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22. Februar 2007, 11:41 Uhr

Zur Buße in die Reha

Trouble in Paradise? Ab in die Drogenklinik! Promis checken nicht nur wegen Alkohol- oder Drogenproblemen in Rehakliniken ein. Manchmal ist so ein Aufenthalt mehr PR-Stunt als ein ehrlicher Heilungsversuch. Von Frank Siering, L.A.

Jung, reich, erfolgreich - und Rehaklinik erprobt: Britney Spears, Robbie Williams und Lindsay Lohan (v.l.n.r.)© AFP; Henning Kaiser/DDPA; Dave Hogan/Getty Images

Britney Spears hat es gleich zweimal in nur einer Woche versucht. Leider vergeblich. In weniger als 24 Stunden war der Aufenthalt in zwei verschiedenen Rehakliniken schon wieder vorbei. Doch der Trend in Hollywood setzt sich unentwegt fort. Ärger im Privatleben? Ab in die Entgiftgungsklinik.

Und für ein bisschen positive Publicity sorgt der Abstecher zu "Promises", "Wonderland" oder "Betty Ford" ohnehin. Welcher Fan möchte seinem Promi nicht gerne zujubeln, wenn der alles tut, "um sein Leben wieder in den Griff zu kriegen". Oder ist die Rehaklinik heute nur ein weiteres PR-Werkzeug im Kampf um die Schlagzeilen auf den vorderen Seiten der Klatschgazetten? Robert Downey Jr. will kein "Poster Boy für einstige Alkoholiker sein", wie er selbst sagt. Natürlich wird der geniale Schauspieler (demnächst mit "Zodiac" im Kino zu sehen, wo er übrigens einen alkoholkranken Reporter spielt) immer wieder auf seine ominösen Ausflüge in Culver City angesprochen. Dort fand ihn die Polizei vor ein paar Jahren leicht verwirrt und "very intoxicated" in einer dunklen Nebenstrasse. Konnte Downey Jr. bis dahin seine Probleme mit Drogen und Alkohol immer gut verstecken, so sah sein Agent diesmal keinen Ausweg, als ihn in den Entzug zu stecken. Ein Jahr später: Downey war clean, für seine "tollen Bemühungen" erhielt er einen People's Choice Award und wurde als wiedergeboren erneut in die Hollywood-Haute Volaute aufgenommen. Steh zu deinen Fehlern! Oder Mel Gibson. Wie laut war der Aufschrei in Hollywood, als Mad Max nach einem süffigen Abend in einer kleinen Strandkneipe in Malibu mal eben - in einem Anfall von offensichtlicher geistiger Umnebelung - den Juden die Schuld an allen Kriegen dieser Welt gab und auch sonst nicht gerade politisch korrekt in die Polizeistation schwankte. "Mels Karriere am Ende", "Rassisten-Mel raus aus Hollywood", lauteten die noch harmloseren Schlagzeilen. Was tat Gibson? Er nüchterte aus, und heuerte erst einmal bei den Anonymen Alkoholikern an. Und ging in einen jüdischen Tempel, um mit einem Rabbi gemeinsam zu beten. "Es ist heute sehr wichtig, dass Stars zugeben können, wenn sie Fehler gemacht haben", sagt Howard Samuels, Leiter der Drogenklinik "Wonderland".

Diesen unschuldigen Blick schenkte Mel Gibson den Polizisten nach seiner Festnahme© AP Photo/Los Angeles County Sheriff's Department

Aber ist dieses Zugeben nicht nur eine weitere kalkulierte Aktion auf dem Weg zu noch mehr Stardom und noch mehr Reichtum? Lindsay Lohan zum Beispiel feiert soviel, dass selbst die Paparazzi sich ab und zu einen Lohan-Pausentag gönnen. "Die ist jeden Abend unterwegs", so ein X-17-Fotograf. Und weiter: "Da kann keiner mithalten." Na klar fließt da auch mal Alkohol. Zuviel Alkohol. Egal, Lindsay checkt einfach in eine Drogenklinik, gibt anschließend eine Pressemitteilung raus, in der sie zugibt, "persönliche Fehler gemacht zu haben", und alles ist wieder gut. "Die meisten Promis meinen es heute nicht mehr ernst mit einem Aufenthalt in einer Entgiftungsklinik", sagt Bill Boyarski, Soziologe an der University of Southern California (USC).

Macht Sinn. Britney Spears, Lindsay Lohan, Robbie Williams - für sie sind die häufig frequentierten Rehakliniken nichts weiteres als ein neuer Tag mit positiven Schlagzeilen in der Boulevard-Presse, sind wie ein Besuch im Supermarkt. Einparken, einkaufen, auschecken, bis zum nächsten Mal. Das kann gefährlich sein. Im Falle Britney Spears zum Beispiel sagt Psychologe Cary Cooper von der Lancaster University: "Britney weiß offensichtlich im Moment nicht wer sie ist und was sie ist. Sie braucht dringend längerfristig professionelle Hilfe."

Nicht nur Alkohol- und Drogensünden lassen sich beichten

Die Rehaklinik in Hollywood wird aber nicht mehr nur als PR-Organ für Drogen- und Alkoholprobleme genutzt. Siehe Isaiah Washington, den Doktor aus der TV-Serie Grey's Anatomy. Seine antischwulen Eskapaden gegen den Kollegen TR Knight brachten nicht nur den amerikanischen Blätterwald zum Rauschen, es besteht jetzt auch noch die akute Gefahr, dass Washington deshalb seinen Job in der Show und somit hunderttausende von Dollars an Einnahmen verliert. Was also tun? "Ich habe mich dazu entschlossen, mich in einer 'Residential Treatment Facility' wegen meiner homophoben Tendenzen untersuchen zu lassen", verkündete der schwarze Schauspieler via Manager auf dem Weg zur Läuterung. "Ein Hilferuf, keine Frage. Der versucht damit, seinen Job zu retten. Ob er wirklich Hilfe in Anspruch nimmt, bleibt offen", sagt Julie Albright, Soziologin an der USC-Uni in Los Angeles.

Ähnlich bedrängt fühlte sich Michael Richards, der jahrelang den freundlichen und leicht verrückten Nachbarn "Kramer" in der US-Hitserie "Seinfeld" spielte. Ausgerechnet in einem Comedy-Club in Hollywood drehte Richards völlig durch und jagte einen rassistischen Kommentar nach dem anderen über die Bühne. Aufgezeichnet von einer Handy-Kamera und millionenfach im TV und Internet abgespielt. Die Bürgerrechtsbewegung National Association for the Advancement of Colored People (NAACP) wurde eingeschaltet und Richards musste sich auf den Spießroutenlauf machen, wo er sein Mea Culpa von Los Angeles bis Washington DC herunterspulte. Natürlich checkte der "Komiker" ebenfalls in eine Therapiestätte ein, um seine bis dato "unbekannten Wutprobleme" in den Griff zu bekommen. Bleibt zu hoffen, dass Britney Spears vielleicht beim dritten Anlauf endlich ernst macht und sich tatsächlich auf eine Behandlungsmethode einlässt. Denn, das weiß auch Samuels von Wonderland: "Ein ernsthaftes Rehabilitierungsprogramm funktioniert sehr gut. Der Klient muss sich nur drauf einlassen. Wir sind hier, um zu helfen, die PR-Arbeit überlassen wir den Publizisten."

Von Frank Siering, L.A.
 
 
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