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13. Mai 2008, 10:47 Uhr

In Hollywood droht neuer Streik

Die mächtige Schauspiel-Gewerkschaft SAG fordert höhere Tantiemen für seine Mitglieder. Die Studios wollen das Geld behalten. Nun haben Stars wie Julia Roberts, Nicolas Cage und George Clooney angedroht, "keinen Finger mehr rühren zu wollen", sollte es nicht zu einer Einigung kommen. Von Frank Siering, L.A.

George Clooney erklärt sich solidarisch mit seinen Kollegen© Vittorio Zunino Celotto/Getty Images

Und schon wieder geht es los. Gerade erst war der lähmende Drehbuchautoren-Streik beigelegt worden - da droht schon ein neuer Arbeitskampf in Hollywood. Ende Juni läuft der Tarifvertrag der 120.000 SAG-Mitglieder - dahinter steckt die Schauspielgewerkschaft Screen Actors Guild - mit den großen Hollywood-Studios aus. Ein neuer Mantelvertrag soll laut SAG-Praesident Alan Rosenberg angehobene Tantiemen für die Weiterverwertung von Filmclips im Internet beinhalten.

Von wegen, das Geld solle gefälligst bei den Studios bleiben, kontert die Alliance of Motion Picture and Television Producers (AMPTP), die für die Studios die Verhandlungen führt. Das Argument der Arbeitgeber: Der Umsatz mit erfolgreichen Kinofilmen schrumpft in diesem Jahr erheblich, die Kassen müssten aufgefüllt werden.

Als jüngstes Beispiel führen Branchenkenner den "Misserfolg" der Comic-Verfilmung "Speed Racer" ins Feld. Der Streifen mit Emile Hirsch in der Hauptrolle spielte am wichtigen Eröffnungswochenende lausige 20 Millionen Dollar ein. Kein Quantensprung für einen Film, der allein an Produktionskosten rund 120 Millionen Dollar verschlungen haben soll, wie die Los Angeles Times schreibt.

"Kein Kommentar!"

Im Vergleich zum vergangenen Jahr verzeichnen die Studios einen Umsatzrückgang an den Kinokassen von rund neun Prozent. Seit dem 15.April verhandeln SAG und AMPTP nun schon miteinander. Mal etwas erfolgreicher, mal weniger erfolgreich. In der vergangenen Woche zum Beispiel wurden die Gespräche abrupt abgebrochen. Am Montag dann plötzlich wieder fortgesetzt. Auf der SAG-Website war zu lesen: "Die Allianz of Motion Picture and Television and Screen Actors Guild haben ihre Session von heute beendet. Beide Parteien werden die Verhandlungen am Dienstag um zehn Uhr morgens fortsetzen. Kein weiterer Kommentar wird abgegeben."

Mit großen Demonstrationen kämpften die Drehbuchautoren Anfang Januar um ihr Geld© Charley Gallay/Getty Images

Nicht nur Insider befürchten, dass die Fronten mittlerweile so verhärtet sind, dass die Filmproduktion in Hollywood zum Sommer völlig eingestellt werden könnte, sollte es vor dem Vertragsende am 30.Juni zu keiner Einigung mehr kommen. George Clooney hat, genau wie Julia Roberts und auch Nicolas Cage angedeutet, "keinen Finger mehr zu rühren, sobald SAG dazu auffordert."

Wohlgemerkt, der Streit dreht sich wahrlich nicht um die Clooneys, Pitts und Roberts. Die Superstars in der Branche - und bei 120.000 organisierten Gewerkschaftsmitgliedern sind das nur eine Handvoll - müssen sich schon seit einigen Jahren keine Sorgen mehr machen ums Geld. "Nein, bei diesem Streit dreht es sich um die Kollegen, die sich keine Zahnarztbesuche für ihre Kinder mehr leisten können, es geht um die vielen Namenlosen, die sich von Honorar zu Honorar über Wasser halten", sagt auch Rosenberg.

Frust bei Gewerkschaft und Künstlern

Als zusätzliches Problem bei den Verhandlungen zwischen SAG und AMPTP taucht derzeit ein dritter Verhandlungspartner auf. Die AFTRA, die American Federation of Television and Radio Artists, eine von der SAG losgelöste Gewerkschaft, führt derzeit separate Gespräche mit den Studios. Das ärgert SAG und frustriert die Künstler, die in beiden Gewerkschaften organisiert sind.

AFTRA gilt als weniger aggressiv. Sollte bei diesen separaten Verhandlungen nun ein Deal herauskommen, der die Studios zufriedenstellt, dann wird wohl SAG kaum noch eine Chance haben, bessere Ergebnisse zu erzielen. Hinzu kommt, dass 75 Prozent aller SAG-Mitglieder einem Streik zustimmen müssen. Keine leichte Entscheidung für einen Teilzeit-Schauspieler, der sich dank des Drehbuchautoren-Streiks schon heute fast die Hälfte seines kärglichen Jahresgehaltes abschreiben muss.

Drei Milliarden kostete der letzte Streik

Ein Streik der Schauspieler wäre eine Katastrophe für die ohnehin geschwächte Entertainment-Branche in den USA. Die Kosten des letzten Streiks werden auf rund drei Milliarden Dollar geschätzt, er kostete Tischler, Catering-Services und anderen Zubring-Industrien Jobs und Einkommen.

An einem neuen Streik hat aus den genannten Gründen dann auch eigentlich niemand so richtig Interesse. Stars wie Tom Hanks oder Meryl Streep plädierten schon Anfang des Jahres für schnelle Verhandlungen, um einen möglichen Verdienstausfall verhindern zu können. Bleibt abzuwarten, ob sich beide Parteien tatsächlich wieder an den runden Tisch begeben Die Zeit nämlich läuft allen so langsam davon.

Von Frank Siering, L.A.
 
 
KOMMENTARE (3 von 3)
 
anuhea (14.05.2008, 01:46 Uhr)
Clooney hat gut reden,
der hat nach seinem letzten, von ihm selbst zu verantwortenden Flop im Moment nicht allzu viel zu tun.
Im Gegensatz zu vielen Filmstars - die Millionengagen erhielten, bevor ihre Filme floppten - hat Britney Spears ihr Geld verdient, durch Plattenverkäufe etc. Ob sie es wert ist, sei dahingestellt.
@ Heiner: uninformierter Rassismus lässt grüßen!
heiner5362 (13.05.2008, 18:41 Uhr)
richtig
aber in relation zu spears mios haben ganz andere ein vielfaches abgesahnt : die tannenbaums, goldbergs, weizmanns usf usw.
solange diese klientel den hals nicht voll bekommt und alles schön im würgegriff hält, wird es in hollywood auch keinen nachwuchs geben.
talent ist vorhanden, wird aber der rendite geopfert.
und frag mal einen der top-akteure ob sein geldgeber beschnitten ist...
italien hat auch seine mafia.
Silbador (13.05.2008, 13:19 Uhr)
Es liegt auch an den sogenannten Superstars
Die verdienen nämlich auch zu viel. Das ist doch die gleiche Diskrepanz die derzeit überall zu sehen ist: Einige wenige sacken ab ohne Ende und der Rest muss mit immer weniger auskommen. Es wird Zeit, dass die Wahnsinnssummen für Einzelne wieder einmal auf ein Normalmass kommen. Es kann ja wohl nicht angehen, dass beispielsweise ein Britney Spears, die seit Jahren nichts mehr zuwege bringt, soviel Knete hat, dass sie nie mehr was machen müsste. Die hohle Nuss ist gerade mal Mitte Zwanzig!
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