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26. März 2008, 17:51 Uhr

Aufgespritzt und angeschmiert

Jung, schön, fit - diesem Ideal eifern viele Promis in Hollywood nach. Zur Not wird mit Silikon und Botox nachgeholfen. Das geht nicht immer gut, wie Elvis' Witwe Priscilla Presley beweist. Sie wurde Opfer eines Pfuschers, der ihr billiges Silikon ins Gesicht spritzte. Könnte so etwas auch in Deutschland passieren? Von Julia Mäurer

Dass sie 62 Jahre alt ist, sieht man Priscilla Presley (r.) nicht an. Ihre verpfuschten Schönheitsoperationen dafür umso mehr.© Evan Agostini/AP

Die Stirn ein wenig glatter, die Wangen ein wenig straffer, die Lippen etwas voller. Kleine Eingriffe im Gesicht gehören in Hollywood zum guten Ton. Neben dem Personal Trainer, dem Stylisten und Friseur haben die Promis oft auch einen Schönheitschirurgen ihres Vertrauens. So wie Daniel Serrano, ein smarter Argentinier, der zahlreiche Hollywood-Frauen mit seiner Methode köderte. Er habe ein Mittel, das besser und effektiver sei als Botox, das Nervengift, mit dem seit einigen Jahren Frauen und Männer gegen das Altern anspritzen.

Serrano nannte sich Schönheitschirurg, was sowohl in Deutschland als auch in Amerika ein Problem ist. "Die Berufsbezeichnung Schönheitschirurg ist kein geschützter Begriff", sagt Kerstin van Ark, Pressesprecherin der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen. "Es kann in Deutschland durchaus passieren, dass man an einen Arzt gerät, der sich Schönheitschirurg nennt, ohne die entsprechende Facharztweiterbildung absolviert zu haben", so van Ark. "Die Grauzone ist da sehr groß."

Ebenda bewegte sich Daniel Serrano, der unter dem Pseudonym Dr. Jiffy Lube schnippelte und spritze. Zu seinen Patientinnen gehörten neben Priscilla Presley auch die Ex-Frau von Musiker Lionel Richie, Diane Richie, und die Gattin von US-Startalker Larry King, Shawn King. Bei sogenannten "Spritz-Partys" polstere Serrano die Wangen und Lippen seiner hochkarätigen und zahlungskräftigen Klientel auf. Das Ergebnis war jedoch alles andere als ansehnlich. Shawn King etwa klagte über ein Geschwulst an ihren Lippen, so dass sie tagelang kaum sprechen und trinken konnte. Das Mittelchen, welches Serrano aus seiner Heimat Argentinien in die USA eingeführt haben soll, war von der FDA, der Arzneimittelzulassungsbehörde der Vereinigten Staaten, nicht freigegeben worden sein.

Serrano spritze seinen Patientinnen Industrie-Silikon ins Gesicht

Kein Wunder, soll es sich doch um Silikon der billigsten Sorte gehandelt haben, das in der Regel nur als Schmiermittel in der Autoindustrie verwendet wird. Dass so etwas in Deutschland passiert, hält van Ark für sehr unwahrscheinlich. Die Einfuhrbestimmungen für Medikamente seien in Deutschland einfach zu streng. "Ohne vernünftige Zulassung kommt hier eigentlich nichts auf den Markt", sagt van Ark. Der Einsatz von Silikon sei in Deutschland generell umstritten, erklärt Dr. med. Joachim Graf von Finckenstein, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie. "Silikon kann langfristig wahnsinnige Probleme hervorrufen, weil es eine Substanz ist, die sich nicht abbaut", so Finckenstein weiter.

In Argentinien hingegen, der Heimat von Serrano wird durchaus Silikon in Lippen und Brüste gespritzt. Und so setzte auch Serrano das Mittel dort ein, wo es nicht hingehört: im Gesicht seiner Patienten. Die haben ihrem Wunderheiler offensichtlich blind vertraut. Denn eigentlich ist jeder Facharzt verpflichtet, offenzulegen, mit welchen Materialien er arbeitet. "Wenn ein Arzt unerlaubte Mittel spritzt, setzt er seine Zulassung aufs Spiel", so Kerstin van Ark.

Daniel Serrano musste das nicht befürchten. Er hatte gar keine Zulassung. Zumindest nicht für die USA, wo er mit seiner Wundermethode ziemlich schnell in die A-Liga der Promi-Chirurgen aufstieg und damit viel Geld verdiente. Zwischen 300 und 500 Dollar verlangte er von seinen Patienten - pro Spritze und bar auf die Hand. Wie viel Geld Priscilla Presley tatsächlich in ihr Gesicht investiert hat, lässt sich nur erahnen. Ihr gesamtes Gesicht ist mit Silikon unterfüttert und offenbart auf den ersten Blick, dass da ein Dilettant am Werk war. Um dies zu vermeiden, rät van Ark sich bei der Landesärztekammer zu informieren. "Dort kann man gezielt nach einem Chirurgen suchen. Wenn als Berufsbezeichnung da nur 'Arzt' steht, ist Vorsicht geboten, denn diese Leute haben in der Regel keine Facharztweiterbildun"“ und dann passiert wohl so etwas wie bei Priscilla Presley, die ihr entstelltes Gesicht für den Rest ihres Lebens behalten wird.

Serrano hingegen wurde 2006 von einem amerikanischen Gericht verurteilt. Zu 18 Monaten Haftstrafe. Die hat er abgesessen und ist nun wieder auf freiem Fuß. Aktuell ermittelt die Einwanderunsgbehörde gegen den Wunderheiler. Alles, was ihm jetzt noch droht, ist eine Abschiebung aus den USA.

Von Julia Mäurer
 
 
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