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Knopp vergleicht Cruise mit Goebbels

Das Video erhitzt die Gemüter: Tom Cruise als fanatischer Scientology-Redner. Historiker Guide Knopp hat jetzt den Vergleich zu Joseph Goebbels Sportpalast-Rede gezogen.

Von Jens Maier

"Jetzt ist die Zeit, Leute! Die Zeit, an die wir später einmal so zurückdenken werden: Wart Ihr damals ein Teil davon? Was habt ihr gemacht?", schwört er seine Zuschauer ein. "Sollen wir die Welt säubern?", fragt er. Hunderte schreien frenetisch "ja!", klatschen jubelnd Beifall. Der, der da spricht, ist kein geringerer als Tom Cruise vor einer Menge von Scientology-Anhängern. Seine Rede kursiert derzeit als Video im Internet.

Die Scientology-Mitgliedschaft des Hollywoodstars sorgt seit dem Erscheinen der Cruise-Biografie "Tom Cruise - Der Star und die Scientology-Verschwörung" von Autor Andrew Morton weltweit für Wirbel. Morton behauptet darin, Cruise sei "die Nummer zwei bei Scientology hinter dem Führer David Miscavige, eingebunden in alle Pläne und Strategien." Im Interview mit dem stern sagte Morton: "Er kann unglaublich charmant sein, wenn er mit seinen superweißen Zähnen in die Kamera lächelt, aber hinter diesem Lächeln verbirgt sich auch ein Mann, der bedrohlich, sogar finster sein kann."

Knopp: "Tom Cruise tritt auf wie Goebbels"

Historiker Professor Dr. Guido Knopp hat Cruises Auftritt jetzt mit dem dritten Reich verglichen. "Tom Cruise tritt auf wie Goebbels", sagte er der "Bild am Sonntag". Die Szene im jüngst aufgetauchten Video, in der Cruise frage, ob die Scientologen die Welt säubern sollen, erinnere zwangsläufig jeden Deutschen an die berüchtigte Sportpalastrede von Joseph Goebbels, führt der aus mehreren ZDF-Sendungen bekannte Knopp weiter aus.

In der berüchtigten Sportpalastrede vom 18. Februar 1943 in Berlin rief Goebbels zum "Totalen Krieg" auf. Die Rede gilt als ein Paradebeispiel der Rhetorik und der Propaganda. Auf die Frage Goebbels, "Wollt ihr den totalen Krieg?", brüllt die Menge zurück: "Ja". Dem Propagandaminister gelang es mit der Rede, die Stimmung im bereits verlorenen Zweiten Weltkrieg anzuheben und die Deutschen erneut auf die Kriegsgegner einzuschwören.

PR-Gau für Stauffenberg-Film

Brisant könnte der Goebbels-Vergleich für Cruise nochmal werden, wenn im Herbst sein Film "Walküre" in die deutschen Kinos kommt. Darin spielt er ausgerechnet den Widerstandskäpfer Claus Schenk Graf von Stauffenberg, Drahtzieher des Hitler-Attentats am 20. Juli 1944. Ein Nazi-Image ist deshalb das letzte, was Cruise im Moment gebrauchen kann. Im Interview mit dem stern behauptet Andrew Morton sogar, mit dem Rummel um den Stauffenberg-Film solle der Hollywood-Star Sympathien für den Psychokult Scientology in Deutschland gewinnen. Sollte das der Fall sein, dann droht der PR-Maschinerie mit den aufgetauchten Scientology-Videos jetzt der Gau. Denn wie glaubwürdig ist ein Stauffenberg-Darsteller, dem Propaganda mit Nazi-Methoden vorgeworfen wird? Der komplette Film könnte wegen Cruise auf der Kippe stehen.

Das Cruisevideo ist bereits vier Jahre alt und zeigt eine Szene, in der er mit der sogenannten "Freiheitsmedaille" ausgezeichnet wird. Zu sehen ist auch Oberscientologe David Miscavige. Der steuert seit 21 Jahren die Geschicke der ominösen Organisation. Zum Schluss seiner Dankesrede umarmt Cruise Miscavige und steht vor einem Bild von Scientology-Gründer L. Ron Hubbard stramm. Cruise hebt dabei die rechte Hand und salutiert.

Scientology hat verzweifelt versucht, die Filme von Websites wie gawker.com entfernen zu lassen. Spätestens dadurch wurden die Medien auf die Filme mit Namen wie "Tom Cruise über Tom Cruise" oder "Tom Cruise über Scientology" aufmerksam. Die "Washington Post" nennt es "Horror-Film". In der Show von US-Talker Craig Ferguson wurde Cruise derweil zur Witzfigur. Ferguson machte sich in einer wunderbaren Parodie über den Auftritt von Cruise lustig. Und würde Cruise es nicht so ernst meinen, man könnte auch über seinen Auftritt lachen.

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