17. Dezember 2007, 09:50 Uhr

Kick it like Snoop Dogg

Snopp Dogg hat neuerdings eine eigene Show im amerikanischen Fernsehen. Er lässt sich im Alltag von Kameras begleiten. Als Gaststar dabei: David Beckham. Der stellt unter Beweis, dass auch Stars stinklangweilig sein können. Von Ulrike von Bülow, New York

Langweilte seine Zuschauer mit Banalitäten und miesen Witzen: Rapper Snoop Dogg©

Es heißt, der Rapper Snoop Dogg und der Fußballer David Beckham seien seit Ende der 90er Jahre befreundet, aber das, was beide an diesem Abend bieten, sieht dann doch eher nach Geschäftsbeziehung aus.

Der Rapper Snoop Dogg, bürgerlich Calvin Cordozar Broadus Jr., hat neuerdings eine eigene Show im amerikanischen Fernsehen: "Snoop Dogg's Father Hood" läuft bei "E!", einem Sender, der sich dem Entertainment verschrieben hat, und gehört in die Abteilung "Reality TV": Mr. Dogg lässt sich daheim in Long Beach, Kalifornien, filmen, mit seiner Frau und seinen drei Kindern. Heute ist die zweite Folge zu sehen: Snoop Dogg möchte, dass seine Kinder Fußball spielen lernen, aber seine Kinder möchten das nicht. Um sie zu beeindrucken, organisiert Snoop Dogg ein Trainingsstündchen bei David Beckham, der als "Special Guest Star" angekündigt ist.

So sah man ihn für Galaxy bisher nur selten: Beckham am Ball©

Man mag denken, dass diese Art von Reality-Show in den USA vielleicht interessanter ist als in Deutschland: Snoop Dogg und David Beckham - das sind ja andere Namen als etwa Sarah Connor und Marc Terenzi, die für Pro Sieben in der Promi-Pampa Delmenhorst vor der Kamera lebten. Jedoch: Bei Familie Snoop Dogg gibt es rot gestrichene Wände und braune Ledersofas, und es beginnt damit, dass Mr. Dogg, "the Doggfather" genannt, auf einem der Sofas liegt, mit tiptop manikürten Fingern Chicken Wings isst und Fußball guckt. So ein Zufall: L.A. Galaxy spielt, jener Verein, zu dem David Beckham im Sommer gewechselt ist, für den er aber nicht besonders oft auf dem Platz stand, denn Mr. Beckham war überwiegend verletzt. Dann kommt Snoop Doggs Frau Shanté herein und sagt, er solle nicht so viel Fastfood essen. Sie nimmt ihm die Chicken Wings weg, und kaum ist sie raus, holt Snoop Dogg einen zweiten Teller mit Chicken Wings unter dem Sofa hervor und isst weiter. Lustig?

Dann, Schnitt, steht er mit seinen Kindern auf einem Fußballplatz, einen Fußball in der Hand und das weiße L.A. Galaxy-Trikot am Leib - mit der Nummer 23 von David Beckham auf dem Rücken. Ihr sollt Fußball spielen, "Soccer, wie das in Europa heißt", sagt Daddy Dogg, aber seine Söhne Cordé, 13, und Cordell, 10, und seine Tochter Cori, 8, werfen sich lieber einen American Football zu. Dann, Schnitt, wieder zuhause, kommt noch so eine Chicken Wings-Episode - Mr. Dogg lässt sich von seinem Leibwächter Hähnchenschenkel holen, aber Mrs. Dogg greift den Leibwächter vorher ab und drückt ihm einen Rohkostteller für den Gatten in die Hand, der beim Anblick der Rohkost bellt: "What the fuck is this?", wobei das "Fuck" von einem Piepton übertönt wird.

Und dann ruft David Beckham bei Snoop Dogg an. Beckham steht in weißen Trainingsklamotten auf einem Fußballplatz, Snoop Dogg klagt: "Meine Kinder wollen nicht Fußball spielen", und Beckham sagt: "Bring sie vorbei." Wenig später stehen alle gemeinsam auf dem Rasen. Man begrüßt sich. Snoop Dogg zu David: "Das sind meine Kinder". Kinder: "Hallo David". Und dann schießt Beckham ein paar Bälle aufs Tor, in dem Snoop Dogg alberne Verrenkungen macht, um die Bälle zu fangen. "Wichtig ist die Ballbehandlung", erklärt Beckham den drei Kindern, die freundlich nicken, dann dribbelt er den Ball um ein paar gelbe Stangen, die Kinder versuchen das auch, und das war's dann mit dem Spezialtraining beim Special Guest Star.

Auch Weltstars können langweilen: Snoop Dogg hat eine neue Single zu promoten, "Sensual Seduction", die kürzlich erschienen ist, im März folgt ein neues Album, und David Beckham hat sich zu promoten, einen Fußballer, der mehr kann, als verletzungsbedingt auf der Tribüne zu sitzen. Eine Hand wäscht die andere und alles ist inszeniert, mit Realität hat das nicht zu tun. Am Ende gehen der Rapper und der Kicker essen - in einen Diner namens "Roscoe's". Snoop Dogg bestellt für sich und seinen Co-Darsteller natürlich Chicken Wings, aber dann kommt, Überraschung, seine Gattin an den Tisch und serviert ihm, genau: ein Salattellerchen.

 
 
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KOMMENTARE (3 von 3)
 
havranek (17.12.2007, 15:46 Uhr)
Ja klar...
Ein langweiliger, deutscher Journalist wettert über das Fernsehen in den USA, vorallen Dingen über Snoop Dogg.
Hab schon schlechtere Witze gehört... =)
foerdi (17.12.2007, 13:00 Uhr)
Lange Weile
Selbst Wikipedia hat einen Artikel über die Langeweile.
Liest sich sogar recht interessant.
Vielleicht sind diese dämlichen Fernsehformate ja irgendwo genauso interessant. Brecht hätte wohl Leben so im Reality-TV inszeniert wie Snoop es jetzt tut.
Und ich glaube, Brecht hätte das Fernsehen von heute geliebt.
Arturo Snoop Dogg Ui
Diese Distanz zur Realität zu erzeugen als Kunstform und Ausdruck der Individualität, übersteigert noch in der Hip-Hop-Lebensform wo er sich einen falschen Namen und auch genauso abstruse (hündische) Charaktereigenschaften andichtet... YEAH Baby :)
Aber das ist halt Snoops ganz eigene Kunst.
Schaut Euch doch nur die ganzen deutschen Rapper an - davon ist vielleicht ein Prozent authentisch. Und würde wahrscheinlich genauso eine Reality-Life-TV-Show abliefern. Aber ohne jegliche Coolness, die der Typ hinter dem Namen Snoop hat.
So wie Putin seinen Stahl in den Augen anknipsen kann,
hat Snoop seinen P. I. M. P.-Style
Wobei Snoop noch ne Spur intelligenter und cooler wirkt als seine deutschen Szeneverwandten.
Qvinna (17.12.2007, 12:40 Uhr)
......
Ja und Sternartikel können beinahe genauso langweilen.....
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