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15. November 2011, 07:22 Uhr

Jay-Z - sensibel wie eine Straßenratte

Hölzern, unsensibel, dumm: Beyoncés Ehemann Jay-Z hat versucht, als falscher Sympathisant Profit aus der "Occupy Wall Street"-Bewegung zu schlagen. Das Urteil der Börsen-Kritiker: "Er ist ein totaler Idiot." Von Frank Siering, Los Angeles

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Als Rapper ist er unumstritten, doch den Anhängern der "Occupy Wall Street"-Bewegung ist Jay-Z ein Dorn im Auge© Jamie McCarthy/Getty Images

Rapper Jay-Z findet die Occupy-Welle, die dieser Tage durch die Welt schwappt, "unglaublich gut". Nicht zuletzt deshalb, "weil sie die Menschen daran erinnert, dass wir überall in unserer Gesellschaft ganz dringend Veränderung brauchen", so der sozial engagierte Ehemann von Sängerin Beyoncé.

Was der 41-jährige gebürtige New Yorker "den Menschen" nicht unbedingt verraten wollte, war die Tatsache, dass er in dem Occupy-Aufstand eine wunderbare Gelegenheit sah, noch mehr Geld zu scheffeln. Peinlich, denn den ursprünglichen Sinn dieser Bürgerbewegung, die Gier und Rücksichtslosigkeit der Wall Street und der Nutznießer der "Börsenspiele" an den Pranger zu stellen, konterkarierte er durch sein Geschäftsgebahren vollkommen.

Die Geschichte von "Occupy All Streets"

Aber der Reihe nach: Jay-Zs Designer-Label kam unlängst mit einer neuen T-Shirt-Serie auf den Markt. "Occupy All Streets" stand da in großen Lettern geschrieben. Jay-Z selbst machte Werbung für die Baumwollware.

Darauf angesprochen, ob er einen Teil des Gewinns aus dem Verkauf der T-Shirts den Occupy-Teilnehmern zukommen lassen wollte, zuckte der Multimillionär verdutzt mit den Schultern. "Warum denn das?", hieß es aus dem Designer-Haus von Jay-Z .

Für seinen "Geiz" und seine "offensichtliche Ignoranz" (NY Daily News) wurde der Rapper daraufhin von diversen Seiten sofort harsch angefahren. Die Kritik zeigte schnell Wirkung. Am Montag vermeldete die New Yorker Presse, dass Jay-Zs Label die T-Shirts, die 22 Dollar im Verkauf kosten sollten, nicht länger herstellen werde.

Auch Kanye West macht sich unbeliebt

Doch der Sturmlauf gegen Jay-Z blieb. "Der Typ hat die Sensibilität einer Straßenratte", erbosten sich Occupy-Mitglieder an der Wall Street. "Er ist ein totaler Idiot", riefen andere. Der Versuch, von der ersten wichtigen Bürgerrechtsbewegung seit dem Civil Rights Movement mit einem überteuerten Stück Baumwolle zu profitieren, "ist ein Affront im Kampf für ökonomische Zivilcourage", so ein Sprecher der Bewegung.

Jay-Z, den das "GQ Magazine" ironischerweise gerade auf das Titelblatt seiner "Men of the Year"-Ausgabe gehoben hat, tourt dieser Tage mit seinem Freund und Kollegen Kanye West.

Auch der geriet unlängst in die Schusslinie der Occupy-Demonstranten, als er mit Fotografen und einem Fernsehteam im Zuccotti Park nahe der Wall Street in New York auftauchte und sich schlichtweg weigerte, mit nur einem anwesenden Teilnehmer zu sprechen.

Nicht alle wollen lediglich Profit machen

Ein Demonstrant: "Diese Promis kommen hierher, lassen sich schnell fotografieren, weil es gut bei den Fans ankommt und dann verschwinden sie wieder in ihren abgedunkelten Limousinen. Was hat das mit echtem sozialen Engagement zu tun?"

Andere Hollywood-Stars zeigen etwas mehr Sensibilität. Alec Baldwin, ihm wird nachgesagt, dass er politische Ambitionen habe und auf das Amt des Bürgermeisters von New York City schiele, verbrachte gleich mehrere Stunden mit den Demonstranten an der Wall Street, saß im Zelt, trank Tee und disktutierte eifrig.

Und selbst Papst-Kritikerin Susan Sarandon besuchte die Zeltenden in der Finanzmeile schon mehrfach. "Einige Stars sind echt cool. Sie verstehen, warum wir hier sind", so Jeff Obermaier, ein Occupy-Demonstrant.

Leere Worthülsen und Heucheleien

Jay-Z hingegen scheint in seiner eigenen kleinen Welt zu leben, fernab jeglicher Selbstkritik. In der neuen Ausgabe von "GQ" fährt er trotz seines unsensiblen Geschäftsgebahrens mit seiner heuchlerischen Kritik an der High Society fort - ganz so, als gehöre er nicht dazu, als sei er tatsächlich ein Mann aus dem Volk.

"Diese reichen Typen, die von einer Party zur nächsten schleichen, die schreien förmlich nach Aufmerksamkeit. Sie möchten geliebt werden, vielleicht, weil sie diese Liebe zu Hause nicht bekommen haben", predigt er in dem Magazin. Und fährt fort: "Dabei haben sie doch alles. Alle materiellen Dinge dieser Welt. Um Geld kann es also nicht gehen."

Leere Worthülsen, die sich gut anhören für die Teenager, die seine Tonträger kaufen und es dem Rapper somit ermöglichen, im Privatjet durch die Gegend zu fliegen und neue Geschäftsideen unters Volk zu bringen. Manchmal merken es allerdings auch die Fans, wenn sie von den Stars an der Nase herumgeführt werden. Ganz sicher, wenn es so offensichtlich ist.

Von Frank Siering, Los Angeles
 
 
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