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26. Dezember 2008, 08:08 Uhr

Kalte Schale, warmer Kern

Die Eiskönigin taut auf. Im tränendrüsigen Historienschinken "Australia" brilliert Nicole Kidman als britische Lady, die sich Down Under in den "Sexiest Man Alive" verliebt. Das opulente Epos ist der ideale Film für alle, die in diesem Jahr noch nicht im Kino waren. Oder seit 20 Jahren nicht mehr. Von Christine Kruttschnitt

Nicole Kidman bei der New Yorker Premiere von "Australia"© Getty Imahes

Es ist wie mit der Weihnachtsgans. Man kann sie nicht immer sehen. Und die Vorfreude darauf (Knusperhaut! Saftschenkelchen!) übertrifft bei Weitem das Befinden danach (Verstopfung. Schlechtes Gewissen). Und doch jiepert man von Zeit zu Zeit der schweren Kost entgegen, weil Festtage ohne dicken Braten so unvollständig sind wie ein Kinojahr ohne echten Schinken.

Letzterer kommt in diesem Jahr aus Australien, hat das fetteste Budget, das dort je für einen Film verbraten wurde, nennt sich stolz nach dem ganzen Kontinent und setzt dem Zuschauer in epischer Breite von 165 Minuten vor: Kängurus und australische Historie, eine Romanze à la "Jenseits von Afrika" und den Humor einer Doris-Day-Komödie, einen Magier und einen Weltkrieg, eine Stampede, das süßeste Filmkind aller Zeiten, Berge, Wasserfälle, Todesfälle, Didgeridoos, den "Sexiest Man Alive", eine Blonde mit Gardenie im Haar und eine Liebe, die größer ist als das ganze Land oder zumindest tiefer als diese Tümpel, aus denen einem Krokodilaugen entgegenglimmen. "Weil die Welt derzeit voller Angst und Unsicherheit ist", tönt dazu der Regisseur, "braucht es ein Kino, das die Menschen in eine andere Welt entführt und große Emotionen weckt." Da ist sie also, unsere Sehnsucht nach Saftschenkelchen. Und da folgt sie auf dem Fuße, die Verstopfung.

Baz Luhrmanns "Australia" ist der ideale Film für alle, die in diesem Jahr noch nicht im Kino waren. Oder seit 20 Jahren nicht - und hier für eine einzige Eintrittskarte Papas Western und Mamas Lovestory bekommen, Opas Kriegsfilm und Tante Margots Sozialdrama; Pizza mit allem eben. Der Zuschauer ist am Ende ein bisschen erschöpft und aufgebläht, und einzig die Blonde mit der Gardenie im Haar wird diesen Film wohl nie vergessen. Denn während der Dreharbeiten im nord-westaustralischen Buschstädtchen Kununurra stellte die Hauptdarstellerin fest, dass sie schwanger war - "ein Wunder", wie Nicole Kidman hochbeglückt zu seufzen pflegt. Im Juli brachte die 41-Jährige ihre Tochter Sunday Rose zur Welt und verwandelte sich in ein seliges Muttertier, das gestand, dem Baby stundenlang bei so aufregenden Vorgängen wie Atmen zuzusehen. Gerüchte kamen auf, dass die Oscar- Preisträgerin fürderhin nur noch in Amerikas Countrymusik- Zentrale Nashville Windeln wechselt, den Musikergatten Keith Urban, dito emigrierter Australier, bekocht und hinterm Haus Mohrrüben anbaut. Derzeit auf PR-Tour ("Australia" kommt am 25. Dezember in die deutschen Kinos), meinte Kidman kürzlich, sie habe zwar noch "schöne Geschichten zu erzählen. Aber das meiste dreht sich jetzt um die Familie".

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 52/2008

Von Christine Kruttschnitt
 
 
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