. .
Leute - Stars und Promis
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
19. Januar 2008, 09:33 Uhr

Tom und wie er die Welt sah

Im Internet ist ein neues Scientology-Video von Tom Cruise aufgetaucht. Diesmal redet er so wirres Zeug, dass ganz Amerika sich mittlerweile über den Hollywoodstar lustig macht. Mit allen Mitteln versucht Scientology, die Videos zu verbannen. Von Jörg Isert

Macht sich selbst zur Witzfigur: Tom Cruise© DPA

Boom! Boing! Pfff! Wenn Tom Cruise über sein Lieblingsthema spricht, benutzt er gerne die Comic-Buch-Sprache. "Ein Scientologe ist jemand, der sich die Welt anschaut - und sie wirklich wahrnimmt, wie sie ist. Und der sie dann nicht nur wahrnimmt. Sondern dann auch fähig ist, 'Pffff!' zu machen und effektiv zu sein. Und deshalb etwas zu machen. Und er fragt nicht um Erlaubnis." Cruise kommt kurz ins Stocken, grübelt. Dann geht es weiter in seiner abgedrehten Religionsstunde: "Warum um Erlaubnis fragen? Schließlich sind wir die Autoritäten!" Schon macht es "Wuuussssch" und ein aufgedrehter Sprecher plappert aus dem Off: "Wenn Tom Cruise Stellung bezieht, dann heißt es bis zur Ziellinie Pedal to the metal - Vollgas geben! Und nein, er fragt nicht um Erlaubnis!"

Es ist ein Ausschnitt aus einem weiteren Cruise-Video, das im Internet kursiert. Weil Bilder mehr sagen als tausend Worte, haben sich die US-Medien in den vergangenen Tagen weniger auf die Biografie von Andrew Morton gestürzt, sondern voller Bestürzung auf die firmeninternen PR-Clips der Scientology, die Cruise in der Rolle seines Lebens zeigen: Als messianischen Verbreiter einer verquasten Lehre, die seriös daher kommt, aber ein Kessel Gebrabbel ist. Geschrieben von einem Mann namens L. Ron Hubbard, dessen Gedankengut es in den USA zum Status einer Religion brachte. Es ist das Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

Je mehr man zuhört, desto weniger versteht man

Je mehr Cruise-Clips im Internet auftauchen, desto schriller scheinen sie auszufallen. Cruise über Psychiater: "Bei diesen Jungs werde ich wirklich eiskalt. Psychiater. Ich habe es satt. Ich habe es wirklich satt. Es widert mich an. Wie sie versuchen, das, was sie machen, zu rechtfertigen. Und plötzlich wird das Ganze als selbstverständlich akzeptiert - als ob es okay ist. Ich habe kein Erbarmen mit ihnen. Keines."

"Es", "etwas", "das Ganze" - Cruises Märchenstunde hat eine tragische Note. Je mehr man zuhört, desto weniger versteht man. Wovon redet der Mann? Er wirft nur so mit Buchstaben und Abkürzungen um sich. "Äs-Piis" sind die Gegner der Gemeinschaft, "Si-Si-Ar-Eitsch" ein sogenanntes Antidrogenprogramm. Aber wer soll das wissen? Es klingt nach pseudowissenschaftlichem Star-Trek-Jargon - Sciencefictionology. Dann wieder ist es ein einziger Boom-Boing-Pfff-Overkill. Ein Weltstar als Lachnummer.

Amerika macht sich über Cruise lustig

Eine Lachnummer ist Cruise inzwischen wirklich. Niemand hat seine wahnsinnigen Auftritte besser auf den Punkt gebracht als der Comedian Craig Ferguson. In einem Eineinhalb-Minuten-Film in seiner "Late Late Show" auf CBS nahm der Schotte, mit einer braunen Perücke ausgestattet, die verirrt-verwirrten Cruise-Manierismen aufs Korn. Fuchtelt wild mit den Armen, lacht wie von Sinnen - genau wie das Vorbild. Mittlerweile ist der Clip ein Renner auf youtube.

Das Erstaunliche: Dank des absurden Verhaltens von Cruise fällt es sogar den toleranten Amerikanern immer mehr auf, dass Top Tom Hilfe dringend Hilfe braucht. Bei CNN und anderen Sendern beschäftigen sich Moderatoren ausführlich mit Cruise und seinem Unternehmen, das in den Vereinigten Staaten als Religion läuft. In TV-Specials wie "Inside Scientology: Ein Glaube unter Beschuss" wird die Gruppe gehörig angegangen. Es ist ein medialer Supergau.

Dass die Scientology verzweifelt versuchte, die Filme von Websites wie gawker.com entfernen zu lassen, hat alles nur noch schlimmer gemacht. Spätestens dadurch wurden die Medien auf die Filme mit Namen wie "Tom Cruise über Tom Cruise" oder "Tom Cruise über Scientology" aufmerksam. Während Scientology-Anwälte Gawker Media vorwerfen, das Video ungenehmigt veröffentlicht zu haben, beruft sich Gawker nämlich auf das sogenannte "Fair Use"-Recht. Danach kann das unautorisierte Publizieren geschützten Materials gestattet sein, wenn das gezeigte Material eine nachrichtliche Relevanz hat. Gawker sieht diese Bedingung bei den Cruise-Filmen erfüllt.

Tom Cruise will aufräumen

Weshalb auf der Seite inzwischen fast alles rund um Toms Tag 2004 zu sehen ist. Als Cruise mit der "Freiheitsmedaille für Heldenmut" von seinen frommen Freunden ausgezeichnet wurde - für, ha ha, "Erreichtes im Bereich der Exzellenz". Laut gawker.com ist das Gezeigte der "director's cut". Cruise schick im Anzug, eine Plakette baumelt an einem Band um seinen Hals. Der Meister redet auf ein großes Publikum ein, hinter ihm befindet sich ein gigantisches Scientology-Fantasy-Logo. "Jetzt ist die Zeit, Leute! Die Zeit, an die wir später einmal so zurückdenken werden: Wart Ihr damals ein Teil davon? Was habt ihr gemacht?"

Dann wird Tom noch emotionaler: "Ich denke ihr wisst, dass ich für euch da bin. Und ihr liegt mir wirklich sehr, sehr, sehr am Herzen." So viel sehrs sind fast schon beunruhigend. Cruise ruft: "Was denkt ihr, werden wir diesen Platz aufräumen?" Der gesamte Scientology-Saal ruft begeistert. "Yeahhh." Was ist "dieser Platz"? Die Erde, die Scientology nach eigenem Verständnis "säubern" will?

Zuletzt umarmt Cruise den Oberscientologen David Miscavige. Der steuert seit 21 Jahren die Geschicke der ominösen Organisation. Ex-Scientologen erzählen die unglaublichsten Geschichten über ihn: Dass er Gegner der Gruppe als "Eichhörnchen" bezeichnet, die es fertig zu machen gilt. Dass er missliebige Mitglieder am Kragen packte und heftig schüttelte, ihnen ins Gesicht schlug. Sie schlicht und ergreifend misshandelte. Das ist der Mann, den Cruise voller Inbrunst umarmt. So lustig seine verpeilten Auftritte auch wirken - so lustig ist das alles dann doch nicht.

Vielleicht können sich Deutschlands Kinobetreiber im Sommer ja dazu durchringen, diesen kurzen Cruise-Clip vor "Walküre" zu zeigen: Der künftige Graf von Stauffenberg salutiert vor dem Bild eines alten Mannes und spricht stramm stehend die Worte "Für El-Ar-Eitsch." Lafayette Ron Hubbard hätte sich sicher gefreut. 1986 hat er den Abgang ins scientologische Himmelreich gemacht. Wahrscheinlich liegt es irgendwo im Weltraum.

Mehr über Scientology...

Mehr über Scientology... ...und die besondere Rolle, die der Schauspieler Tom Cruise in der Sekte spielt, lesen Sie im aktuellen stern

Von Jörg Isert
 
 
KOMMENTARE (10 von 19)
 
LisaT (21.01.2008, 02:25 Uhr)
Hoch professionell
Diese Ansprache von Tom Cruise hinter dem Rednerpult ist beeindruckend: top professionell inszeniert und hoch manipulativ. Es sieht so aus, als spräche er spontan und finde vor lauter Rührung nicht die passenden Worte. Dabei ist alles von A-Z einstudiert. Ein echtes Lehrstück in Sachen Manipulation!
hiro42 (20.01.2008, 10:54 Uhr)
Es ist Zeit
Es ist halt mal wieder eine schwierige, unübersichtliche Zeit. Das hat schon immer Extremisten in die Karten gespielt. Taliban, Scientologen und Fanatiker jeder Art profitieren schon immer von der Verusicherung der Menschen. Tom Cruise ist letztendlich nur ein armes, kleines, wirres Männchen, das aber dummerweise über viel Macht und Einfluss verfügt. Trotzdem: In einer funktionierenden Geselllschaft hätten Vereinigungen wie Scientology keinen Nährboden und damit keine Chance - was mich befürchten lässt das sie in Deutschland trotz aller Aufklärung in den nächsten Jahren wachsen werden. So gesehen hilft ihnen die demagogische Panikmache in unserm Land bei der Verwirklichung iihrer Ziele. Vielleicht etwas weit hergeholt, aber sicher nicht ganz falsch.
Known (20.01.2008, 10:04 Uhr)
Original-Video
findet sich hier:
http://gawker.com/5002269/the-cruise-indoctrination-video-scientology-tried-to-suppress
MissBaxter (20.01.2008, 10:01 Uhr)
auf den Punkt gebracht
Ein ganz ausgezeichneter Artikel, der den Mimen so darstellt wie er ist. Nicht mehr Herr seiner selbst,mit wirren Gedankengängen und extrem auffälligem Verhalten. Alleine seine Äußerungen gegen Psychiater lesen sich schon so wie die Wutschreie eines aufgebrachten Kindes, dass zwar bei Verbotenem erwischt wurde, aber dennoch trotzt und dem Rest der Welt die Schuld an seinem Verhalten geben möchte. Der Mann und alle anderen gestörten Persönlichkeiten die diesen Unfug von einem großen Außerirdischen, der kommen wird um die Welt von den nichtgeistig Gereinigten - also allen NICHT-Scientologen zu reinigen so inbrübstig glauben, gehören in die Geschlossene. Ohne wenn und aber.
Ich möchte nocheinmal darauf hinweisen, dass man die Scientology NICHT mit anderen Weltreligionen vergleichen darf. Den Humbug den Goebbels als Staatsreligion angedacht hatte um den Nationalsozialismus zu festigen, glaubt ja heute auch kein Mensch mit Verstand mehr.
dutchinmex (20.01.2008, 01:55 Uhr)
Ah, aeternitas,
damit beweist Du, daß Du und deine Mitglaubenden mehr gute Menschen als religioese Ueberzeugte sind, was meiner atheistischen Weltansicht schon sehr viel naeher kommt :-). Daß aber auch Nachfolger nicht-katholisches Christentum so ihre Macken haben, wird in meinem Geburtsland sehr deutlich in einigen Doerfern gezeigt: wage es nicht, als nicht-Calvinist am Sonntag Auto zu fahren oder ins Schwimmbad zu gehen, das bezahlst Du dann wohl waehrend der Woche wenn keine Sonntagsruhe geboten ist.
Es ist in keinem Falle etwas gegen dem individuellen Glauben an Gott zu sagen; obwohl das, jedenfalls fuer mich, nichts anderes als eine Annahme ist, soll jeder die Freiheit dazu haben. Es gibt aber kaum etwas anderes, das zu dermaßen viel Elend, Kriege und Tote gefuehrt hat, als das Institut Religion, und das alles unter dem Mantel der Wahrheit ueber ein existenziell unbeweisbares Wesen/Ziel. Und in letzerem unterscheiden sich Christentum, Islam und Judismus nicht von Voo-Doo oder besagtem Cruise-Glauben. Trotz dieser Etherik versuchen alle (ja!) Religionen ihr Dasein mit unmenschlichen und/oder menschunwuerdigen Mitteln zu behaupten; sie finden immer Leute, die darauf hereinfallen und ihre Humanitaet ohne viel Nachdenken von Betruegern zweitrangig machen lassen. Boykottieren und verbieten einer Religion ist aber genausosehr realitaetsfremd wie die Religion selbst; eine Ueberzeugung kann und darf man nicht verbieten, nur eine daraus erfolgende Aktion die die Freiheit anderer einschraenkt.
aeternitas (20.01.2008, 00:15 Uhr)
@dutchinmex
Ich kann es dir beweisen :-)
Wenn in meiner Religion (ev. Landeskirche) einer austritt, dann tut er es aus Überzeugung und niemand wird ihn daran hindern! Er wird ganz normal weiterleben wie bisher, er kann seine Familie und alle seine Freunde, die noch bei der Kirche sind, jederzeit kontaktieren und niemand hat ein Problem damit. Er wird auch psychisch in 99,99% keine Beschwerden davon tragen, dass er jemals Mitglied der ev. Landeskirche war. Und was noch viel besser ist, selbst wenn er noch in der Kirche Mitglied ist, kann er sich so viel mit Ungläubigen abgeben wie er will, es stört keinen. Er kann alle Bücher lesen die er will, jede Musik hören die er will.... er muss sich keinem unterordnen, niemand sagt ihm, was er tun und lassen soll, es gibt keine Gottesdienstpflicht außer wenn man konfirmiert werden will... wir akzeptieren auch alle anderen Weltreligionen weil wir denken alle haben ihre Daseinsberechtigung (Scientology gehört nicht dazu)
dutchinmex (19.01.2008, 20:20 Uhr)
Es
gibt meines Wiisens noch keine Verbindung zwischen koerperlichen Merkmalen und geistigen Faehigkeiten, aber ich lasse mich gern eines anderen belehren.
Und diesmal in Schrift statt Video:
http://www.dailymail.co.uk/pages/live/articles/news/worldnews.html?in_article_id=504969&in_page_id=1811
Weshalb soll ich den Bayer als intellektuell ueberlegen betrachten an den Ami? Oder Pat Robertson als weniger bedrohlich? Oder Benny Hinn und andere Genesungsprediger als weniger durchgedreht?
Licorice (19.01.2008, 18:46 Uhr)
Weltherrschaftsfantasien
@dutchinmex: Über Cruise's intellektuelles (Un)Vermögen kann sich jeder sein eigenes Bild machen, wenn er sich die betreffenden Videos ansieht. Dass Cruise seinen kurzen Körperwuchs mit Weltherrschaftsfantasien kompensieren möchte, ist tragisch.
dutchinmex (19.01.2008, 18:30 Uhr)
Quote
"trotz seine ausgeprägten Zwergenwuchses"....... Dieses Aergument sagt mehr ueber die sachliche Mentalitaet des Argumentierers als daß es einen Aussagewert hat bezueglich Cruise's intellektuellem Vermoegen.
dutchinmex (19.01.2008, 18:18 Uhr)
Und was
ist dann bei dieser Sekte unterschiedlich zu den TV- und Massen-Evangelisten, die es dort zuhauf gibt? Gelder sammeln sie alle in Zigmillionenhoehe, Hysterie gibt es bei allen in unbegrenzter Menge, Unterdrueckung von individuellem Denken ist genauso universell. Und ist nicht jede Religion genauso Fictionology mit Wirren an der Spitze, die Maerchen erzaehlen nur des eigenen Institutes selber wegen? Wenn nicht, dann beweise (!, nicht mit Bibelquoten oder dogmatische Aussprachen) mir mal einer, weshalb (s)eine Religion besser ist als die von Tom Cruise.
MEHR ZUM ARTIKEL
Internet-Video Tom Cruise als irrer Heils-Prediger

Als ob Tom Cruise nicht schon genug Ärger hätte, ist nach dem Erscheinen der kontroversen Biografie des britischen Autors Andrew Morton nun auch noch ein internes Scientology-Video aufgetaucht. Es zeigt den Superstar als irren Prediger. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (22/2012)
Dick im Geschäft