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Quandts bedauern Rolle im Dritten Reich

Durch den Aufkauf jüdischer Fabriken, die Rüstungsproduktion und vor allem durch Zwangsarbeiter stieg die Familie Quandt während der Nazi-Diktatur zur Industriellenfamilie auf. Heute verwalten die Erben Milliarden und bedauern die Ursprünge ihres Reichtums.

  BMW-Großaktionär Stefan Quandt bedauert die Machenschaften seiner Vorfahren während des Dritten Reichs

BMW-Großaktionär Stefan Quandt bedauert die Machenschaften seiner Vorfahren während des Dritten Reichs

Ihre Vorfahren haben sich in der Nazi-Zeit auf Kosten von Juden und Zwangsarbeitern rücksichtslos bereichert - mit dieser Wahrheit haben sich die Erben der Industriellenfamilie Quandt erst spät auseinandergesetzt. In ihrem ersten Interview zu diesem Thema haben BMW-Großaktionär Stefan Quandt und seine Cousine, die Unternehmerin Gabriele Quandt, in der Wochenzeitung "Die Zeit" ihren Vätern Herbert und Harald Quandt sowie ihrem Großvater Günther Quandt unmoralisches Verhalten vorgeworfen. "So wie unsere Vorfahren möchten wir bei der Verwaltung und Gestaltung eines großen Vermögens mit unserer Verantwortung nicht umgehen", sagte Stefan Quandt.

Günther Quandt soll in seinen Rüstungsfabriken bis zu 50.000 Zwangsarbeiter ausgebeutet und zudem von sogenannten "Arisierungen" von Betrieben im vormals jüdischen Besitz profitiert haben. "Dass unser Großvater über die Grenzen dessen, was man als Anstand oder Verhalten eines 'ehrbaren Kaufmanns' bezeichnet, hinausgegangen ist, das sehe ich auch so", sagte Stefan Quandt. Sein unternehmerischer Gestaltungswille habe "an moralischen Grenzen nicht haltgemacht".

Gabriele Quandt sagte über ihren Großvater: "Natürlich würden wir uns wünschen, dass er, wenn er schon von den sogenannten Arisierungen profitieren konnte, wenigstens großzügiger gewesen wäre. Aber er hat es wohl eher als einen glücklichen Umstand bewertet, wenn er eine Firma günstig übernehmen konnte."

Dokumentationszentrum in ehemaliger Zwangsarbeiterfabrik

Die Familie hatte nach einer kritischen NDR-Dokumentation ihre Geschichte vom Bonner Historiker Joachim Scholtyseck aufarbeiten lassen. Er hatte belegt, dass auch Herbert Quandt in den Zwangsarbeitereinsatz verstrickt war. Der Vater sei in der NS-Zeit "Teil des Systems" gewesen, sagte Stefan Quandt. "Aber in den fast vier Jahrzehnten, die darauf folgten, hat er Werte umgesetzt, die mir sehr wohl als Vorbild dienen." Die Familie will weiterhin ihren nach Herbert Quandt benannten Medienpreis verleihen.

Die Quandts kündigten an, ein Dokumentationszentrum zur NS-Zwangsarbeit in Berlin-Schöneweide zu fördern. Dort stehen noch zwei Baracken, in denen Zwangsarbeiter der Quandt-Firma Pertrix untergebracht waren. Eine der Baracken soll zu einem Jugendbegegnungszentrum umgebaut werden, die andere soll für Ausstellungen und Seminare zum Thema Zwangsarbeit genutzt werden.

ono/DPA/DPA
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