Die Sängerin und der Sieger. Sheryl Crow erzählt im stern-Interview, warum Lance Armstrong die Liebe ihres Lebens ist - obwohl der US-Präsident zwischen ihnen steht. Von Christine Kruttschnitt

Familientreffen: Sheryl Crow und Lance Armstrongs Kinder gratulieren dem Sieger der diesjährigen Tour de France© Franck Fife/AFP
Ach, diese Geschichte. Als die Schlagzeilen in der Presse auftauchten, fanden wir das anfangs eher kurios, weil wir uns eben nicht getrennt hatten. Wir saßen zusammen und lasen die Gruselstorys gemeinsam. Trotzdem setzen solche Falschmeldungen eine Beziehung immer unter Druck. Mir taten Brad und Jen leid, als lange vor ihrer Trennung die ganzen Krisengeschichten darüber erschienen, wer von beiden ein Kind wollte und wer nicht.
Man hat einfach das Gefühl, dass es irgendwo so ein dumpfes kollektives Lauern darauf gibt, dass endlich wieder ein Promi in sein Unglück rennt. Das verkauft sich auch besser. Meine Presseagentin erzählte, dass viele Journalisten sogar enttäuscht waren: "Wie, Sheryl und Lance sind noch zusammen?" Eine Story über eine tränenreiche Trennung hätte ihnen anscheinend besser gefallen. Viele Leute da draußen dürsten geradezu nach solchen Geschichten. Sie müssen ein sehr armseliges Leben führen.
Das stimmt. Wir haben beide noch nie so tiefe Gefühle für jemanden empfunden. Wir sind beide erstaunt, wie tief das geht. Er hat das Beste aus mir hervorgebracht. Und ich hoffe, das ist umgekehrt genauso.
Beziehungen sehen heute anders aus als früher. Weil viele Frauen arbeiten und ihre wirklich ernsthaften Beziehungen meist erst in einem späteren Alter eingehen. Zu dem Zeitpunkt bist du so festgefahren in deinen Gewohnheiten und Ansprüchen, dass du keine Kompromisse mehr eingehen magst. Kompromisse fühlen sich dann eher wie Opfer an.
Mein Vater sagte kürzlich zu mir: "Du wirst später nicht jammern: "Ach, hätte ich doch in meinem Leben mehr gearbeitet!" Du wirst eher klagen: "Mist, hätte ich doch mehr Zeit in meine Liebesbeziehungen investiert!"" Ich habe die Konsequenz gezogen, meine Karriere etwas hintangestellt und mich ein bisschen aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Das ist schwierig, wenn man die Frau an der Seite von Lance Armstrong ist. Sie sind derzeit doch präsenter als vorher. Mag sein. Aber es fühlt sich anders an. Weil ich nicht meinetwegen im öffentlichen Interesse stehe, sondern seinetwegen. Es ist ein bisschen so, als wäre ich mit einem überdimensional großen Rockstar zusammen. Ihn kennt wirklich die ganze Welt. In meinem Leben ist es früher so viel um mich gegangen. Manchmal hatte ich die Nase voll davon. Jetzt stelle ich mich zurück. Ich habe sogar mein Zuhause aufgegeben und reise mit Lance. Alles Gewohnte habe ich hinter mir gelassen. Das macht mich verwundbarer. Aber ich bin glücklich so.
Lance ist anders als die normalen Radprofis. Bei ihm gibt es ja diesen Aspekt, der über den Sport hinausgeht: Er hat den Krebs besiegt. Die meisten Menschen haben heutzutage auf irgendeine Art mit diesem Thema zu tun. Entweder aus eigener Erfahrung. Oder weil jemand, den sie lieben, Krebs hat. Und Lance repräsentiert quasi den erfolgreichen Kampf gegen den Krebs. Dazu kommt, dass die Tour de France ein ganz besonders schwieriger Wettkampf ist. Da musste er physisch über sich hinauswachsen.
Ja, ich habe mir immer Partner gesucht, die kreativ sind, meistens in meinem Bereich. Aber daraus haben sich eindeutig keine gesunden Beziehungen ergeben. Lance ist vor allem ein Denker. Das gefällt mir. Er hat zwei Bücher über sein Leben geschrieben. Bei uns überschneiden sich die kreativen Bereiche nicht. Diese Konstellation macht mich freier.
Uns kommt es so vor, als wären wir gleich alt. Und: Es wird ja immer normaler, dass Frauen mit jüngeren Männern zusammen sind. Früher wurde in solchen Fällen schief geguckt.
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Übernommen aus ...
Ausgabe 31/2005
Biografie Sheryl Crow wurde 1962 im US-Staat Missouri geboren. Nach einem Musikstudium arbeitete sie als Lehrerin, unter anderem mit autistischen Kindern. 1986 zog sie nach Los Angeles und tingelte als Sängerin durch Bars, bis Michael Jackson sie als Backgroundstimme engagierte. Crow arbeitete auch für Eric Clapton, Sting, Rod Stewart und Don Henley als Sängerin und Songwriterin. Nach einer zweijährigen Krise, in der sie gegen eine Depression kämpfte, nahm sie 1993 ihr Debütalbum "Tuesday Night Music Club" auf. Die ausgekoppelte Single "All I Wanna Do" machte sie 1994 als Sängerin und Gitarristin berühmt. Seither hat sie vier Studioalben aufgenommen und wurde mit zahlreichen Grammys ausgezeichnet. Ihr neues Studioalbum "Wildflower" erscheint am 26. September. Sheryl Crow ist seit eineinhalb Jahren mit dem Radprofi Lance Armstrong liiert.