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26. Dezember 2006, 08:29 Uhr

Let it be

Von der großen Liebe zum peinlichen Desaster: Die Trennung von Ex-Beatle Paul McCartney und Ex-Model Heather Mills wird zur öffentlichen Schlammschlacht. Wie konnte das passieren? Von Cornelia Fuchs

McCartney gegen Mills: Wer hat wem Ketchup-Flaschen an den Kopf geworfen? Wer wen gewürgt, in die Badewanne geschubst oder Wein über den Kopf gekippt? Diese Fragen beschäftigen das Vereinigte Königreich© Jörg Carstensen

Paul McCartney geht es richtig gut. Heute ist sein Abend. Die Uraufführung seines Choralwerkes "Ecce Cor Meum", ein Stück über die Kraft der Liebe, wird zum grandiosen Erfolg. Der Mann badet geradezu im Applaus. Betont jugendlich springt er die Treppen zur Bühne hinauf. Frauen kreischen, sie rufen seinen Namen. Tausende sind an diesem Tag nur seinetwegen in die Royal Albert Hall gekommen, und Paul McCartney, 64, kann endlich - einen Abend lang - wieder der Größte sein. Der Großvater des Pop bedankt sich bei seiner Familie und besonders bei seiner Tochter Stella McCartney für ihre Unterstützung. Und vielleicht denkt er einen Moment lang nicht an Heather Mills, seine Noch-Ehefrau, die ihn öffentlich blamiert hat. Die in ihren Scheidungspapieren angab, dass er sie terrorisiert, gewürgt und gedemütigt habe.

Es ist schon eine verdammt lange Zeit her, dass Paul noch stolz von sich behaupten durfte, er hätte einfach mehr Glück in der Liebe als andere. Er, der ach so "liebe Beatle" mit den ach so großen Augen. Während Freund und Erzrivale John Lennon seine erste Frau Cynthia hatte heiraten müssen, als diese schwanger wurde - sehr unpassend, da gerade die Beatlemania richtig losging -, amüsierte sich McCartney mit Jane Asher, einer rotblonden Schauspielerin. Cynthia Lennon schreibt in ihrer Autobiografie, dass Paul "stolz wie ein Pfau" gewesen sei, so eine hübsche Freundin zu haben.

Marianne Faithfull, damaliges Hip-Girl des Swinging London, erinnert sich allerdings, dass es zwischen beiden häufiger gekracht habe und Jane und Paul "niemals wirklich miteinander ausgekommen sind". An einem Abend habe es einen Streit um ein offenes Fenster gegeben. Paul, erzählt Faithfull, stand auf, um es zu öffnen, dann kam Jane und schloss es wieder. Das ging den ganzen Abend so, und niemand sprach dabei ein Wort.

Die Beziehung hielt erstaunlicherweise bis ins Jahr 1968, als Jane ihren Paul mit einer anderen Frau im Bett erwischte. Seinem Glück in der Liebe schadete das wenig, im folgenden Jahr heiratete er die Fotografin Linda; und in den nun folgenden ganzen 29 Ehejahren, so betonte Paul gern, waren sie nur zehn Tage getrennt, nämlich als er wegen Marihuana-Besitzes in Japan im Gefängnis saß.

Linda starb 1998 an Brustkrebs, und Paul war erschüttert. Völlig aus der Bahn geworfen. War es die labile Seelenlage? Oder der ungebrochene Glaube an sein ganz spezielles Glück in der Liebe? Jedenfalls traf er, ziemlich bald: Heather Mills. Jene burschikose, beredte, 25 Jahre jüngere, behinderte Blondine, die auf einer Wohltätigkeitsgala im Mai 1999 eine leidenschaftliche Rede hielt. McCartney war fasziniert, besorgte sich ihre Telefon-nummer. Und es begann ein Drama, das wohl erst im kommenden Jahr mit dem Abschluss der gerichtlichen Scheidungsverhandlung enden wird.

Heather Mills war immer schon der blonde Boulevard-Engel, ein schönes, leicht verruchtes Gelegenheitsmodel, das nach dem Zusammenstoß mit einem Polizeimotorrad seinen linken Unterschenkel verloren hatte. Noch aus dem Krankenbett heraus verkaufte sie, geschäftstüchtig, ihre Geschichte an den Meistbietenden. Was blieb ihr auch übrig? Ihre bisherige Überlebensstrategie war es gewesen, möglichst viel Bein - und anderes - zu zeigen und so wohlhabende Männer auf sich aufmerksam zu machen. Erst ein Jahr zuvor war sie von Geschäftsmann Alfie Karmal geschieden worden, den sie mit einem Skilehrer betrogen haben soll.

Und jetzt bitte recht traurig: Heather und Paul mit einem Robbenbaby. Die Aktion im März dieses Jahres sollte die kanadische Robbenjagd anprangern© REUTERS/Paul Darrow

Zu alledem war Heather stets zu Diensten, galt es, ihr sowieso schon dramatisches Leben für die Bedürfnisse der Klatschjournaille noch etwas auszuschmücken. Ihre Mutter, erzählte sie etwa, hätte ebenfalls ein Bein verloren; tatsächlich war die Mama nach einer verunglückten Operation lange auf Krücken angewiesen. Heather erzählte auch, sie hätte als Teenager im Londoner Bahnhof Waterloo schlafen müssen, woran sich Familienmitglieder nicht erinnern können. Und in ihrer ersten Autobiografie, für die sie im Alter von 25 Jahren die Zeit gekommen sah, beschrieb sie, wie sie mit einer Freundin von einem pädophilen Schwimmlehrer entführt wurde. Die Freundin verklagte daraufhin Heather, da nur sie allein Opfer gewesen war. Die Frauen einigten sich außergerichtlich auf Schadensersatz.

Hat Paul McCartney dies alles nicht gewusst? Oder hat es ihn nicht interessiert? Vielleicht sah er nur die andere Seite von Heather Mills. Denn die hat ihre Popularität - wie immer die auch zustande kam - ziemlich überzeugend in den Dienst einer guten Sache gestellt. Sie ist in Großbritannien bekannt für ihr mutiges Engagement für Landminenopfer und Amputierte. Sie hatte eigenhändig ganze Ladungen Prothesen nach Kroatien verschifft, ihr Durchsetzungsvermögen ist legendär. Sie zeigte, dass auch eine behinderte Frau sexy sein kann und sich nicht verstecken muss. Und als sie dann Paul kennenlernte, und er, der Popstar, der so viele hätte haben können, in Liebe zu ihr entflammte, war fast das ganze Königreich angetan von Miss Mills. Sogar Vergleiche mit Lady Diana wurden bemüht.

Am 11. Juni 2002 heirateten Heather und Paul in einer kleinen irischen Schlosskapelle. Die Braut weinte bei der Zeremonie und trug ein Bukett mit elf McCartney-Rosen, hellrosa mit intensivem Duft nach Zitronen. Und Paul McCartney ließ die ganze Feier von Sicherheitsleuten absperren, nur die 300 geladenen Gäste schauten zu. Das war für lange Zeit das letzte Mal, dass Paul allein das Bild bestimmte, das von ihm gezeigt wurde.

Nach der Heirat beobachtet die Öffentlichkeit irritiert die Wandlung ihres sehr privaten Sir Paul zur PR-Nudel. Das Neu-Ehepaar tritt in der Promi-Ausgabe von "Wer wird Millionär?" auf, sie interviewen sich gegenseitig in einer Talkshow im US-Fernsehen und werden im kanadischen Eis beim Betrachten von Robbenbabys fotografiert. Und immer sieht es aus, als ob seine junge Frau Paul an einer langen Leine hinter sich her ziehen würde.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 51/2006

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