Romy Schneiders Tochter ist erwachsen geworden - und Schauspielerin. Doch vor dem Mythos ihrer Mutter hat Sarah Biasini keine Angst mehr. Heute Abend ist sie in dem TV-Zweiteiler "Julie - Agentin des Königs" zu sehen.

Am liebsten trägt sie Jeans und Turnschuhe: Sarah Biasini© Christof Stache/AP
Am schlimmsten sind alte Tanten auf Familienfeiern. Sie liegen auf der Lauer, greifen an und sezieren: Augen von der Mutter, Nase vom Vater, Kinn vom Onkel. Sarah Biasini hat tausend alte Tanten. Seit 27 Jahren, seit sie auf der Welt ist, beäugen Franzosen und Deutsche unermüdlich ihr Gesicht: Wie ähnlich ist sie Romy denn nun?
Nachsichtiges Lächeln - Sarah Biasini weiß, wie sie mit der tantigen Spurensuche umzugehen hat. Sitzt höflich auf dem Sofa, in Jeans und Pullover, ist die nette Französin von nebenan. Eigentlich macht sie überhaupt nicht den Eindruck, als fände sie den Vergleich mit der Mutter bedrückend. Höchstens blöd, aber was soll's.
Es gab Zeiten, da sah sie das nicht so gelassen. Schauspielerin und eine zweite Romy Schneider werden? Niemals. Zumindest beruflich wollte Sarah Biasini sich so weit wie möglich von ihrer Mutter distanzieren und erst mal Kunstgeschichte studieren. Aber jetzt hat sie es doch getan: In ihrem ersten Film "Julie - Agentin des Königs" (deutsche Erstausstrahlung am 10. und 11. Januar 2005 auf Sat.1) trägt Romys Tochter lange Locken und spielt den mädchenhaften Wildfang im märchenhaften Kostüm. Wenn schon, denn schon.
"Dieser Film ist das Beste, was mir bis jetzt in meinem Leben passiert ist." Keine Floskel, Sarah Biasini meint es ernst. Steckt sich schnell noch eine Zigarette an und erzählt von den Dreharbeiten. Vom Spaß mit dem Team, vom Gefühl, endlich das Richtige zu tun. Und plötzlich ist sie gar nicht mehr so höflich-freundlich-nett. Ihre Augen - ja, es sind die Augen der Mutter, und - ja, sie strahlen. Vor Energie und Begeisterung. Der Film, sagt sie, bedeute ihr mehr als eine erste Schauspiel-erfahrung. Eine kleine Befreiung.

Ganz die Mutter: Romy Schneider, hier eine Aufnahme aus den 50er Jahren© Cinetext
Nächste Zigarette. "Schon an der Uni habe ich die ganze Zeit gespürt, dass in meinem Leben etwas fehlt", sagt sie. Was das ist, wollte sie nicht wahrhaben. "Schauspielerin zu werden - davon musste ich mich erst selbst überzeugen. Aber am schlimmsten wäre es für mich, später auf mein Leben zurückzublicken und zu merken: Ich habe etwas verpasst. Nur aus Angst vor der Reaktion anderer Leute."
Sarah Biasini ist vorsichtig. Sie will nicht so unvorbereitet in den Beruf stürzen wie einst ihre Mutter. Nach der Uni nimmt sie Schauspielunterricht an der Strasberg-Schule in Los Angeles. Dort, wo sie niemand "Romys Tochter" nennt. "Natürlich ist meine Schauspielerei eng mit meiner Mutter verbunden", sagt sie. "Aber ich sehe das eher pragmatisch: Weil meine Mutter Schauspielerin war, ist das für mich ein nahe liegender Beruf."