Es sollte nie an die Öffentlichkeit gelangen, spanische und italienische Medien haben das Tabu nun gebrochen: In zwei Zeitungen wurde ein Foto der sterbenden Prinzessin Diana veröffentlicht.

Die verstorbene Prinzessin Diana auf einem Archivfoto vom 27.05.1997© John Stillwell/DPA
Die Veröffentlichung eines bislang unter Verschluss gehaltenen Fotos der sterbenden Prinzessin Diana durch italienische und spanische Medien hat in Großbritannien heftige Empörung ausgelöst. "Schande über Euch", titelte am Freitag die Boulevardzeitung "Sun". Dianas Söhne, die Prinzen William (24) und Harry (21), seien "angeekelt und und erschüttert".
Auch die meisten anderen britischen Zeitungen kritisierten die Veröffentlichung des Schwarz-Weiß-Fotos scharf. Auf dem Bild ist zu sehen, wie ein Nothelfer versucht, die bei einem Unfall in Paris schwer verletzte Prinzessin auf dem Rücksitz der Limousine mit Hilfe einer Sauerstoffmaske zu beatmen. Es zeuge von "sehr schlechtem Geschmack", so ein Foto zu veröffentlichen, kritisierte der Diana Memorial Fund.
Bislang galt in der Medienbranche international ein stillschweigendes Abkommen, keine Bilder von Diana zu drucken, die sie im Todeskampf zeigen. Der Verband Diana Circle UK, der sich um das Andenken der Prinzessin kümmert, bezeichnete die Veröffentlichung als "widerlich" und erklärte: "Dies zeigt, dass Diana von einigen immer noch gejagt wird, obwohl sie sich gar nicht mehr wehren kann."
Der Kaufhaus-Besitzer Mohammed al Fayed, dessen Sohn Dodi mit Diana liiert war und ebenfalls bei dem Unfall am 31. August 1997 in dem Pariser Autotunnel ums Leben kam, warf der Illustrierten vor, ohne Rücksicht auf die betroffenen Familien die Auflage steigern zu wollen. "Diese herzlose Jagd nach Geld bringt Schande über die Verantwortlichen für eine solch abscheuliche Publikation."
Diana und Dodi al Fayed waren damals auf der Flucht vor Pressefotografen, die auch am Unfallort Bilder machten. Als erste hatte am Donnerstag die italienische Illustrierte "Chi" eine dieser Aufnahmen "weltexklusiv" veröffentlicht.

Das Wrack des Mercedes, in dem Prinzessin Diana im Tunnel der Pont de l'Alma in Paris verunglückt ist© epa afp Boussel
Auch die italienische Tageszeitung "Corriere della Sera" und das spanische Promimagazin "Interviu" brachten das Foto. Es wurde vorab aus einem Buch entnommen, das in Frankreich erscheinen soll. Während sich zunächst niemand in der britischen königlichen Familie offiziell äußerte, erklärte Dianas früherer Privatsekretär Patrick Jephson: "Das ist abstoßend entsetzlich und macht mich sehr traurig."
Die britische Zeitung "Daily Mail" wies darauf hin, dass "Chi" von einer Unternehmensgruppe herausgegeben werde, deren Geschäftsführerin Marina Berlusconi sei. Sie sei "die älteste Tochter des früheren italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi - ein enger Freund von Tony Blair". Die Publikation des Bildes sei nur wenige Wochen vor der mit Spannung erwarteten Veröffentlichung der Untersuchung von Scotland Yard zum Tod Dianas erfolgt.
Derweil verteidigte der "Chi"-Chefredakteur Umberto Brindani den Abdruck des Bildes. "Sie ist nicht tot auf dem Bild. Und sie sieht aus, wie eine schlafende Prinzessin", zitierte ihn die "Daily Mail". Der Zeitung "Daily Mirror" sagte er: "Ich habe es aus einem sehr einfachen Grund veröffentlicht - es war bisher noch niemals zu sehen."