Klartext von einem Sexsymbol: Hollywoodstar Richard Gere über die Lügen der Politiker, den Bosnien-Krieg und seinen neuen Film "Hunting Party".

Der gute Mensch von Philadelphia: Richard Gere, 58, wird nicht nur als Schauspieler geschätzt, sondern auch wegen seines humanitären Engagements© Rafa Rivas/AFP
Ein großes Büro in SoHo, New York. An der Wand mannshohe Poster vom Dalai Lama. Richard Gere trägt Jeans, schwarzen Pullover, randlose Brille. In der Hand hält er eine Holzkette, die er während des Interviews durch seine Finger gleiten lässt.
Gere: Ich weiß, dass der stern damals im Kosovo zwei Reporter verloren hat. Das tut mir sehr leid.
Ich selbst war im Kosovo während des Krieges und wollte den Film "Hunting Party - Wenn der Jäger zum Gejagten wird" über den Bosnien-Krieg unbedingt machen, weil ich viele Menschen auf dem Balkan kennengelernt und die Tragödien erlebt hatte. Ich wollte nach Sarajevo und für mich selbst herausfinden, was passierte im ehemaligen Jugoslawien. Dazu musst du an den Ort, du musst auf die Straße, in die Restaurants, mit den Menschen trinken und sprechen.
Sarajevo ist einer der interessantesten Orte der Welt, so wie Jerusalem oder Toledo. Orte, von denen wir lernen können, wo alle möglichen Menschen, Kulturen, Religionen es geschafft haben, in einer sehr warmen, kreativen Atmosphäre miteinander zu leben. Zu verstehen, warum sich das dann so radikal verändert hat, ist sehr wichtig für uns.
Das sind Dinge, die sich in uns Menschen abspielen und nicht irgendwelchen äußeren politischen Umständen geschuldet sind. Ob es nun Tito gab oder nicht, ob es nun Saddam gab oder nicht - es spielt sich immer im Herzen des Einzelnen ab. Es gibt ein fundamentales Missverstehen, wer wir als Menschen sind. Wir sehen uns als Individuen, die nicht miteinander verbunden sind. Das ist eine Lüge, die die ganze Menschheit vergiftet.
Im Film erwähnen wir eine Menge Gerüchte ...
Ich glaube nicht, dass es eine bewusste Entscheidung war, ihn nicht zu fassen. Ich glaube eher, dass der Wille fehlt. Wenn wir wirklich wollten, könnten wir jeden auf dieser Erde finden.
Jeden.
Das war nie mein Ziel. Politik interessiert mich längst nicht so sehr wie die Natur des Menschen, die persönlichen, psychologischen, spirituellen Probleme. Politik zu verändern ist leicht, wir wählen Politiker alle vier Jahre neu. Dein Herz aber zu verändern und wahrhaft altruistisch und mitfühlend zu leben - das ist schwer.
All diese Führer vereinfachen die Welt. Sie beschreiben sie als Schwarz und Weiß, um ihre Gegner zu diskreditieren: Wir sind Menschen - ihr nicht. Wir sind es wert, beschützt zu werden - ihr seid Tiere. Was die Deutschen unter Hitler machten, war nichts anderes. Wir verüben Taten, die wir nicht mal Tieren antun, auch in Bosnien, in Srebrenica. Wir müssen dafür die Verantwortung übernehmen.
Übernommen aus ...
Stern
Ausgabe 49/2007