erst, als ich die ersten zwei Monate, in denen wir "V wie Vendetta" drehten, ausschließlich in englischer Hochsprache parliert habe. Meiner Mutter hat das gar nicht gefallen: Irgendwann sei es genug, meinte sie, es klinge furchtbar.
Wir bekamen natürlich alle den Original-Comic zum Lesen. Das führte mich zu weiteren Büchern, die damit zu tun hatten. Aber ich ging die Sache auch von anderen Perspektiven an, schaute mir eine Dokumentation über "Weather Underground" an, eine radikale Gruppe, die in den 60er-Jahren mit Gewalt gegen die Politik der USA in Vietnam protestierten. Und ich las auch Begins Buch "White Nights" über die Inhaftierung in einem sibirischen Gefängnis. All das gab mir eine Vorstellung von der gesamten Mentalität, die "V wie Vendetta" kennzeichnet.