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15. Juni 2009, 11:13 Uhr

De Prinz kütt!

Dieser Prozess ist ihm wichtig: Lange Jahre hat Prinz Ernst August von Hannover um die Wiederaufnahme des Verfahrens wegen Körperverletzung gekämpft. Kein Wunder, dass er zum Auftakt persönlich vor dem Landgericht Hildesheim erscheint. Schließlich geht es um das Wertvollste, was er besitzt: seine Reputation.

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Prinz Ernst August von Hannover im Kreise seine Anwälte Hans Wolfgang Euler (r.) und Saleen Ghalia (l.)© Stefan Simonsen/DDP

Prinz Ernst August lächelt. Höflich wirkt er, gelassen, sein Anwalt wispert mit ihm auf Englisch. Zehn Minuten zu früh ist der Chef des ältesten europäischen Adelshauses am Montagmorgen durch einen Nebeneingang im Gerichtssaal in Hildesheim erschienen. Ein Absperrband trennt die Bank des Angeklagten vom Medientross, vor ihm rangeln die Fotografen um den besten Platz, zwei Leibwächter des Prinzen gucken grimmig. Ernst August steht wegen gefährlicher Körperverletzung vor Gericht - und zwar aus freien Stücken: Der Prozess wegen seiner neun Jahre alten Attacke auf einen Discobesitzer in Kenia wird auf Betreiben des Adligen hin erneut aufgerollt. Zum ersten Mal ist der Prinz selber bei einem Gerichtsprozess gegen ihn anwesend. Bisher hatten Verfahren stets in seiner Abwesenheit stattgefunden.

Entlastung durch neue Zeugenaussagen?

Der 55 Jahre alte Ehemann von Prinzessin Caroline von Monaco hofft, dass neue Zeugenaussagen ihn entlasten. "Erstrebt wird eine mildere Strafe", sagte sein Anwalt Hans Wolfgang Euler zu Prozessbeginn. 2004 war der Adlige vom Landgericht Hannover wegen des Vorfalls zu 445 000 Euro Geldstrafe verurteilt worden. Das Gericht hatte sich nur deswegen darauf eingelassen, das Verfahren wieder aufzurollen, weil neue Zeugenaussagen aufgetaucht sind, die die Version des Prinzen stützen. So soll das Opfer seine schweren Verletzungen teilweise nur simuliert werden.

Der Prinz äußerte sich am Montag nicht selber zu den Vorwürfen, sein Anwalt verlas aber eine 17-seitige Erklärung in seinem Namen. Darin erklärte Ernst August erneut, er habe dem Discobesitzer mit den Worten "One for the music and one for the light" lediglich zwei Ohrfeigen verpasst. Grund dafür sei sein Ärger über den Lärm von Brunlehners Disco gewesen. Der Anwalt des Prinzen betonte, eine Attacke mit einem Schlagring habe es nie gegeben.

Das Opfer, der Discobesitzer Josef Brunlehner, hielt dagegen an seiner Darstellung fest, schwer verletzt worden zu sein. Brunlehner zeigte sich vor Prozessbeginn überzeugt, dass die Verurteilung gegen Ernst August Bestand haben wird. "Ich habe meine Aussage nicht zu ändern", erklärte er und verteilte im Gerichtssaal Visitenkarten seines Hotels in Kenia.

Der Vorsitzende Richter machte zu Beginn klar: "Diesen Vorfall nach über neun Jahren aufzuklären, ist eine sehr, sehr schwierige Aufgabe." Die Darstellungen beider Parteien lägen weit auseinander. Dann warb der Richter dennoch um eine Verfahrensbeschleunigung und bot eine Einstellung des Verfahrens gegen eine erhebliche Geldbuße an. "Muss es zu einer so monströsen Beweisaufnahme kommen?", fragte er. Der Anwalt des Prinzen zeigte sich diesem Angebot allerdings nicht zugeneigt.

Schwere Vorwürfe gegen ehemaligen Anwalt

In der Erklärung des Welfen machte dieser seinem früheren Anwalt schwere Vorwürfe. Mit ihm liegt der Adlige inzwischen in einem heftigen Rechtsstreit. Unter anderem wirft er ihm vor, im ursprünglichen Verfahren ein nicht autorisiertes Geständnis in seinem Namen abgelegt zu haben.

In seiner Erklärung räumte der Prinz ein, es seien damals Fehler gemacht worden. "Es gab eine ganze Reihe von Personen in meiner Umgebung, die mir nicht glaubten." Für den Prozess sind nun zehn Verhandlungstage angesetzt, auch Prinzessin Caroline könnte nach bisherigen Planungen am 23. Juli als Zeugin vernommen werden. Am Montag war Ernst Augusts Auftritt vor Gericht nach zwei Stunden beendet. Um kurz nach 12 Uhr wurde das Verfahren auf Dienstag vertagt. Dann soll das Opfer aussagen. Der Prinz muss nicht mehr erscheinen.

DPA
 
 
KOMMENTARE (6 von 6)
 
Majik58 (16.06.2009, 01:02 Uhr)
Ekelhaft
Schon ziemlich ekelhaft zu beobachten, wie hier und auf anderen Foren der entfesselte Kleinbürger sein Stammtischgegeifer unter dem Schutz der Anonymität zum Allerwertesten gibt. Es scheint wirklich, dass man sich über Adelige heute äußern darf wie über keine, wirklich überhaupt keine andere Randgruppe. Und das Schöne ist, man darf sich dabei auch noch aufgeklärt und fortschrittlich vorkommen. Einige Leute hier brauchen wirklich einen Grundkurs in rechtsstaatlichem Denken.
undueberhaupt (15.06.2009, 16:03 Uhr)
Alle gleich!
Zum Glück sind vor Gericht alle gleich!
changyai (15.06.2009, 14:30 Uhr)
mein prinz
mein lieber Ernst August.
Ich bin auf deiner seite. Als geborener Hannoveraner, aufgewachsen in Edemissen in einer sogenannten "Brinksitzer Stelle" einem alten Fachwerkhaus aus dem jahre 1575, einem ehemaligen Schafstall des Koenigs von Hannover, sage ich es wird Zeit, dass da mal was richtig gestellt wird.
Gegen den tuerkischen Pavilion zu pinkeln, das war ungluecklich, naja kann passieren, haettest auch gegen jeden andern gepinkelt, aber war nun mal nur der tuerkische da. die Schirmattacke auf den Kamermann - d'acord - ich haette dem auch eins uebergbraten wenn ich blau mit meinem weib nach hause komme und der mir auflauert. und natuerlich dass du es geschafft hast Caroline zu ehelichen, Alter, das is ne leistung. die fand ich auch immer gut. Einer kommt durch. Is son bischen wie Burkhard Driest aus Peine (bei Hannover) der damals Romy Schneider geknackt hat. Intellektuell sind wir ja nie so sonderlich aufgefallen. aber schlagring ist nicht unser stil. also auf hoher See und vor dem Gericht bist du immer allein. toitoitoi.
coodo (15.06.2009, 12:56 Uhr)
penetrant
...muss man sein - und prinz natürlich - dann wird so lange prozessiert, bis das urteil passt.
jeder andere bürger(liche) hätte nie ein neues verfahren erreicht.
einfach nur zum .otzen
mokdo (15.06.2009, 12:30 Uhr)
Adel, Prinz.
Vielleicht hat es stern.de übersehen, aber seit 1919 gibt es in Deutschland keinen Asel mehr.
DasBertl (15.06.2009, 12:28 Uhr)
Reputation?
Ist mir neu das der "Pinkel-Prügel-Prinz" neuerdings eine Reputation besitzt. Das er weder Anstand (Expo) besitzt, noch ein Freund von Gewaltlosigkeit (Schirmprügel für Kameramann) ist, das hat er doch schon hinlänglich bewiesen.
Ob in diesem Fall schuldig oder nicht, seine Reputation hat er vor Jahren schon in den Ausguss gepinkelt...
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