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3. April 2008, 10:09 Uhr

Dance and the City

Michail Baryschnikow war einst ein gefeierter Tänzer, dann wurde er Schauspieler, zuletzt gab er in "Sex and the City" den russischen Liebhaber von Sarah Jessica Parker. Nun stellt eine Galerie in Manhattan seine Bilder aus: Baryschnikow hat Ballett-Tänzer fotografiert - bemerkenswert schön. Von Ulrike von Bülow

Michail Baryschnikow bei der Eröffnung seiner Ausstellung gemeinsam mit seiner ehemaligen Partnerin, der Schauspielerin Jessica Lange© Astrid Stawiarz/Getty Images

Es kommt häufiger vor, dass man in New York an "Sex and the City" erinnert wird. Etwa, wenn man auf der 54. Straße bei Manolo Blahnik vorbeikommt, dem Schuh-Mekka Carrie Bradshaws, und diese unfassbar hohen Stilettos im Schaufenster sieht, die nicht jeder tragen und schon gar nicht jeder bezahlen kann. Oder wenn man in einem Café sitzt und am Nebentisch ein paar junge Damen wie Carrie und ihre drei Freundinnen über nichts anderes reden als ihre verkorksten Dates mit verkorksten Männern: "Er war total nett und wollte mich anrufen, aber er hat sich nie wieder gemeldet", "Manchmal treffen wir uns und dann wieder nicht, ich weiß nicht, was das mit uns werden soll", so geht das dann in einer Tour.

Auch kommt einem "Sex and the City" in den Sinn, wenn man die Galerie "401 Projects" im West Village betritt, in der seit ein paar Tagen die neue Kunst von Michail Baryschnikow ausgestellt wird. Michail Baryschnikow spielte einst Alexandr Petrovsky, jenen russischen Künstler, der Carrie Bradshaw in der finalen Staffel erst glücklich machte und dann unglücklich, so dass sie am Ende doch noch in die Arme von Mr. Big fiel. Mr. Baryschnikow war perfekt für die Rolle des Herrn Petrovsky, denn er hat russische Wurzeln, er ist in New York zuhause und ein Künstler ist er sowieso.

Baryschnikow fotografierte die Tänzer der "Merce Cunningham Dance Company"© Michail Baryschnikow

Der Blick durch die 3D-Brille

"Merce My Way" heißt seine Ausstellung, und sie zeigt Michail Baryschnikow neuerdings als Fotografen: An den glänzend weißen Wänden der Galerie hängen 30 Bilder von ihm, Bilder der "Merce Cunningham Dance Company", die Baryschnikow in den vergangenen zwei Jahren gemacht hat; Baryschnikow ist als Ballett-Tänzer berühmt geworden, er war einer der Besten, die es je hab, und Merce Cunningham ist ein alter Freund von ihm, ein in Amerika legendärer Choreograph, der heute über 80 ist. Baryschnikows Fotos zeigen Cunninghams Ballett-Tänzer, sie wirbeln durch die Luft, sie verschmelzen miteinander, und seine Fotos sind bemerkenswert lebendig: schwungvoll verzerrt, manchmal leuchtend bunt und immer von einer dynamischen Leichtigkeit - es ist ein bisschen so, als würde man sie durch eine 3D-Brille betrachten. "Ich wollte", sagt Baryschnikow, "dass man in den Bildern Bewegung sieht: Die Bewegung, die in der Sekunde geschehen ist, bevor ich abgedrückt habe, und die Bewegung in der Sekunde danach."

Baryschnikows Fotos sind bemerkenswert lebendig und leuchtend bunt© Michail Baryschnikow

Hans Dampf in allen Kultur-Gassen

Dieser Mann in New York, das ist ein Hans Dampf in allen Kultur-Gassen. Baryschnikow, der vor ein paar Wochen seinen 60. Geburtstag feierte, hat sich mehrfach neu erfunden, das ist seine Kunst, und er hat dabei nie den Eindruck gemacht, als tue er das für ein besonders großes Publikum. Sondern für sich. Zuletzt sah man ihn beim "New York Theatre Workshop", einer eher kleineren Veranstaltung, auf der Bühne, in "Beckett Shorts", einer Sammlung von vier Stückchen des irischen Schriftstellers Samuel Beckett. Vor drei Jahren hat er sein "Baryshnikov Arts Center" in Hells Kitchen eröffnet, kurz: "BAC", in dem Jazz-Konzerte, Theater-Seminare und Ausstellungen aller Art stattfinden, und häufig hat er dort Künstler zu Gast, die aus seiner einstigen Heimat kommen: Russland.

Politisches Asyl in den USA

Michail Baryschnikow, Sohn russischer Eltern, wuchs in Riga auf. Es war früh in seinem Leben klar, dass er als Tänzer begnadet war, ein Talent, das mit 15 auf der "Vaganova Schule" in Leningrad aufgenommen wurde. Nur drei Jahre später wurde er Solotänzer des Kirow-Balletts, international bekannt und geschätzt, und während einer Tournee durch Kanada setzte er sich 1974 von diesem Ballett ab; er beantragte politisches Asyl in den USA. Er wurde erst der Startänzer des "New York City Ballet" und dann der künstlerische Leiter des "American Ballet Theatre", das waren seine goldenen Jahre, und 1984 wurde er amerikanischer Staatsbürger.

Er war mit der Schauspielerin Jessica Lange zusammen, mit der er eine Tochter bekam, und bald war die Tänzerei nicht mehr so wichtig, bald spielte er in Broadway-Shows und in Kinofilmen; Baryschnikow wollte sich lieber entwickeln und nicht der Superman seines Genres bleiben, und er entwickelte sich zum Superman eines anderen Genres: Für seine erste Rolle in "Der Wendepunkt" wurde er Ende der 70er Jahre für einen Oscar nominiert, für "Baryshnikov On Broadway" bekam er einen Emmy. Dann gründete er "The White Oak Project", sein eigenes Tanz-Projekt, wandte sich vom Ballett ab und dem "Modern Dance" zu, auch wandte er sich von Jessica Lange ab und der früheren Ballerina Lisa Rinehart zu, mit der er drei Kinder hat und bis heute zusammen ist; inzwischen ist er zweifacher Großvater.

Baryschnikow sagt, er fotografiere schon eine halbe Ewigkeit, nur für sich und ganz zum Spaß, die Familie, die Freunde und alles, was ihm auf Reisen vor die Linse kommt. Aber: "Ich habe mich nie getraut, Tänzer zu fotografieren", sagt der ehemalige Tänzer, "ich dachte, das sei ein bisschen plump." Er sei immer mit einer 35-mm-Kamera unterwegs gewesen, schön old-school, aber dann habe er 2006 die digitale Fotografie entdeckt: "Und damit kann man ungewöhnliche Effekte schaffen, Bewegung ablichten." Und nicht anders, sagt er, könne man Ballett fotografieren. Carrie Bradshaw und ihre Freundinnen würden seine Bilder mögen, ganz bestimmt, denn sie spiegeln das wieder, was die Frauen aus "Sex and the City" bei Männern suchen. Baryschnikows Bilder sind: weich, sensibel, ehrlich.

Von Ulrike von Bülow
 
 
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