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"Ich war nie Moralist. Ich war immer Hedonist"

Als "Richter Gnadenlos" war er in Hamburg bekannt. 2000 gründete er eine Partei, wurde Innensenator und outete Ole van Beust. Nach einer Wahlniederlage 2004 verschwand Schill aus der Politik - und aus Deutschland.

  Richter Gnadenlos goes Rio: Ronald Schill auf dem Zuckerhut

Richter Gnadenlos goes Rio: Ronald Schill auf dem Zuckerhut

Herr Schill, Sie leben jetzt hier in Rio de Janeiro. Und lassen es sich gut gehen?

Auf jeden Fall. Ich wollte immer die Erfahrung machen, in einem anderen Land zu leben. Das Wetter, die Strände, das Essen, die Frauen – Rio hat doch einiges zu bieten.

Was machen Sie den ganzen Tag?

Ich gehe gut essen. Sehr gern Fleisch, das hier eine hohe Qualität hat. Und ich gehe gern an den Strand und begutachte das andere gute Fleisch, das Brasilien zu bieten hat. Ansonsten treffe ich meine Freundin, andere Freunde, schwimme im Meer, spiele Tennis und bin gern in meinem Haus, surfe im Internet, am liebsten auf Nachrichtenseiten.

Sie verjuxen hier Ihre Pension. Die Völlerei passt irgendwie nicht zum Bild, das Sie als "Richter Gnadenlos" abgaben.

Warum nicht? Das Leben zu genießen, ist doch kein Widerspruch dazu, Kriminelle hart zu bestrafen.

Aber Sie waren als Moralist bekannt, der für ultra-rechtskonservative Werte steht.

Ich war nie Moralist. Ich war immer Hedonist. In den Swingerklub gehen und konservative Werte – für mich hat das immer zusammengepasst. Und ich habe die Täter so hart angepackt, weil ich viel Empathie für die Opfer hatte. Bagatellstrafen bringen doch gar nichts. Abschreckung – das ist die einzige effektive Maßnahme.

Sie sprachen übertriebene Strafen für Drogendealer aus, danach wurden Sie selbst beim Koksen erwischt. Auch kein Widerspruch?

Ich habe – auch wenn mir anderes nachgesagt wird – nur zweimal gekokst in meinem Leben. Beide Male hier in Südamerika; lange nach meinem Ausstieg aus der Politik. Einmal wurde ich dabei heimlich gefilmt, um mich zu erpressen. Davon gibt es dieses Video. Ich wollte es mal ausprobieren. Aber richtig beglückend ist für mich nur die Droge Frau.

Bereuen Sie eigentlich gar nichts? Ihr Ende als Hamburger Innensenator war, dass Sie Ole von Beust als schwul geoutet haben.

Das war in der Tat eine nicht so geschmeidige Lösung. Würde ich in dieser Form nicht mehr machen. Aber wenn der Ole und ich uns heute treffen würden, fielen wir uns einfach in die Arme. Da gibt es auf beiden Seiten keinen Groll mehr.

Ihr Einsatz bei "Promi Big Brother" und andere peinliche TV-Auftritte kümmern Sie auch nicht?

"Big Brother" war eine großartige Grenzerfahrung und hat mir Geld in die Kasse gespült. Und ich traf tolle Menschen, wie Michael Wendler, Claudia Effenberg und die zuckersüße Mia Magma. Ich will gar nicht immer mit meinem alten Image assoziiert werden. Ich bin anders, als die Menschen denken.

Wie denn?

Lebensbejahend. Offen. Tolerant. Ich wollte aber immer auch provozieren. Das zieht sich durch mein Leben. Das habe ich in meiner Biografie auch so aufgeschrieben.

Sie wohnen jetzt in einem berüchtigten Viertel von Rio mit Drogenbaronen als Nachbarn.

Das ist kein Problem für mich. Ich habe hier eine gute Reputation. Was die Leute hier tun, ist ihre Sache. Ich achte nur darauf, dass nicht zu viel über meine Vergangenheit bekannt wird.

Warum?

Ich will nicht, dass sich jemand von Richter Gnadenlos bedroht fühlt.

Kehren Sie irgendwann nach Deutschland zurück?

Eher nicht. Ich mag Brasilien sehr. Hier kann ich mich frei entfalten, und es ist immer warm. Außerdem würden mich die Frauen hier vermissen.

Interview: Christoph Wöhrle
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