20. Januar 2008, 11:11 Uhr

Knopp vergleicht Cruise mit Goebbels

Das Video erhitzt die Gemüter: Tom Cruise als fanatischer Scientology-Redner. Historiker Guide Knopp hat jetzt den Vergleich zu Joseph Goebbels Sportpalast-Rede gezogen. Und das ausgerechnet, wo Cruise demnächst im Kino einen Widerstandskämpfer spielen soll. Von Jens Maier

"Jetzt ist die Zeit, Leute! Die Zeit, an die wir später einmal so zurückdenken werden: Wart Ihr damals ein Teil davon? Was habt ihr gemacht?", schwört er seine Zuschauer ein. "Sollen wir die Welt säubern?", fragt er. Hunderte schreien frenetisch "ja!", klatschen jubelnd Beifall. Der, der da spricht, ist kein geringerer als Tom Cruise vor einer Menge von Scientology-Anhängern. Seine Rede kursiert derzeit als Video im Internet.

Die Scientology-Mitgliedschaft des Hollywoodstars sorgt seit dem Erscheinen der Cruise-Biografie "Tom Cruise - Der Star und die Scientology-Verschwörung" von Autor Andrew Morton weltweit für Wirbel. Morton behauptet darin, Cruise sei "die Nummer zwei bei Scientology hinter dem Führer David Miscavige, eingebunden in alle Pläne und Strategien." Im Interview mit dem stern sagte Morton: "Er kann unglaublich charmant sein, wenn er mit seinen superweißen Zähnen in die Kamera lächelt, aber hinter diesem Lächeln verbirgt sich auch ein Mann, der bedrohlich, sogar finster sein kann."

Knopp: "Tom Cruise tritt auf wie Goebbels" Historiker Professor Dr. Guido Knopp hat Cruises Auftritt jetzt mit dem dritten Reich verglichen. "Tom Cruise tritt auf wie Goebbels", sagte er der "Bild am Sonntag". Die Szene im jüngst aufgetauchten Video, in der Cruise frage, ob die Scientologen die Welt säubern sollen, erinnere zwangsläufig jeden Deutschen an die berüchtigte Sportpalastrede von Joseph Goebbels, führt der aus mehreren ZDF-Sendungen bekannte Knopp weiter aus.

In der berüchtigten Sportpalastrede vom 18. Februar 1943 in Berlin rief Goebbels zum "Totalen Krieg" auf. Die Rede gilt als ein Paradebeispiel der Rhetorik und der Propaganda. Auf die Frage Goebbels, "Wollt ihr den totalen Krieg?", brüllt die Menge zurück: "Ja". Dem Propagandaminister gelang es mit der Rede, die Stimmung im bereits verlorenen Zweiten Weltkrieg anzuheben und die Deutschen erneut auf die Kriegsgegner einzuschwören.

PR-Gau für Stauffenberg-Film Brisant könnte der Goebbels-Vergleich für Cruise nochmal werden, wenn im Herbst sein Film "Walküre" in die deutschen Kinos kommt. Darin spielt er ausgerechnet den Widerstandskäpfer Claus Schenk Graf von Stauffenberg, Drahtzieher des Hitler-Attentats am 20. Juli 1944. Ein Nazi-Image ist deshalb das letzte, was Cruise im Moment gebrauchen kann. Im Interview mit dem stern behauptet Andrew Morton sogar, mit dem Rummel um den Stauffenberg-Film solle der Hollywood-Star Sympathien für den Psychokult Scientology in Deutschland gewinnen. Sollte das der Fall sein, dann droht der PR-Maschinerie mit den aufgetauchten Scientology-Videos jetzt der Gau. Denn wie glaubwürdig ist ein Stauffenberg-Darsteller, dem Propaganda mit Nazi-Methoden vorgeworfen wird? Der komplette Film könnte wegen Cruise auf der Kippe stehen.

Das Cruisevideo ist bereits vier Jahre alt und zeigt eine Szene, in der er mit der sogenannten "Freiheitsmedaille" ausgezeichnet wird. Zu sehen ist auch Oberscientologe David Miscavige. Der steuert seit 21 Jahren die Geschicke der ominösen Organisation. Zum Schluss seiner Dankesrede umarmt Cruise Miscavige und steht vor einem Bild von Scientology-Gründer L. Ron Hubbard stramm. Cruise hebt dabei die rechte Hand und salutiert.

Scientology hat verzweifelt versucht, die Filme von Websites wie gawker.com entfernen zu lassen. Spätestens dadurch wurden die Medien auf die Filme mit Namen wie "Tom Cruise über Tom Cruise" oder "Tom Cruise über Scientology" aufmerksam. Die "Washington Post" nennt es "Horror-Film". In der Show von US-Talker Craig Ferguson wurde Cruise derweil zur Witzfigur. Ferguson machte sich in einer wunderbaren Parodie über den Auftritt von Cruise lustig. Und würde Cruise es nicht so ernst meinen, man könnte auch über seinen Auftritt lachen.

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Mehr über Scientology... ...und die besondere Rolle, die der Schauspieler Tom Cruise in der Sekte spielt, lesen Sie im aktuellen stern

Von Jens Maier
 
 
KOMMENTARE (10 von 28)
 
cousteau (21.01.2008, 10:03 Uhr)
Sieht man häufiger
Lächerlich, wie Cruise vor einem Bild eines Toten salutiert. Weiß der Geier, was ein Saal voller hübscher, ausgesuchter Higher-Class-People an einem derart grobschächtigen Autoverkäufer wie Hubbard findet. Aber was Cruise da erzählt, hört man doch in vielen Firmen in der morgendlichen Vorstandsrunde: Völlig überzogenen, aufgepushten Blödsinn, der irgendwen motivieren soll irgendwas zu tun. In diesem Falle eben "Religion" zu verkaufen. Die Welt ist scheinbar nur mit so einem schrillen Schrott und überzogenem Gehabe zu bekommen. Ein Vergleich zu Goebbels ist doch ebenso überzogen wie Toms dumpfes und geschauspielertes Geschwafel.
RegiFecht (21.01.2008, 09:46 Uhr)
der Stern
druckt doch jede Scheiße, hauptsache sie dampft.
tricky_dude (20.01.2008, 22:44 Uhr)
@dunnhaupt
Ähhhh, irgenwie sind Sie here falsch, we don´t talk about the fukin´ Clintons, it´s about fukin´ weirdoz, who claim to be leader of the world, who want to clean it all up! Do you get me????
dunnhaupt (20.01.2008, 22:18 Uhr)
Clinton-Wahlfälschungen
Bei den Vorwahlen geht es darum, Delegiertenstimmen zu sammeln. Senator Obama gewann in Nevada 13 Delegierte, Frau Clinton nur 12. Wieso soll das ein Wahlsieg für Clinton sein? Offensichtlich sind Sie der Propaganda der skrupellosen Clintonmaschine zum Opfer gefallen, die Wahlbeteiligung als Wählerstimmen zählt.
vondervogelwheyde (20.01.2008, 21:04 Uhr)
Der Stern schenkt schenkt dem Führer Cruise.....
... die Aufmerksamkeit, die Scientology braucht. Dazu bittet der Stern Herrn Knopp um ein Gutachten für das Video, das seit einiger Zeit im Internet kursiert. Herr Knopp sieht eine Paralelle des Herrn Cruise zu Josef Goebbels. Das ist der Beweis, auf den der Stern so lange gewartet hat! Die mediale Aufmerksamkeit, die Scientology damit erreicht, ist vom Stern wohlkalkuliert. Herr Knopp wird als Kronzeuge vor dem Nürnberger Tribunal gegen den Führer Cruise aussagen. Ist das die Botschaft Ihres Artikels, stern.de?
hevosenkuva (20.01.2008, 20:22 Uhr)
Historiker vergleichen Knopp mit Knoppers
Morgens halb zehn im Geschichtsunterricht: Klassenbucheintrag für Knopp und seine willigen Helfer wegen unentschuldigten Fernbleibens.
Parvis (20.01.2008, 17:37 Uhr)
Wahrscheinlich lacht sich Xenu,
der sich ja anscheinend auf den Weg zur Erde befindet (siehe http://www.webnews.de/kommentare/83138/0/Tom-Cruise-will-Bunker-gegen-Auserirdische-bauen.html) halb tot, wenn er alles über Tom und die Scientologen erfährt.
Medley (20.01.2008, 17:34 Uhr)
Lächerlich
Ich habe mir das Video angesehen. Cruise war als Redner ähnlich schnulzig-pathetisch, wie das unser Florian Silbereisen in seinen Seniorenbeglückungsshows ja regelmäßig auch ist, aber mit den rethorischen Stilmitteln des herbeizitierten, hetzenden Klumpfußes hatte das eigentlich wenig bis garnichts zu tun. Und wenn er das Wort "säubern" in den Mund nimmt, so ist das mutmaßlich eine Anspielung auf ein Scientology-Verfahren, dass man, glaube ich, "clearing", also eben "säubern" nennt und das nur rudimentär etwas mit dem "säubern" zu tun hat, das Göbbels und SEIN großer Zampador damalig meinte.
Bitte nicht missverstehen: Ich erachte diese Sekte auch als gefährlich, -und von mir hätte Cruise nicht den Bamby in Gold, sondern den Köttel in Braun bekommen. Keine Frage! Nichts destotrotz, sollte man sauber argumentieren, um den Gehirnwäsche-Zombies nicht auch noch Munition frei Haus für sie liefern.
---
tricky_dude (20.01.2008, 17:27 Uhr)
Armes Deutschland
So viel Wind um ein Windei. :-)
Was gibt es noch zu berichten? er hat sich in dem Video deutlichst(!) geoutet.
Tom Cruise ein Goebbels? Naja, da fehlts noch. Der Klumpfuß hatte das wenigstens gelernt. Zuviel der "Ehre" für einen drittklassigen Darsteller, der der "Religion" eines sechstklassigen SciFi-Fuzzies folgt.
Zitat:
"Du kanns nichts richtig machen, nicht mal eine Religion gründen."
- Robert A. Heinlein zu Ron Hubbard
Wenigstens haben die Kabarettisten jetzt wieder Munition.
Punito (20.01.2008, 16:52 Uhr)
Viel Wind um Tom Cruise

als auch seiner "New Age"-Hubbert-Kirchenfunktion
ist den Druckpreis im Stern nicht wert.
Cruise mit Göbbels zu vergleichen ,
mag Altnazis zur Ehre gereichen , wird meiner Meinung nach der Persönlichkeit des Herrn Cruise nicht gerecht .
Die Vision des Tom C. , Ciencethologie würde "some" day die Geschicke der Welt lenken , wird vermulich eine Illusion bleiben .
Das entspräche in etwa der Vorstellung anders gestimmter Sektenanhänger .
Als Beispiel sein die Zeugen Jehovas oder auch die OSHO-Anhänger genannt .
Die schauspielerische Leistung des T.C. hatte in Hollywood ebenfalls Anerkennung gefunden , schon vor
Tom Cruise Engagement bei Ron Hubberts Übermenschenvereinigung .
Herr Knopp , dessen harsche Kritik
im Stern aufgegriffen wurde ,schießt meiner Meinung nach mit "Kanonen auf Spatzen".
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