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1. Dezember 2005, 09:25 Uhr

Freispruch mit bitterem Nachgeschmack

Es war wohl einer der spektakulärsten Prozesse des Jahres: Vor einem kalifornischen Gericht musste sich Popstar Michael Jackson wegen Kindesmissbrauchs verantworten. Das Urteil war für viele Beobachter überraschend.

Michael Jackson vor dem Gericht im kalifornischen Santa Maria© Win McNamee/Getty Images

Eine BBC-Dokumentation hatte alles ausgelöst: In dem Bericht hatte Popstar Michael Jackson im Februar 2003 zugegeben, mit Kindern in einem Bett zu schlafen, sexuelle Kontakte aber bestritten. Wegen des Verdachts des Kindesmissbrauchs wurde Jackson neun Monate später verhaftet. Er habe einen 13-jährigen mit Wein gefügig gemacht, so der konkrete Vorwurf. Gegen eine Kaution in Höhe von drei Millionen Dollar kam er wieder frei. Im April 2004 wurde Jackson in zehn Punkten, darunter der versuchten Kindesentführung und obszöner Handlungen an einem Minderjährigen, angeklagt. Sein Star-Anwalt Thomas Mesereau plädierte auf "nicht schuldig".

Am 31. Januar 2005 begann vor dem Gericht in Santa Maria der Prozess gegen den einstigen "King of Pop". Als Hauptzeugin trat die Mutter des angeblich misshandelten Jungen auf.

Unschuldig in allen Anklagepunkten

Vier Monate nach Prozessbeginn wurde am 13. Juni 2005 das mit Spannung erwartete Urteil im Fall Michael Jackson verkündet: Unschuldig in allen Anklagepunkten. Als freier Mann konnte der Popstar den Gerichtssaal verlassen und sich auf seine Neverland-Ranch zurückziehen. Bei einem Schuldspruch hätten ihm nahezu 20 Jahre Haft gedroht.

Die Jury fasste ihre Entscheidung einvernehmlich, wie es das amerikanische Recht vorschreibt. Sie folgte letztlich den Argumenten der Verteidigung, die versucht hatte, die Glaubwürdigkeit der als Hauptzeugin aufgetretenen Mutter des inzwischen 15-jährigen Jungen in Frage zu stellen. Der Frau wurde vorgeworfen, den Prozess aus reiner Geldgier lanciert zu haben.

Zweifel an der Unschuld Jacksons

Einige der Geschworenen räumten offen ein, dass sie die Mutter ausgesprochen unsympathisch fänden. Ein Jury-Mitglied, Ray Hultman, erklärte später, er sei nicht davon überzeugt, dass Jackson niemals Kinder belästigt habe. Im konkreten Fall hätten jedoch Zweifel an der Schuld des Angeklagten bestanden. Einige der Geschworenen äußerten jedoch Zweifel, ob der Sänger wirklich niemals Kinder belästigt habe. "Wir sind enttäuscht", sagte Staatsanwalt Tom Sneddon, der seit mehr als zehn Jahren gegen Jackson ermittelt hat. Er stehe weiterhin zu seiner Anklage. Die Staatsanwälte hatten versucht, Jackson als Persönlichkeit mit abwegigen Neigungen darzustellen, der auf seinem Anwesen eine Porno-Spielwiese für Kinder eingerichtet habe.

DPA/haf
 
 
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