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Plötzlich ein Opfer

Sylvie van der Vaart galt in der Öffentlichkeit immer als die Starke, selbst als Krebspatientin. Nach den Vorfällen an Silvester nimmt sie nun die Opferrolle ein. Die "Bild" hilft ihr da jetzt raus.

Von Klaus Bellstedt

  Bloß nicht verstecken: Sylvie van der Vaart unterwegs in Hamburg.

Bloß nicht verstecken: Sylvie van der Vaart unterwegs in Hamburg.

  • Klaus Bellstedt

Sylvie van der Vaart ist eine sehr erfolgreiche Frau. Sie modelt, hat ein paar lukrative Werbeverträge in der Tasche und darf sich sogar TV-Moderatorin nennen. Erfolg ist, wenn du im Fernsehen bist. So einfach ist das heutzutage. Für einen Star wie Sylvie wird es nur dann schwierig, wenn die Bad News die Good News überlagern. Dann wird es heikel. Nach der Silvesternacht findet sich die Niederländerin plötzlich in der Opferrolle wieder, weil ihr Mann Rafael, in welcher Form auch immer, handgreiflich geworden sein soll: Karrierefrau Sylvie ist zumindest vorübergehend in der Öffentlichkeit die Schwache. Dabei galt sie immer als die Starke. Ob auf dem "Wetten dass..?"-Sofa, als Jurymitglied beim "Supertalent" oder als "Let's Dance"-Moderatorin. Natürlich auch in der Ehe mit dem scheuen und bescheidenen, fünf Jahre jüngeren Fußballer Rafael. Und ja, selbst als Krebspatientin, als sie offen und selbstbewusst mit der Krankheit umging.

Verona Pooth wurde mal während ihrer Kurzzeitehe mit Dieter Bohlen vom Pop-Titan verhauen. Die Pooth nutzte das blaue Auge als Sprungbrett für ihre Karriere. Unvergessen bleibt ihr Heulauftritt in der Kerner-Show 2002, als sie en détail über den Vorfall von Tötensen berichtete ("Dieter hat mit seiner Linken ausgeholt und zugeschlagen. Das Blut spritzte wie eine Fontäne"). Die an sich ziemlich talentfreie Verona Pooth erlebte danach einen Popularitätsschub. Bis zum Testimonial des Textil-Discounters "KIK" brachte sie es. Aber Sylvie van der Vaart ist nicht "KIK". Sie ist Premium.

Auf die "Bild" ist Verlass

Schaut man sich die ersten Fotos der Niederländerin nach Silvester an, wie sie mit ihrer Busenfreundin Sabia Boulahrouz in Hamburg aus einem schwarzen Porsche Panamera steigt, sieht man nicht Premium. Erkennbar ist eine verunsicherte und traurige Frau, die ihre grünen Augen hinter einer riesigen Sonnenbrille versteckt. Natürlich lassen sich die Bilder auch anders interpretieren: Seht alle her, ich verstecke mich nicht. So hätte sie es im Zweifel am Liebsten. Und dennoch: Diese Fotos, die Paparazzi zwischen Fitnessstudio, Edelitaliener und Kosmetikerin geschossen haben, dürften der perfekten Sylvie van der Vaart mehr weh getan haben, als der Schlag ihres Noch-Gatten. Das Sein hat den Schein eingeholt. Ist es nicht so? Aber das darf nicht sein. Nicht für eine Frau wie Sylvie van der Vaart. Das Motto heißt jetzt: Schadensbegrenzung.

Und natürlich kann Sylvie sich dabei auf ihre Freunde von der "Bild" verlassen. Wie sonst ist die wundersame Wandlung in der Berichterstattung über das, was in der Nacht auf den 1. Januar 2013 wirklich passiert ist, zu erklären? Mittwoch stand in der "Bild": "Bei der privaten Silvesterparty (...) entbrannte ein heftiger Streit. Dabei landete Sylvie nach einem Schlag ihres Mannes mit einem lauten Rums auf dem Boden. Die zehn geladenen Gäste waren geschockt." Donnerstag liest sich das schon anders. Das Boulevardblatt schreibt von einem "genervten Rafael", der sich wegen ein paar Streitereien bereits früh ins Schlafzimmer zurückgezogen hatte. Und jetzt Achtung: "Dann kam Sylvie ins Schlafzimmer (...). Als sie ihn wecken wollte, passierte es: Rafael schreckte hoch, schubste dabei Sylvie, die mit einem lauten Rums zu Boden stürzte." Der Rums hat es noch in beide Versionen geschafft. Der Schlag schon nicht mehr.

"Ich liebe ihn immer noch"

Nun muss man wissen, dass die van der Vaarts seit jeher mit der "Bild" eng verbandelt sind. Ein Hamburger Sportredakteur der Zeitung hat sich im Laufe der Jahre zum Haus- und Hofberichterstatter des einzigen Glamourpaares der Hansestadt "hochgearbeitet". Der Mann hat einen hübschen Zugang zu den van der Vaarts. Seine Homestorys über den Fußballer und seine schöne Frau, ob nun aus Eppendorf, Madrid oder London, fanden stets ihren Weg ins Blatt. Wenn auch manchmal nur in den Hamburger Lokalteil. Auch jetzt ist die "Bild", natürlich, wieder ganz vorn dabei. Aber sie steckt auch in einem Dilemma. Einerseits ist es ihre Pflicht, über den genauen Tathergang, falls es den überhaupt geben sollte, zu recherchieren und zu berichten. Andererseits ist die "Bild" weiterhin auf den Erstzugriff auf die van der Vaarts angewiesen - sowohl was Sylvie und ihre Glamourwelt, als auch das Sportliche um Rafael und den HSV betrifft.

Und jetzt? Alles plötzlich doch nicht so schlimm. Schubser statt Faustschlag. Zeugen? Sind nicht mehr da. Wer folgt der Ehefrau schon ins Schlafgemach? Auch die Zitate der beiden passen irgendwie dazu: "Das war eine große Dummheit", sagte Rafael. "Ich habe ihm schon verziehen", diktierte Sylvie der "Bild" in den Block. Das war am Mittwoch zu lesen. In der aktuellen Ausgabe heißt es dann bereits von der 34-Jährigen: "Ich liebe ihn immer noch, aber die Trennung ist endgültig." Klingt lieb und kitschig. Und auch ein bisschen nach Größe. Das also, was Sylvie immer sein wollte. Die Rehabilitation des Gesamtkunstwerks läuft bereits auf vollen Touren.

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