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Fiesling der Nation

Niels wer? Ende der 90er Jahre wurde Niels Ruf als Enfant terrible des deutschen Fernsehens gefeiert. Inzwischen macht er fast ausschließlich mit geschmacklosen Witzen Schlagzeilen. Hat er das nötig? Ja!

Niels Ruf

"Einfach mal Fresse halten." Dieses Zitat von Dieter Nuhr sollte auch Niels Ruf beherzigen.

Die Empörung über seine Äußerung zum Tod von Roger Cicero ist riesig. Tausende User werfen Niels Ruf in Kommentaren auf Facebook und Twitter Pietät- und Geschmacklosigkeit vor. Doch statt sich zu entschuldigen, haut Ruf weiter drauf. Er beleidigt trauernde Roger-Cicero-Fans ("dann halt doch einfach die Klappe") und wird damit seiner Rolle gerecht: Fiesling der Nation.

Dabei galt der inzwischen 42-Jährige einst als Liebling des Feuilletons und Nachwuchshoffnung des deutschen Fernsehens. Ruf kam mit 21 Jahren zum ZDF, wo er eine Videospielshow moderierte. Nach einigen Zwischenstationen setzte er sich bei einem Casting für den Musiksender Viva Zwei gegen 8000 Bewerber durch und wurde dort zum gefeierten Star. Ruf war mit seiner Sendung "Kamikaze" frech, unkonventionell und politisch unkorrekt - das kam an.

Niels Ruf erwarb sich früh den Ruf als "Ekel"

Schon damals erwarb er sich einen Namen als "Ekel vom Dienst", wie die Zeitschrift "Bunte" ihn nannte. Ruf pflegte sein Image als Fiesling stetig und ließ kaum eine Gelegenheit aus, für Schlagzeilen zu sorgen. Als er im Mai 2000 als Gast bei der "WDR Talkshow" teilnahm, fiel er mit sexistischen Sprüchen auf. "Ich warte darauf, dass eine Frau die Beine öffnet und die Kamera in den Uterus fährt", sagte er über seine Vorliebe für Pornofilme und beleidigte Kollegin Andrea Thilo (Ex-"Liebe Sünde"-Moderatorin) mit den Worten: "Wir treffen uns nachher auf dem Klo."

Die Rolle als Tunichtgut hatte Niels Ruf raus. Doch dann wurde es plötzlich still um den einst gefeierten Moderator. Ebenso schnell wie er nach oben gekommen war, wollte niemand mehr etwas von ihm wissen. Freundin Anke Engelke, mit der er eine kurze Liaison hatte, setzte ihn vor die Tür und der Musiksender Viva auch. Niels Ruf war weg vom Fenster.

Ruf lebt von 2500 Euro im Monat

2006 gelang ihm ein kleines Comeback mit der "Niels Ruf Show" auf Sat1. Das "Ekel" versuchte sich an einem Imagewandel, wollte plötzlich nicht mehr der Böse sein. Doch das Unterfangen misslang. Von seinem Bad-Boy-Image konnte Ruf sich nicht lossagen, die Sendung wurde 2008 wegen schlechter Quoten abgesetzt. Mit seiner Produktionsfirma Weltruf TV GmbH musste er daraufhin Insolvenz anmelden.

Wieder wurde es still um den einstigen Viva-Star. Ruf hielt sich mit Internetprojekten über Wasser. Im vergangen Jahr gab er in einem Gerichtsverfahren wegen Körperverletzung an, "Autor für Fernsehsendungen" zu sein und monatlich von einem Netto-Verdienst von 2500 Euro zu leben. Es folgte seine Teilnahme in der RTL-Tanzshow "Let's Dance", doch die Zuschauer wählten ihn schon in der zweiten Runde raus.

Agentur wirft Niels Ruf von der Seite 

Jetzt versucht Niels Ruf seinen Absturz in die mediale Bedeutungslosigkeit erneut mit dem zu stoppen, was er am besten kann: pöbeln und provozieren. Sein Tweet über den Tod von Roger Cicero ist der verzweifelte Höhepunkt seiner Gier nach Aufmerksamkeit. Doch ob Ruf damit zurück zu Erfolg findet, ist fraglich.

Seine Künstleragentur Lars Meier Management & PR, die auch Tobias Schlegl oder Alexander Bommes vertritt, hat ihn am Mittwochmittag von der Homepage gelöscht. Auf stern-Nachfrage hieß es, man vertrete Niels Ruf nur noch zu Fragen der TV-Show "Let's Dance". Offenbar will man auch dort nichts mehr mit ihm zu tun haben. Wäre er nicht so ein Fiesling, Niels Ruf könnte einem fast leid tun.


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