"Jungs, lasst eure Reißverschlüsse oben"

18. Mai 2011, 08:44 Uhr

Häme für den "Terminator", Buhlen um das erste Interview mit der betrogenen Ehefrau: Die Klatschgeschichten aus dem Hause Schwarzenegger belustigen die USA. Von Christine Kruttschnitt, Los Angeles

Arnold Schwarzenegger, Kind, Maria Shriver, Gouverneur, Kalifornien, Trennung,192018

Kein glückliches Paar mehr: Arnold Schwarzenegger und Maria Shriver©

Am Anfang ging es nur um Sex. "Du hast einen tollen Arsch", sagte er bei ihrer ersten Begegnung, während ihre Mutter daneben stand und ein Gesicht machte, als ginge ihr gerade ein Nierenstein ab. Der selbstbewusste junge Mann, damals 32 Jahre alt, verkörperte alles, um das die Frauen im Hause Kennedy eigentlich einen Bogen machen sollten: aggressive Maskulinität, rumpelige Manieren, einen wie nach Hormon und Körpersekret riechenden Charme und die Dreistigkeit, mit seinem promisken Lebensstil auch noch anzugeben. Maria Shriver war Arnold Schwarzenegger, der "Freak-Berühmtheit" aus der Steiermark, der damals noch Bodybuilder war und noch kein Hollywood-Star und schon gar kein Politiker, sofort und wider bessere Erziehung verfallen.

"Sex", so zitiert der Schwarzenegger- und Kennedy-Biograf Lawrence Leamer einen engen Freund des Paares, "war die zwingende Kraft ihrer Partnerschaft." Unerhört sei es für einen Spross aus dem Kennedy-Clan - immerhin Amerikas Finanz- und Wunsch-Adel - eine so offen "geile Beziehung" zu führen; als Vorbild in der Familie galt ja doch eher Marias Tante Pat, die sich angeblich vor jedem Verkehr mit dem Gatten bekreuzigte. "Damals hätte ich nie gedacht", schrieb Maria später einmal in einem Buch, "dass ich eines Tages so viel über Sex reden würde."

Shriver: "Es ist eine herzzerreißende Zeit"

Um Sex geht es nun auch am Ende - und über nichts würde Maria Shriver jetzt vermutlich weniger gern reden. Sie erfuhr Anfang dieses Jahres - wohl immerhin aus dem Munde ihres Gatten -, dass dieser mit einer Hausangestellten vor "ungefähr zehn Jahren" ein Kind gezeugt hat. Als die Nachricht, ausgebreitet zuerst in der "Los Angeles Times", am Dienstag um die ganze Welt rauschte, blieb der 55-Jährigen nichts weiter, als sich via Twitter für das "Mitgefühl" ihrer Freunde und Fans zu bedanken. "Das ist eine schmerzvolle und herzzerreißende Zeit", gab Shriver zu. Sie denke nun an die Kinder - wohl vorwiegend an ihre vier eigenen - und wolle ihr Leben neu ordnen. Der 63-jährige Gatte indes, den sie seit 1977 kennt und mit dem sie 25 Jahre verheiratet ist, entschuldigte sich öffentlich für seinen Fehltritt und nahm so groß- wie demütig jede Verantwortung auf sich; als könnte und wollte ihm die einer streitig machen.

Innerhalb von nur einer Woche verwandelte sich eines von Amerikas berühmtesten Power-Paaren in die Hauptdarsteller einer tragischen, zynischen und leider altbekannten Seifenoper. Die Bekanntgabe ihrer Trennung am vergangenen Montag kam bereits wie ein kleines Erdbeben über Kalifornien: Shriver sei schon aus dem gemeinsamen Anwesen in Brentwood ausgezogen, wurde gemeldet, da schwurbelte er noch von einer gemeinsamen Zukunft und dass man sich trotz aller offensichtlichen Probleme "sehr, sehr" liebe. Obschon das Ende dieser bis dato als überaus stabil geltenden Beziehung selbst langjährige Weggefährten überraschte, sei Maria schon seit Jahren unglücklich gewesen, verrieten Freunde der "Los Angeles Times". Da verkündete Arnold noch gern in Interviews, dass man eine Ehe nicht einfach so hinschmeiße, wenn es mal nicht klappt.

Sie kicke ihn aus dem Bett, scherzte er manchmal, wenn er sich schlecht benehme. Er meinte: Wenn er, der Republikaner, etwas Fieses über ihre Partei sagte, die Demokraten. Er meinte nicht: Wenn ich mit anderen Frauen schlafe.

Wie konnte die Affäre so lange verborgen bleiben?

Zwanzig Jahre lebte die Frau, mit der er das außereheliche Kind gezeugt hat, im Haushalt der Schwarzeneggers. Sie kochte, putzte, räumte auf; erst kürzlich verabschiedete sie sich in den Ruhestand. Als am Dienstag in der amerikanischen Frühstücksfernsehshow "The View" - wie in sämtlichen Medien, von der Politsendung bis ins Hollywood-Klatschprogramm - das Thema durchgehechelt wurde, fragte sich eine der Moderatorinnen, weshalb eigentlich die arme Maria ausgezogen sei und der Ehebrecher fett in der Villa wohnen bliebe, sie hätte ihn doch rausschmeißen sollen. Da brachte ihre Kollegin das Dilemma auf den Punkt: Will man in dem Haus bleiben, das man sein "Heim" nannte und in dem man heimlich und doch dermaßen gründlich hintergangen wurde? Gefolgt von der ältesten aller Fragen: Hat sie wirklich nichts gewusst?

Wie konnte ein so großes Geheimnis so lange verborgen bleiben? Wie konnte ein Mann, dessen guter Ruf sich auf Offenheit, Direktheit, Gradlinigkeit begründet, so lange lügen? "What you see is what you get" beschreiben Amerikaner den Nimbus von Schwarzenegger: Er gilt als einer, der Klartext redet. Der seine Meinung unverstellt kund tut. Als smarter Geschäftsmann, verlässlicher Verhandlungspartner. Wenn er sich einmal auf eine Sache einlässt, so wussten schon die Kollegen in der Filmwelt, dann zieht er die auch durch. Nun war es eine ehemalige Amtskollegin, die treffend die neue öffentliche Meinung über Arnold Schwarzenegger wiedergab. Am Dienstag twitterte Jennifer Granholm, die Ex-Gouverneurin von Michigan: "Schon wieder ein männlicher Gouverneur, der zugibt, seine Frau betrogen zu haben. Vielleicht brauchen wir mehr weibliche Gouverneure. Herrje, Jungs, lasst eure Reißverschlüsse oben."

"Es muss eine Menge Geld geflossen sein, damit nichts an die Oberfläche drang", mutmaßt der politische Berater James Carville, der sich angesichts der Enthüllungen "verdattert" zeigte. Carville ist kein Mann, den noch viel verblüffen kann. Immerhin arbeitete er unter Bill Clinton und gilt als einer der zynischsten Politkommentatoren der USA. Er findet es mehr als außergewöhnlich, dass ein Mann in Schwarzeneggers Position eine solche Sensation unter Verschluss halten kann. Der Showbiz-Kenner Jeffrey Wells indes, der in seiner Online-Kolumne "Hollywood Elsewhere" über die Filmwelt bloggt, meint dazu nur: "In der Filmindustrie wird immer schon gemunkelt, dass Arnold Schwarzenegger ein 'hound' ist." Soll heißen: ein Windhund. Ein Schweinehund.

Rustikales Image

Kurz vor den Wahlen im Herbst 2003, nach denen der Österreicher den amtierenden Gouverneur in Sacramento ablösen sollte, beklagten sich sechs Frauen in der Presse über den "Grabscher" Schwarzenegger. "Grabsch-Gate" hätte dem Kandidaten zum Verhängnis werden können: Da wurde behauptet, der "Terminator" habe Kolleginnen und Journalistinnen befingert und belästigt. Einer habe er an die Brust gefasst, einer anderen unter den Rock, eine soll er auf seinen Schoß gezogen und gefragt haben, ob sie bestimmte Sexualpraktiken schon mal ausprobiert habe. "Ich war ein unartiger Junge", gab Schwarzenegger später in einer recht pauschalen Entschuldigung zu, die sich an "alle" richtete, die sich betroffen fühlten. Politisch hatten ihm die Aussagen damals nicht geschadet - er wurde mit großer Mehrheit gewählt. Fast gehörten solche Beschwerden und Gerüchte zu seinem rustikalen Image. Er stand eben für "Äktschn". Und dass seine etwas rohe Virilität nicht ins Vulgäre abglitt, dafür sorgte, wer sonst, Maria.

Sie gab ihm Klasse; und sie gab ihm eine ganz andere Art von Aufenthaltsgenehmigung, als jede Behörde es vermocht hätte. Der Self-Made-Millionär mit dem unfassbaren Namen und noch schlimmeren Akzent nahm dank ihr Einzug in Amerikas upperste Upper-Class. Und sie war es, die ihm in jenem Wahlkampf - nun ja, den Arsch gerettet hat.

Sie setzte sich vor die Fernsehkameras ihrer Freundin Oprah Winfrey, der mächtigsten Entertainment-Größe der Nation. Oprah war einst auch geladen zur Hochzeit in Hyannisport, dem legendären Familiensitz der Kennedys - ebenso wie die Show-, Sport- und Politik-Elite des Landes. Einzig erlesene Gäste wohnten damals der Vermählung einer Prinzessin mit einem Aufsteiger bei; der Union von noblen Idealen und frischen, aggressiven Ambitionen.

Was für eine traurige Geschichte

Es war - neben erwähnter anderer Sache - vor allem der Ehrgeiz, der das junge Paar zusammenschmiedete: Beide wollten sie Großes erreichen, ein jeder brauchte den anderen als Ansporn, zur Bestätigung. Die Braut feierte erste Erfolge in der Fernsehwelt: Sie arbeitete bis zu Arnolds Amtsantritt als Journalistin. Daher kannte sie die Talkgöttin Oprah - und sprach bei ihr jene hehren Worte über Arnold, für die sie sich heute vermutlich mehr als ohrfeigen könnte.

Er habe einen tadellosen Charakter, sagte sie. Ich kenne ihn genau, schwor sie. Oprah nickte ergriffen. Maria Shriver gilt als Feministin, fördert Frauenpolitik, organisierte als First Lady einmal im Jahr eine vielbeachtete Konferenz, auf der es ausschließlich um Frauenrechte und Frauenerfolge ging. Sie nehme, so sagte sie damals stählern, doch wohl aushäusiges Gegrabsche nicht hin, wie es bei den leidgeprüften Kennedy-Frauen bei ihren legendär fremdgehenden Männern so üblich sei: "Ich bin nicht dazu erzogen, einfach nicht hinzusehen."

Oprah ist es nun, die Maria Shriver eine Talkshow in ihrem eigenen Fernsehsender OWN anbietet. Und die natürlich, wie der Rest der amerikanischen Medienwelt, um die derzeit berühmteste hintergangene Frau des Landes buhlt. Was für ein trauriger Superlativ. Was für eine traurige Geschichte

Gerüchte über mehr als nur ein uneheliches Kind

In Rekordzeit hat sich die öffentliche Meinung zu "Mr. Fantastic" vom Erfolgsmenschen zum größten denkbaren Narzissten gewandelt. Der nicht nur munter Seitensprünge unternimmt - gleichzeitig das große Loblied auf seine Frau singt -, sondern auch die Chuzpe beweist, unter solchen erschwerten Bedingungen in die Politik zu gehen. Als würden nicht ständig Männer in gewählten Ämtern über Privates stolpern. Der Gouverneur von North-Carolina etwa, der seinen Mitarbeitern vorkrückte, er sei wandern in den Appalachen, und sich derweil mit seiner Geliebten in Argentinien vergnügte. Oder der demokratische Präsidentschaftskandidat John Edwards, der nicht nur ein Kind mit einer Wahlkampfhelferin zeugte, es verleugnete und dabei doch heimlich finanziell unterstützte, während seine Ehefrau nicht nur seine anderen Kinder großzog, sondern auch gegen den Krebs kämpfte. Amerika ist nicht arm an Skandalen. Aber die schmutzigsten finden sich immer dort, wo Saubermänner walten.

Seit Tiger Woods ist alles möglich. Schon gibt es Gerüchte, dass Schwarzenegger mehr als nur ein außereheliches Kind zu verantworten hat. Im Jahre 2003 verbreitete die Londoner "Daily Mail", dass eine ehemalige Stewardess aus dem kalifornischen Brea einen Sohn habe, der nicht nur wie ein von Schwarzenegger gespielter Filmheld heiße ("Tanner" aus "Total Recall"), sondern auch des Kino-Weltenretters berühmtes breites Lachen samt Zahnlücke vorweise. Reporter der "Los Angeles Times" besuchten die Mutter kürzlich und erkundigten sich nach Tanners Daddy. Sie wies alle Verdächtigungen zurück. Als sie jedoch erfuhr, dass Schwarzenegger eine andere Vaterschaft zugegeben hat, schnappte sie: "Kein Kommentar!"

Und da ist die alte Geschichte von Gigi Goyette, einer Schauspielerin ("Unsere kleine Farm"), die 1989 eine Affäre mit dem Star gehabt haben will, da war er gerade mal drei Jahre verheiratet.

Die Jagdsaison ist eröffnet

Die Jagdsaison ist eröffnet. Die Klatschwebseite "TMZ", gefürchtet als ebenso schmuddelig wie oft zufallsfündig, berichtet von mysteriösen Damenbesuchen in Schwarzeneggers altem Büro in Santa Monica. Und veröffentlicht, neuester Scoop, Foto vom Sohnemann: Die sind zwar gepixelt, aber deutlich erkennt man das steirische Grinsen.

Lästereien über den "True Lies"-Helden explodieren im Internet. Jeder hat eine Meinung. Es sei toll, schreibt ein Blogger, dass Schwarzenegger, der sich als Gouverneur gegen die Schwulenehe aussprach, stets die Bedeutung der Ehe so verteidigt habe, "denn wir Schwulen wissen offenbar nicht, wie das geht".

"Manchmal fühlst du dich beschissen", twittert auch ein Betroffener. "Manchmal möchtest du alles hinschmeißen und einfach nur normal sein. Und doch liebe ich meine Familie, bis dass der Tod uns scheidet." Die dramatischen Worte, eingeleitet von einem Songtext, stammen von Schwarzeneggers 17-jährigem Sohn Patrick. Er und seine ältere Schwester Katherine wandten sich an ihre Twitter-Gemeinden und gaben zu, dass dies alles nicht gerade leicht für sie sei.

Doch bald soll alles besser werden. Arnold Schwarzenegger, zuverlässig seinem berühmtesten Mantra "I'll be back!" folgend, wird aufräumen - in Los Angeles, in der Welt, in seinem Leben. Zwar nur als Comic-Held in einer Fernsehserie. Aber gut so, da kann er weniger anrichten.

Zum Thema
Leser-KommentareBETA
Lifestyle
Wissenstests Wissenstests Wie gut kennen Sie sich aus mit Promis und Royals? Stellen Sie Ihr Wissen auf die Probe! Zu den Wissenstests