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14. April 2009, 14:14 Uhr

Anwälte sprechen von Indiskretion

No-Angels-Sängerin Nadja Benaissa sitzt in Haft, weil sie trotz ihrer HIV-Infektion mit mindestens drei Partnern ungeschützten Sex gehabt haben soll. Einer der Männer soll sich dabei angesteckt haben. Die Anwälte der Sängerin werfen der Staatsanwaltschaft Indiskretion vor. Von Carsten Heidböhmer und Ingo Scheel

No Angels, Nadja, Benaissa, Band, Girlgroup, Sängerin

Nadja Benaissa drohen nun bis zu zehn Jahre Gefängnis© Miguel Villagran/AP

Nadja Benaissa, Sängerin der deutschen Pop-Band No Angels, sitzt in Untersuchungshaft. Sie soll in den Jahren 2004 und 2006 trotz einer HIV-Infektion mit drei Personen ungeschützten Geschlechtsverkehr gehabt haben. Ein Mann hatte sie angezeigt, der nach dem Geschlechtsverkehr mit HIV infiziert worden sei. Die Sängerin habe ihn nicht auf ihre HIV-Infektion hingewiesen. Dies teilte die Staatsanwaltschaft Darmstadt am Dienstag mit.

Die 26-Jährige war bereits am Samstagabend vor einem Soloauftritt in einer Diskothek in Frankfurt am Main festgenommen worden. Ihr droht nun eine Freiheitsstrafe zwischen sechs Monaten und zehn Jahren. Die Staatsanwaltschaft hatte sie offenbar mehrmals zu Hause nicht angetroffen.

Haftbefehl wegen Wiederholungsgefahr

Ein Ermittlungsrichter hatte gegen die alleinerziehende Mutter einer neunjährigen Tochter einen Haftbefehl erlassen, da offenbar Wiederholungsgefahr besteht. Dies mag ein wenig verwundern, liegen doch die ihr zur Last gelegten Straftaten bereits Jahre zurück. Die Staatsanwaltschaft Darmstadt erklärt diesen drastischen Schritt mit der Gesetzeslage. Diese besagt, wenn mehr als zwei gleichartige Straftaten vorliegen, besteht Wiederholungsgefahr.

Die Staatsanwaltschaft habe die Ermittlungen aufgenommen, nachdem ein Mann vor einem Jahr gegen Nadja Benaissa Anzeige erstattet hatte, sagte der Sprecher stern.de. Dieser Mann behauptet, von der Sängerin mit HIV infiziert worden zu sein. Inzwischen sei es medizinisch möglich, den Nachweis zu erbringen, von wem der Virus übertragen worden sei, gab die Staatsanwaltschaft auf Anfrage bekannt. Das heißt: Sollte die betroffene Person sich tatsächlich bei der No-Angels-Sängerin angesteckt haben, kann dies auch nachgewiesen werden.

Während auf Nadja Benaissas Myspace-Seite die Fans der Sängerin erste Solidaritätsbekundungen gepostet haben, gibt es immer noch kein offizielles Statement zu den Hintergründen. Khalid Schröder, Manager der No Angels, verweigerte stern.de mit dem Hinweis auf das laufende Strafverfahren einen Kommentar.

Anwälte sprechen von Indiskretion

In einer Stellungnahme äußerten sich jetzt die presserechtlichen Vertreter von Nadja Benaissa zu den Umständen ihrer Verhaftung. Sie kritisieren die Pressemeldung der Staatsanwaltschaft, die "nicht im Einklang mit den geltenden Vorschriften des Landespressegesetzes" stehe. "Durch eine Indiskretion ist der Umstand der Festnahme unserer Mandantin an die Medien gelangt", heißt es weiter.

Die Anwälte werfen den Behörden vor, Details über den Tatvorwurf an die Öffentlichkeit gebracht zu haben. Es sei jedoch der Grundsatz der Unschuldsvermutung zu beachten: "Bis zum heutigen Tage ist in keiner Weise darüber hinaus bewiesen, dass unsere Mandantin verantwortlich ist für eine HIV-Infektion einer anderen Person." Die Anwälte fordern die unverzügliche Freilassung ihrer Mandantin: "Weiterhin sind wir der Auffassung, dass auch hier der Haftbefehl aus den dargelegten Gründen ein Übermaß darstellt."

Die No Angels waren nach ihrem Casting beim Gesangswettbewerb "Popstars" im Jahr 2000 die erfolgreichste deutsche Girlgroup aller Zeiten geworden. Bis zu ihrer vorläufigen Trennung 2003 landete die Band zahlreiche Nummer-eins-Hits und verkaufte mehr als fünf Millionen CDs. Ihr bekanntester Song ist das Debüt-Lied "Daylight".

Anfang 2007 starteten vier der ursprünglich fünf Bandmitglieder ein Comeback und vertraten Deutschland 2008 beim Grand Prix. Wenige Monate zuvor hatte Benaissa mit ihren wirtschaftlichen Verhältnissen Aufmerksamkeit erregt: Sie verriet, dass sie 200.000 Euro Schulden habe.

HIV-Infektion und Aids Eine HIV-Infektion kann zum Ausbruch des "Acquired Immune Deficiency Syndrome" (Aids) führen, einer bis heute unheilbaren schweren Störung des menschlichen Immunsystems. Selbst an sich harmlose Infektionen können dann tödlich enden. Experten zufolge werden rund 90 Prozent der HIV-Infektionen sexuell übertragen. Beim Geschlechtsverkehr kann HIV über das Sperma in die Blutbahn der Partnerin gelangen. Ebenfalls möglich, wenn auch seltener, ist eine Übertragung von der Frau auf den Mann, wie sie nun der "No Angels"-Sängerin Nadja Benaissa in einem Fall vorgeworfen wird. Infektiöse Scheidenflüssigkeit und Menstruationsblut können durch winzige Hautrisse am Penis zur Ansteckung des Partners führen. Die Mehrheit der Infektionen erfolgt allerdings nach wie vor über homosexuelle Kontakte zwischen Männern, die sich nicht mit Kondomen schützen.

Von Carsten Heidböhmer und Ingo Scheel
 
 
KOMMENTARE (10 von 79)
 
PetersMei (16.04.2009, 15:12 Uhr)
Der Gute sollte nicht länger der Dumme sein...
Der angesteckte hat an das gute im Menschen geglaubt und wird damit hart bestraft. Ich finde das man da umdenken muß. Die, die an das Gute glauben darf man nicht als dumm hinstellen sondern die Täter einsperren...Langzeitwirkung: Der Dreck landet im Knast und wir guten können ungestraft an das gute im Menschen glauben!
guinness.1 (15.04.2009, 10:23 Uhr)
Beide sind doch wohl verantwortlich...
...oder nicht?
Sollte sie es gewußt und dennoch verschwiegen haben, dann ist das natürlich strafbar.
.
Aber was ist mit seiner Verantwortung?
Jedem (Mann oder Frau) sollte doch klar sein, daß er mit seinem Leben spielt, wenn er ungeschützt mit einer fremden Frau verkehrt.
.
Mein Leben jedenfalls wäre mir zu wichtig, um eine tödliche Krankheit zu riskieren.
.
Ich denke, wer so dumm ist, hat keinen Anspruch auf Mitleid.
kuno69 (15.04.2009, 06:54 Uhr)
Öffentlichkeitssex
Wie bei allen sog.Promis ist das Leben öffentlich, bin hinein ins Schlafzimmer. Warum sollte esausgerechnet bei DER anders sein? Wer wg. Steuerhinterziehung in U-Haft geht, beklagt sich auch nicht, dass seine Intimssphäre verletzt wurde. Schwere Körperverletzung mit möglicher Todesfolge ist ein Grund, der Bevölkerung zu sagen : Achtung, hier hurt eine ohne Verstand herum!
Maria1000 (14.04.2009, 21:35 Uhr)
...
Zitat: "...mighty_bender (14.4.2009, 18:22 Uhr)
Faked Photo...
Naja, zumindest wurde am Bild ordentlich gebastelt. Im dpa-Original fallen jedenfalls noch Locken über die (im Bild linke) Schulter nach vorne..."
Und woher wissen wir nun, WER von beiden gephotoshopped hat?
mighty_bender (14.04.2009, 18:22 Uhr)
Faked Photo...
Naja, zumindest wurde am Bild ordentlich gebastelt. Im dpa-Original fallen jedenfalls noch Locken über die (im Bild linke) Schulter nach vorne...
DickBush (14.04.2009, 18:06 Uhr)
Also, eine junge Frau derart bloßzustellen...
...Das ist schlimmer als nur der schlechte Geschmack: das ist eine Difamierung aller gutgläubiger Menschen!!
DCAHH (14.04.2009, 17:59 Uhr)
Faked Foto
...das Foto, dass hier schon den ganzen Nachmittag auf der ersten Seite prangt, ist doch offensichtlich nachbearbeitet. Die Nadja Benaissa trug offensichtlich auf dem Originalbild ein geschlosseneres Kleid. Der große Ausschnitt ist nachträglich reinretuschiert worden.
Wenn schon zur Hetzjagd gerufen wird, dann doch bitte etwas weniger reißerisch...
hamburger30 (14.04.2009, 17:59 Uhr)
Andersrum
Hat vielleicht auch schon einmal jemand darüber nachgedacht, dass der Typ ihr eins auswischen will? Wer sagt denn, dass sie ihn nicht über ihre Infektion aufgeklärt hat? Wer sagt denn, dass es kein einvernehmlicher Sex unter Positiven war? Vielleicht will der Kerl aus seiner Krankheit einfach nur ein bisschen Kapital machen. Genug kranke Köpfe gibt es ja (siehe hier im Forum…).
Und nur mal so nebenbei: es heißt Safer Sex, nicht Safe Sex. Das Leben ist und bleibt lebensgefährlich. Und das ist auch gut so! (Ich weiß, wovon ich rede, ich bin selber positiv.)
laluna3 (14.04.2009, 17:57 Uhr)
No Angels Saengerin
Wenn diese Dame tatsaechlich HIV hat und tatsaechlich ungeschuetzten Sex hatte, hoffe ich, dass sie wegen versuchten Mordversuch angeklagt wird. Denn sie sollte wissen, das diese Krankheit toetlich sein kann und ein unbeschwertes Leben unmoeglich macht.
Sie hat einfach bewusst unverantwortlich gehandelt.
Greeper (14.04.2009, 17:46 Uhr)
Strafrecht
Um mal den ganzen Gutmenschen, Möchtegernmoralaposteln und Schlaumeiern Einhalt zu gebieten:
"Strafbar macht sich ein HIV-Infizierter wegen gefährlicher Körperverletzung nach § 224 Strafgesetzbuch dann, wenn er ungeschützten Sexualverkehr ausübt und seinem Partner nichts von seiner Infektion sagt - obwohl er davon weiß"
Wenn sich jemand strafbar macht, dann kann man die Öffentlichkeit auch darüber informieren. Fertig.
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