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4. März 2010, 14:43 Uhr

Die Casting-Domina

Mit strengem Blick wählt Heidi Klum das Topmodel aus. Aus dem netten Mädel aus Bergisch-Gladbach ist eine "rigide Marke" geworden. Warum diese Wandlung für Klum gefährlich ist. Von Katharina Miklis

Germany's Next Topmodel, Heidi Klum, Marktwert, Karen Heumann, Katjes, McDonalds, Heidis marktwert sinkt

Hat Heidi Klum ihre Dauerpräsenz überstrapaziert?© Peter Foley/DPA

Kritisiert wurde das Format "Germany's Next Topmodel" - trotz der grandiosen Quoten - von Beginn an. Während der letzten Staffel wurde jedoch auch die Kritik an Modelmama und Moderatorin Heidi Klum immer lauter. Alice Schwarzer warf ihr Kaltschnäuzigkeit vor, Wolfgang Joop bemängelte ihr "dümmliches Grinsen", und Autor Roger Willemsen nannte sie eine "plumpe Witzfigur". Zum Start der neuen Staffel von Klums Castingshow, die dem Sender ProSieben seit vier Jahren Topquoten beschert, wird nun nicht mehr nur am Ruf, sondern auch an der Marke Klum gekratzt. Anfang des Jahres verlor das Topmodel einen ihrer größten Werbeverträge in Deutschland. Nachdem im vergangenen Jahr die Parfümeriekette Douglas den Vertrag nicht verlängert hatte, beendete nun auch McDonald's nach jahrelanger Zusammenarbeit das Engagement. Offiziell heißt es von Seiten des Unternehmens, man wolle in Zukunft "noch stärker die Produkte in den Mittelpunkt der Kommunikation stellen".

Kussmünder im Akkord

Sinkt etwa der Marktwert von Heidi Klum? Haben jahrelange TV-Präsenz und zu viele Werbejobs die Marke Klum verbraucht? Fakt ist, dass Deutschland in den letzten Jahren einen Heidi-Overkill erlebt hat. Für ProSieben wurde jährlich eine Staffel "GNTM" produziert. Trotz vier Schwangerschaften grinste das 36-jährige Model bis zur Gesichtsstarre für Autos, Rasierer, Parfum, Schmuck, Burger, Fruchtgummi oder Klamotten. Im Dienste der jeweiligen Marke wurden im Akkord Kussmünder verteilt.

Und genau das könnte ein Fehler gewesen sein. So sieht es Medienexperte Jo Groebel, der im Fall Heidi Klum von einem "gewissen Abnutzungseffekt" spricht. "Wenn man zu breit für zu unterschiedliche Produkte wirbt, geht die Trendschärfe verloren", so Groebel. Heidi stehe für alles. Und nichts. "Es ist zu viel gleichzeitig beworben worden", so Groebel, der die Logik von Klums Management jedoch nachvollziehen kann: "Man nimmt alles mit, was sich bietet. Schließlich ist Heidi vom Alter her weit darüber hinaus, was in der Branche üblich ist". Dementsprechend sieht es die berühmte Ich-AG selbst locker. "Veränderungen sind immer gut, ein Konzern wie McDonald's muss auch einmal andere Wege gehen", ließ sich Heidi Klum von dem Unternehmen zitieren.

Heidi Klum war in den vergangenen Jahren in Werbung und TV allgegenwärtig. "Over exposed" nennt es Karen Heumann, Chefstrategin der Hamburger Werbeagentur Jung von Matt. Doch Deutschlands führende Markenexpertin sieht für die Marke Klum ein ganz anderes Problem: Heidi hat Sympathiepunkte eingebüßt. In ihrer Castingshow, in der junge Mädchen mit Modelträumen meist alberne "Challenges" über sich ergehen lassen müssen, gibt sie stets die harte Herrscherin. Zu den Kandidatinnen ist sie übertrieben streng. Ihre Mit-Juroren lässt sie über den Sender austauschen, wenn sie ihr nicht mehr passen.

"Sie wirkt so außerirdisch"

"Die Marke Klum ist so rigide geworden", bedauert Heumann. Ist das Image von Heidi Klum mittlerweile gar etwas angekratzt?

Davon will man im Hause Klum nichts wissen. "Dass Verträge auslaufen ist normal", sagt ihr Vater und Manager Günther Klum auf Anfrage.

Ein Problem bleibt aber, wie Heidi Klum zunehmend wahrgenommen wird: Die perfekte Mutter, die professionelle Geschäftsfrau, das Topmodel, das direkt nach der Geburt ihrer Tochter Lou durchtrainiert bei "Victoria's Secret" auf dem Laufsteg steht. "Die Perfektion von Heidi Klum ist bewundernswert", so Deutschlands berühmteste Werberin Heumann, "aber sie ist unheimlich geworden. Ihr fehlen Hänger, Fehler, Pausen. Man kann sich nicht mit ihr identifizieren, weil sie so außerirdisch wirkt."

Heidi bleibt zu perfekt und unnahbar. Vorbei die Zeiten, in denen man die hochschwangere Frau bemitleidete, die von Formel-1-Manager Flavio Briatore verlassen wurde. Oder in der die Friseure hierzulande eine Ponyfrisur nach der anderen schneiden mussten, weil alle so aussehen wollten wie Heidi, die sich in Werbespots so zuckersüß Fruchtgummi zwischen die Zehen steckte.

Innere Werte wichtiger als Traummaße

Glaubt man Heidi Klum, sollen in der fünften Staffel innere Werte wichtiger als Traummaße sein. Auf den Fotos zur neuen Sendung, die von Staffel zu Staffel immer mehr zu einer einzigen Werbesendung mutierte, wirbt Klum allerdings in Lackstiefeln mit extrem dünnen Ärmchen und - für eine vierfache Mutter - unnatürlich flach wirkendem Bauch für die Show. Statt einem Lächeln gibt es einen schmallippigen, strengen Blick. Das ist die neue Heidi. "Sie muss aufpassen, dass sie nicht zu wenig menschlich wirkt", rät die Markenexpertin Heumann und stellt fest: "Die Marke Klum hat an verspieltem Charme verloren." Natürlich ist der Marktwert nach wie vor sehr hoch. Laut US-Wirtschaftsmagazin "Forbes" gilt die Bergisch-Gladbacherin als zweitteuerstes Model weltweit. Über das Aus bei "McDonald's" wird sie hinweglächeln können. Aber auf lange Sicht muss Klum aufpassen, dass sie ihren Liebreiz nicht komplett verliert. Dem Zuschauer des Quotenhits "Germany's Next Topmodel" könnte die Natürlichkeit fehlen, die Heidi Klum so erfolgreich gemacht hat. Denn das nette Mädchen von nebenan, das beim Karneval Kammellen schmeißt, ist sie längst nicht mehr. Stattdessen ist sie die Casting-Domina mit festgeklebtem Drei-Wetter-Taft-Lächeln. So wird sie ab Donnerstag wieder eine perfekte Show bieten. Zu perfekt.

Die fünfte Staffel der Model-Castingshow "Germany's Next Topmodel" startet am 4. März um 20.15 Uhr auf ProSieben

Von Katharina Miklis
 
 
KOMMENTARE (10 von 15)
 
Clamaria (05.03.2010, 11:50 Uhr)
Kann der doch egal sein,
wenn sich nach und nach die Firmen oder das Fernsehen von ihr abwenden, so lange am Ende die Kasse stimmt. Und das wird sie wohl. Die hat auch kein Gespür dafür, ob die Leute sie noch sehen wollen. Hauptsache die Kasse stimmt. Das erinnert mich irgenwie an Verona P...

Ich muss nicht sehen, was ich nicht sehen will, Gott sei Dank.
Malt (05.03.2010, 10:51 Uhr)
"das 36-jährige Model"
Da habt ihr doch die Antwort auf die Frage, warum der Stern der Heidi Klum am sinken ist, schon selbst gegeben.
isaan (05.03.2010, 09:24 Uhr)
sie passt genau...
in dieses land......klum....oh gott!
iosono (05.03.2010, 09:14 Uhr)
@afsoen
das ausschalten nützt nichts-ich tue es ja jede woche.trotzdem erfahre ich alles -vom spiegel,focus,stern.....den radiosendern...den tageszeitungen......den tv-news
was nützt das ausschalten?
soll ich nach sibirien?
lula (05.03.2010, 02:02 Uhr)
Null Sophistikation- 100% peinlich
stimme 100% dem kommentar von Rapunzelchen (04.03.2010, 17:53 Uhr) zu.
Heidi Klum hat kein einziges mal in ihrer karriere eine internationale modenschau wie chanel, armani, mcqueen, donna karan etc. gebucht. sie ist ein victoria secret model und die meisten models die diese show laufen, haben diese shows gebucht, alle ausser heidi. sie hat ein riesen glueck gehabt. sie ist ein ganz krass kommerzielles model, alles ist geld, geld, geld, null chic, null eleganz, null style, null raffinesse.
das sie diese show hat, ist laecherlich. deutschland hat models wie nadja auermann,die aber leider niemals von den medien den respekt bekommen haben den sie verdient haetten. diese hat aber klasse und wuerde diesen dreck den die Heidi macht, niemals machen.
das haben wir nun davon, ein trampeltier wie heidi, brust raus, nase hoch, arme in die hueften stemmen und laute stimme.
ein ganz peinliches bild fuer deutschland im ausland, mal schaut wieder mal dumm-derb aus.
peinlich fuer mich als deutsche in den USA.
DickBush (04.03.2010, 22:16 Uhr)
Wenn ich die Heidi von heute sehe, muß ich leider an den alten Spruch denken, und zwar...
"Die Schönheit vergeht, der Hektar besteht"... So ist es leider.
afsoen (04.03.2010, 20:42 Uhr)
Innere Werte???
wozu um Himmels Willen soll das denn gut sein? Ich suche meinen Zahnarzt oder KfZ-Mechaniker auch nicht nach seinen inneren Werten aus, sondern nach seinem Koennen, warum sollte das bei Models anders sein?

Und wozu das Herumgehacke auf Heidi Klum? Wer die Sendung nicht mag, schalte aus. Zumindest ist sie eine verdammt clevere Geschaeftsfrau, die sich den Zeitgeist (oder was davon geblieben ist) zu Nutze macht.
laketahoe (04.03.2010, 19:30 Uhr)
Wirklich rührend, zu welchen Erkenntnissen die Fachfrau Heumann plötzlich kommt....
Wenn ich mich richtig erinnere, haben Leute wie Heumann und deren Kollegen Heidi Klum mittels Legendenbildung erst zu ihrer sagenhaften Werbekarriere in Deutschland verholfen.

Sie war kaum bei Beckmann rumgehüpft, um ganz Deutschlkand zu erklären, weshalb der mit Diamanten besetzte BH aus der Victorias Secret Show bei Jay Leno vorne aufgesprungen war.....schon konnte man fünfmal die Woche Werbeexperten der Gewichtsklasse von Frau Heumann dabei zuhören, wenn die darüber dozierten, weshalb Heidi Klum so unverzichtbar als Presenter sei.......

.... schon klar liebe Chefstrategen der Werbung....wäre ja echt schlimm gewesen, wenn sich Gisele Bundchen an der Katjes Tüte vergriffen hätte, die Leute hätten die Joghurtgums glatt ausgespuckt......

Heute kommen alle Experten wieder aus ihren Löchern hervorgekrochen und wollen uns erklären, weshalb Heidi Klum nun nicht mehr ganz so glänzend für Jedes und Alles geeignet ist..... als ob das Volk das nicht schon Jahre vor den Fachleuten kapiert hätte ......

Auch in Sachen Deutungshohheit zur Marke Klum empfinde ich die Expertise von Frau Heumann und Herrn Gröbel nicht eben stark. Heidi Klum war nie perfekt, ist nicht elegant, überlagert jede Marke.

Die Schwächen, die Heidi Klum als Markenbotschafterin heute zeigt, die hatte sie immer. Nur dass dieselben Werbeexperten früher ganz verrückt danach waren.

Ansonsten muss man zu Heidi Klum nichts mehr sagen, dass Joop, Willemsen und Lagerfeld nicht schon gesagt hätten.
Rapunzelchen (04.03.2010, 19:00 Uhr)
Fürchterlich...
Das Positive an der ganzen Show ist, dass am PRO 7 nicht einschalten muss. Ich habe 2007 einmal eine Folge gesehen , und dann nie mehr. Leider begegnet sie einem aber auch in Medien, die den Anspruch "seriös" für sich beanspruchen.

Mir reicht es schon, wenn die Lady auf den Plakatwänden mit Nichts und super-hohen Latex-Stiefeln posiert. Dazu paßt prima der Beitrag "Vergessen" von @arniston.
Zorro01 (04.03.2010, 18:58 Uhr)
Früher
fand ich sie nett, natürlich, hübsch.

Hübsch ist sie heute auch noch, aber mit ihrem festgetackerten Grinsen und ihrer Omnipräsenz auch in den allerletzten Käseblättern ist sie zur allgegenwärtigen Nervensäge mutiert.

Und sie redet zuviel, es wird offensichtlich, dass sie eigentlich erschreckend wenig auf der Pfanne hat.

Heidi und Bobbele: Deutschlands Helden zum Fremdschämen.
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