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Royaler Snobismus und Klassendenken

In anderen Königshäusern hat die Verbindung adlig-bürgerlich sehr gut funktioniert. Nur auf der Insel will das nicht klappen. Seit der Trennung von William und Kate überschlägt sich die Presse mit Vermutungen über die Hintergründe. Und die Royals stehen mal wieder gar nicht gut da.

Von Frank Heinz Diebel

Das war die königliche Promi-Story des Jahres (vielleicht sogar des Jahrzehnts): Prinz William und seine langjährige Freundin Kate Middleton trennen sich. Das Treiben der britischen Royals sorgt auf der Insel und im übrigen Europa sowieso immer für Schlagzeilen, aber das aktuellste Ereignis wird den Briten noch lange in Erinnerung bleiben. Nicht so tragisch wie Dianas Tod - aber tragisch genug, denn auch das Ende dieser "Traumbeziehung" wirft einen hässlichen Schatten auf das Königshaus. Müssen sich die Windsors doch wieder einmal vorwerfen lassen, dass sie arrogante Snobs sind, die die Klassengesellschaft am Leben erhalten.

Klatsch und Tratsch rund ums Königshaus

Außerdem kocht die Gerüchteküche. Der aktuellste Klatsch: Die Trennung kam so plötzlich, weil ein Mitglied der Königsfamilie Will geraten haben soll, Kate entweder sehr bald zu heiraten oder sich von ihr zu trennen. Warum? Die Ex-Freundin des Prinzen ist seit einem Jahr verstärkt ins öffentliche Rampenlicht geraten. Von der größten britischen Boulevardzeitung "The Sun" und anderen wurde sie bereits frenetisch als "future Queen of England" gefeiert.

Aus der Traum von "Prinzessin Kate"

Noch vor sechs Monaten war die Presse fest überzeugt davon, dass Kate einen Volltreffer gelandet hatte. Die "Sun" fragte bereits neugierig: "Wills they wed?" und verkündete: "...there are several crucial signs of her [Kates] acceptance into the Royal fold." Und weil alle Blicke jetzt auf Kate gerichtet waren, soll Will ihr den Laufpass gegeben haben - um es ihr nicht noch schwerer zu machen. Angeblich soll jemand in der königlichen Familie ein ähnliches Gespräch mit Prinz Charles geführt haben: "Heirate Diana gleich oder lass die Finger von ihr!"

Die meisten britischen Zeitungen und Zeitschriften bejubelten Kate: Eine zeitlang war sie täglich auf den Titelseiten als glückliche junge Frau zu sehen, die endlich frei ist und ihr Leben in die Hand nimmt. "Brave Kate moves on without William" ist auf dem Cover der aktuellen Ausgabe des britischen Promi-Magazins "Hello" zu lesen. Kate wurde - wie Diana - zur "Princess of hearts" gekrönt.

Königliche Fehltritte und das Unwissen der Nicht-Adligen

Die Vorzeichen waren gut, warum also ist die Sache schief gegangen? Die britische Presse ist in zwei Lager geteilt. Kates Familie hatte nicht genug Anstand, sagen die einen. Die Royals haben Kate abgesägt, weil kein blaues Blut in ihren Adern fließt, die anderen. Bei genauerem Hinsehen wird jeder unbefangene Beobachter jedoch zur letzteren Version tendieren.

Denn: Wer das peinliche Verhalten mancher Royals in der Öffentlichkeit kennt, wird die Middletons kaum für "misfits" halten. Kates Familie wurde unter anderem ein Mangel an höfischer Etikette vorgeworfen. Die Middletons wussten zum Beispiel nicht, dass man bei Hofe "lavatory" statt "toilet" sagt und die Queen nicht mit einem lockeren "pleased to meet you", sondern mit "Hello, Ma'am" anspricht.

Zum Vergleich einige königliche Schnitzer: Davon abgesehen, dass Prince Charles eine langjährige Affäre mit Camilla Parker-Bowles hatte, während er noch mit Diana verheiratet war, beschimpfte er bei einem Fototermin in der Schweiz die versammelte Presse vor einigen Jahren als "bloody reporters", während sein Vater die Chinesen in der Öffentlichkeit als Schlitzaugen bezeichnete - von Takt und Anstand keine Spur. Kaum zu glauben, dass Kate und Wills glückliche Beziehung einem Kaugummi und einigen verbalen Ausrutschern zum Opfer gefallen ist.

Nur blaues Blut zählt

Im britischen Königshaus wird nicht immer Rücksicht auf Verluste genommen. Schon gar nicht, wenn es um den Nachwuchs geht. Man vergesse nicht: Großbritannien hatte nie eine Revolution und wie die Ereignisse der letzten Wochen zeigen, existiert die Klassengesellschaft in ihren Grundfesten noch. Auch wenn Premier Tony Blair verkündet "we are all middle class now", und sich ein Brite mit viel Fleiß hocharbeiten kann - ein Platz in der königlichen Familie ist nicht für Geld und gute Worte zu haben, hier hilft nur blaues Blut.

Natürlich hat sich auch die rechte britische Presse heftig über den Snobismus der Royals beschwert, aber gleich von einer Klassengesellschaft zu sprechen, soweit wollte man doch nicht gehen. "If I had to choose a family for my daughter to marry into, it would be the Middletons, not the Windsors", schrieb Alice Miles in der dem Königshaus sonst eher freundlich gesonnenen "Times".

Klassendenken

Das Thema "class system" wurde vor allem in der linken Presse ausgeschlachtet: John Harris bezeichnete Großbritannien als "Klassen-Minenfeld" in der Tageszeitung "The Guardian": "...at the upper end of the class system there still lies one of the most reinforced glass ceilings that humankind has ever managed to build" und "you can't become royal through sheer force of will."

Deutlicher geht's kaum. Einmal mehr sind die Briten eine zutiefst gespaltene Nation: Royals ja, aber Snobs nein. Aber wie soll das gehen? Prinz Williams nächste Freundin ist eine blaublütige Schönheit, wetten?

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