Robbie Williams tut es, Nicole Kidman braucht es und Matt Damon hat es aufgegeben - das Rauchen. Früher schmückten sich die Prominenten mit dem Glimmstängel, Zigaretten waren schick und sexy - heute hat sich das geändert. Von Bettina Greve

Sean Penn hängt immer noch am Glimmstängel© Salah Malkawi/Getty Images
Erfolg macht sexy. Robbie Williams ist Raucher und hat Erfolg, besonders bei den weiblichen Fans. Trotzdem ist er Single. Bisher hat der Popstar nämlich nur eine Geliebte dauerhaft an sich herankommen lassen: die Zigarette. An die 60 Stück zieht er täglich durch, gibt er offen zu. Doch jetzt soll Schluss sein. Wenigstens hat der 32-Jährige vor wenigen Tagen der britischen "Sun" gesteckt, dass er in Vorbereitung auf sein "Soccer-Aid"-Fußballturnier auf seine neun Zentimeter lange Dauerfreundin in Weiß verzichten wolle.
Richtig gut stehen die Chancen für den Frauenliebling Williams aber nicht, dauerhaft zum Nichtraucher zu werden. Schon vorm letzten Inhalieren sind dem "No Regrets"-Sänger Bedenken gekommen. "Ich bin eigentlich ein Fettwanst und in der Minute, in der ich mit dem Rauchen aufhöre, werde ich noch dicker", befürchtet er.
Der Mann könnte Recht haben. Nikotin-Junkies sind in der Regel schlanker als Nichtraucher - bis sie die letzte Kippe ausdrücken. Dann kommt der Speck, der sich meist ebenso hartnäckig um die Hüften klammert wie der Raucher an die Zigarette. Freie Lungen, aber kneifende Hosen? Das ist doch gemein.
Es gibt nur wenige Leute, die aus der Not eine Tugend machen. Mischa Barton zum Beispiel. Das "O.C. California"-Girl soll eine Zeit lang von den Glimmstängeln abgelassen haben, um ein wenig weiblichere Formen zu bekommen. Auch Vince Vaughn hat über ein halbes Jahr nicht geraucht, um dicker zu werden. In der romantischen Komödie "Trennung mit Hindernissen" (ab August im Kino) musste er einen korpulenten Chaoten spielen. "Ich habe einfach termingerecht mit meiner einen Schachtel pro Tag aufgehört, um 25 Pfund dicker zu werden", so Vaughn. Nach achtmonatiger Drehzeit habe er aber erneut angefangen. "Rauchen drosselt ja den Appetit, und so habe ich wieder abgenommen. Ich plane, wieder aufzuhören, aber noch nicht in dieser Sekunde."
Dieser Satz fällt oft in Raucherkreisen. Tatsächlich kommen die meisten Nikotinabhängigen aber nur noch schwer von der schlanken Verführerin los. Dabei ist es doch ganz leicht, behauptete der amerikanische Autor Mark Twain (1835 - 1903) einst: "Ich habe es schon hundert Mal geschafft!"
Schon zu Twains Zeiten war durchaus bekannt, dass der blaue Dunst gefährlich ist. Heute sollte jedes Kind wissen, dass Rauchen das wohl größte vermeidbare Gesundheitsrisiko überhaupt ist. Laut OECD bringt der Tabakkonsum jedes Jahr mehrere Millionen Menschen frühzeitig ins Grab. Krebs ist dabei nur eine von vielen Folgen, das Leben in vollen Zügen genießen zu wollen. Um diese Tatsache zu ignorieren, muss man es schon wie der britische Staatsmann und Zigarren-Freund Sir Winston Churchill (1874 - 1965) machen, der - nie um ein Bonmot verlegen - erzählte: "Neulich habe ich in der Zeitung gelesen, dass Rauchen ungesund sein soll. Ich habe es aufgegeben, das Lesen."
Doch alle Kampagnen und immer drastischere Maßnahmen (rauchfreie Arbeitsplätze, Krankenhäuser, Flughäfen, Bars und Parks), Erwachsenen das Rauchen gründlich zu vermiesen und Jugendliche vom Anfangen abzuhalten, fruchten nur langsam. Laut dem aktuellen Sucht- und Drogenbericht der Bundesregierung gibt es in Deutschland 16,7 Millionen Raucher. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung ist von 29,8 Prozent (2005) auf 28,7 Prozent (2006) geschrumpft. Bei den Jugendlichen (bis 17 Jahre) sank die Quote von 28 Prozent im Jahr 2001 auf nur noch ein Fünftel (2005).

Brad Pitts Bemühen, die Nikotinsucht zu überwinden, ist kläglich gescheitert© Koichi Kamoshida/Getty Images
Vor allem der Dreh an der Preisspirale soll Wirkung gezeigt haben. Nach der letzten Tabaksteuererhöhung im September 2005 kostet eine "Marlboro" inzwischen 22,35 Cent (2001: 14,79 Cent). Dennoch sind mehr als nur eine Handvoll Unverbesserliche geblieben, die vom teuren Qualm nicht lassen können und aufs Selberdrehen umgestiegen sind. Wie das Statistische Bundesamt ermittelt hat, wurden vergangenes Jahr 91 Tonnen Feinschnitt konsumiert. Das ist ein Zuwachs um 37 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Auch in den USA, der wohl größten Nichtraucherzone der Welt, paffen sich immer noch etwa 45 Millionen Menschen durchs Leben. Das sind zwar so wenige wie zuletzt 1951, doch immer noch sehr, sehr viele. Gelernt ist schließlich gelernt und fest verankert in der DNS der Neuzeit.
Hollywood und Werbung haben in der Vergangenheit offenbar ganze Arbeit geleistet. Der unwiderstehliche "Casablanca"-Held Humphrey Bogart, die Cowboys John Wayne, Gary Cooper und James Stewart, der berühmte "Marlboro"-Mann, die Femme fatale Marlene Dietrich, die verführerische Rita Hayworth - kaum vorstellbar ohne Zigaretten zwischen den Fingern. Sie stehen über ihren (Raucher-)Tod hinaus immer noch für Rebellion, Sexappeal und Lässigkeit, und erst wenn ihre Bilder ein für alle Mal von sämtlichen Festplatten unseres kollektiven Gedächtnisses gelöscht sind, wird es wohl wirklich cool sein, nicht zu rauchen.