Einst war sie die teuerste Schauspielerin der Welt und ein gefürchteter Star. Als sich plötzlich keiner mehr für Sharon Stone interessierte, floh sie aus Hollywood. Nun ist sie zurück. Und wie!

Stone als besessene Kosmetik-Mogulin im Film "Catwoman"© Warner Brothers
Auf dem Filmplakat steht nicht einmal ihr Name. Die Reporter am roten Premieren-Teppich sind mit irgendwelchen Sternchen beschäftigt. Aber die Fotografen, die wollen nur sie, auch wenn sie eine Frisur hat wie mit der Geflügelschere geschnitten. Sharon Stone, 46, hebt die Augenbrauen und bleibt kurz stehen. Eine umwerfend schöne Frau in goldenen Sandalen, ihr enges Kleid verbirgt wenig. Dann aber, als sie sich hierhin und dorthin drehen soll, winkt sie ab, sollen andere sich verrenken.
In "Catwoman" spielt sie ein Model, das vom Ehemann gerade als Vorzeigegesicht seiner Kosmetikfirma ausgemustert wird. Voll Hass starrt sie auf die Fotos der jungen Nachfolgerin. "Kaum wurde ich 40, haben sie mich weggeschmissen." Diesen Satz hat sie sich selbst ins Drehbuch geschrieben. Oft hat sie geklagt, nach ihrem 40. Geburtstag sei sie in Hollywood wie eine Leprakranke behandelt worden.
Damals reichte es ihr. Sie heiratete den Chefredakteur des "San Francisco Chronicle", ließ Los Angeles hinter sich. Immer betonte sie, wie glücklich ihr Eheleben sei, sagte es noch, kurz bevor ihr Mann die Scheidung einreichte. Sie sei ein Hippie, für die Ehe nicht gemacht, erklärte sie dann. Seit 2003 ist sie mit ihrem vierjährigen Adoptivsohn zurück in Hollywood.
Dass nun alle vom großen Comeback schrieben, sei Quatsch, sagt sie beim Gespräch in einem Hotel in Beverly Hills. Sie sei Nebendarstellerin, mehr nicht. Jetzt aber müsse sie erst mal etwas essen, sie habe "Hunger wie ein Kamel". Falls jemand Pommes wolle, bitte gern, sagt sie mit ihrer tiefen, rauchigen Stimme. Dann schleckt sie das Ketchup von den Fingern, zieht die Schuhe aus und rekelt sich auf dem Sofa, dass es jeder Mann als Angebot verstehen würde.

Angefaucht: In "Catwoman" spielt Stone (l.) den Bösewicht. Ihre Gegenspielerin ist keine geringere als Halle Berry© Warner Brothers
Das mit der glücklichen Nebendarstellerin klingt natürlich wie schlecht gelogen, jedenfalls aus dem Mund einer Frau, die einmal erklärt hat, sie sei "süchtig danach zu siegen". Tatsächlich hatte sie sich die Rückkehr leichter vorgestellt, sagt sie. "Ich kam so mit der Einstellung: Hallo, ich bin's, Sharon. Ihr erinnert euch?" Aber wer sich lange nicht blicken lasse, sei bei den Studios nicht mehr auf der Liste. "Das ist lustig, wirklich lustig." Und dann lacht sie, ziemlich laut und ziemlich schrill.
Sharon Stone war einst die bestbezahlte Schauspielerin Hollywoods. Man könnte annehmen, dass sie nun alles daran setzen würde, wieder mitspielen zu dürfen. Insbesondere da "Basic Instinct", der Film, der sie weltberühmt gemacht hat, schon zwölf Jahre zurückliegt und danach, von ihrer Rolle in "Casino" (1995) abgesehen, nicht viel Nennenswertes gekommen ist. Aber sie verdreht nur die Augen. Es sei falsch, dass sich in Hollywood alle so wichtig nähmen. "Es sind doch nur Filme. Wir heilen hier keinen Krebs."
Bei aller neuen Gelassenheit war ihr "Basic Instinct, Teil zwei" wichtig genug, die Produzenten zu verklagen. Die hatten den Film auf Eis gelegt, weil Stone zu viel gefordert habe. Nun haben sie sich geeinigt: Der Film wird gemacht, Sharon Stone soll unglaubliche 14 Millionen Dollar bekommen.