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15. Dezember 2005, 06:30 Uhr

Ihr Leben nach "Sex and the City"

Viele Frauen wären gern so unabhängig, so abenteuerlustig wie Carrie Bradshaw aus der populären TV-Serie - nur jene nicht, die durch diese Rolle berühmt wurde. Die packt dem Gatten die Koffer, und wenn die Küche abends nicht aufgeräumt ist, geht sie ungern ins Bett. Schön, dass sie da noch Zeit findet, Filme zu drehen.

Sarah Jessica Parkergalt als Darling und Ikone der amerikanischen Frauenbewegung, als sie noch allwöchentlich im Fernsehen Sexunfälle erlebte© Frazer Harrison/Getty Images

Feminismus, das ist jedem klar, hat mehr mit Flatulenz im Bett, durchgeglühten Vibratoren und Fellatio unter Restauranttischen zu tun als mit dem Schrubben von Küchenfliesen. Sarah Jessica Parker jedenfalls galt als Darling und Ikone der amerikanischen Frauenbewegung, als sie noch allwöchentlich im Fernsehen Sexunfälle erlebte und dieselben ausgiebig mit ihren drei Freundinnen analysierte.

Hartnäckig wurde die "Sex and the City"-Heldin auch im wahren Leben bei Paar- und Erektionsproblemen um Rat gebeten, und ihre TV-Figur - eine sehr zierliche im Übrigen und stets auf scharfe Stilettos gestellt - verehrte man nahezu weltweit als Inbegriff der Großstadtamazone: sexy und selbstständig, schlau und doch weichherzig genug, um sich immer wieder aufs Dööfste zu verlieben. Diese Carrie war eine abenteuerlustige Emanze, die von der Liebe ihres Lebens träumte, aber nicht eine Minute desselben zubringen würde mit dem Bügeln seiner Hemden.

Als im Februar 2004 die Serie unter großem Wehklagen zu Ende ging, ließ Sarah Jessica Parker eine kleine Zeit verstreichen, bis die allerletzten Debatten darüber verstummt waren, ob "SATC" - wie Kenner knackig abkürzten - nun post- oder antifeministisch sei oder männer- oder nur dumme-Männer-feindlich. Dann hob sie ihren schmalen Kopf, lächelte auf diese unglaublich nette Art und bemerkte fein: "Ich bin übrigens ganz anders als Carrie." Was uns zurück in die Küche führt.

Wenn die nämlich abends nicht aufgeräumt sei, bekannte Miss Parker, gehe sie mit Unbehagen ins Bett. Ähnlich Sorgen bereite ihr die Frage, ob ihr - immerhin 43-jähriger - Ehemann etwas Warmes in den Bauch bekommt, wenn sie mal nicht in der Nähe ist. "Ich kaufe für ihn ein, ich packe seine Koffer", gestand sie einem sichtlich verdutzten Fernsehreporter. Auch nehme sie im normalen Leben Wörter wie "Orgasmus" oder "Analverkehr" höchst ungern in den Mund; und ehe sie, wie Carrie, ein beherztes "Fuck!" ausstoße, habe sie dreimal schneller "Ach du liebe Zeit!" gerufen.

Ehe sie, wie ihre Filmrolle Carrie, ein beherztes "Fuck!" ausstoße, habe sie dreimal schneller "Ach du liebe Zeit!" gerufen© Getty Images

Hoben die vier Ladys im Fernsehen gern einen "Cosmo" nach ge- oder vertanem Koitus, so weiß Sarah Jessica nach eigenem Bekunden gar nicht so recht, was tun in einer Bar. Und die Sache mit der Mode? Als Carrie wandelte sie in göttlichen Outfits auf Gothams Straßen; als Mutter Parker - mit dem Schauspieler Matthew Broderick hat sie Söhnchen James Wilkie - trägt das nur gut einssechzig große Fliegengewicht hauptsächlich Pullover. Von den geliebten und in der Serie stets prominent vertretenen "Manolos" besitze sie höchstens sechs Paar (wir sprechen von Schuhen, nicht Latin Lovers). Neulich sei sie damit ein Stück gerannt und habe sich prompt eine Sehne gerissen. "Ich bin auch nicht mehr die Jüngste", spricht die 40-Jährige kokett und zeigt dann dieses breite Lächeln, in dem bequem ein Männerherz Platz hat.

Dabei ist Sarah Jessica Parker nicht atemraubend schön zu nennen. Wer in ihren Bann gerät, merkt es erst gar nicht. Zu eng stehen die blauen Augen und zu weit auseinander die Knie. Es liegt eine eigenartige Spannung in ihrem Gesicht, das so schmal und konzentriert ist, als wollte sie es jeden Moment zwischen zwei Gitterstäbe pressen. Eigentlich nicht verwunderlich, dass sie vor Carrie nie die sexy Mädchen spielen durfte. Früher wurde sie oft nur als deren beste Freundin besetzt.

Und was machen die armen begabten Schauspielerinnen, die Studiobossen nicht auf den ersten Blick ein "Wow!" entlocken und daher oft untergehen in Hollywood, wo es so unendlich viele Wow-Girls gibt? Sie nehmen es mit Humor. Sarah Jessica Parker eroberte sich ihre ersten Fans mit der Romanze "L. A. Story" 1991. Als durchgeknalltes Westküstenwesen verdrehte sie Steve Martin den Kopf - eine Figur wie eine Kaugummiblase und sehr, sehr komisch.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 51/2005

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