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8. Mai 2006, 17:42 Uhr

Die wahre Telenovela

Es war einmal ein Aschenputtel, das träumte davon, eines Tages Prinzessin zu werden. Und tatsächlich: Ein Prinz kam und hielt um ihre Hand an. Doch bis zur Hochzeit ist es noch ein dornenreicher Weg. Und wir sind live dabei. Von Karin Spitra

Prinz Ferfried von Hohenzollern und Tatjana Gsell auf dem Weg ins Glück - oder das, was sie dafür halten© Jens Kalaene/DPA

Emanzipation hin oder her: Seit Jahrhunderten werden kleine Mädchen vom offenbar unausrottbaren Wunsch getrieben, eines Tages Prinzessin zu sein. Aber bitte schön mit allem, was dazu gehört: Mit einem jungen, schönen Prinzen, einem repräsentativen Schloss, jubelnden Untertanen und einem sorgenfreien Leben in Saus und Braus. Wahrscheinlich hatte auch die kleine Tanja Gick aus Unterfranken ähnliche Träume. Was Tanja von vielen anderen kleinen Mädchen unterschied: Sie setzte ihre Träume Stück für Stück in die Realität um.

So rückte sie zumindest 1996 dem Leben in Saus und Braus näher, als sie den zwar wesentlich älteren, aber auch wesentlich reicheren Schönheits-Chirurgen Dr. Franz Gsell aus Nürnberg ehelichte. Aus Tanja wurde Tatjana - und die beste Kundin ihres Mannes. Dann kam jener Januar 2002, in der ihr Mann zu Tode kam, und der sie zur Erbin und "Busenwitwe" machte. Seitdem stürzen sich die Gazetten auf die stets gern Posierende - das mit den jubelnden Untertanen ist also auch abgehakt. Bleibt die Sache mit dem Prinzen. Und jetzt, endlich, scheint auch das unter Dach und Fach.

Der bisher nicht sonderlich in Erscheinung getretene Ferfried Prinz von Hohenzollern will der Ex-Kosmetikerin zum royalen Namenswechsel verhelfen: Aus Tanja Gick, verwitwete Gsell, wird Tatjana Prinzessin von Hohenzollern. Wenn alles gut geht. Denn "Foffi", wie er von ihr - hoffentlich zärtlich - genannt wird, ist noch verheiratet. Mit Prinzessin Maja, die einfach nicht die Stelle für "Sweetie", wie sie von ihm genannt wird, frei machen will.

Wochenlanger Aristo-Drill

Doch das ist das kleinste Problem von Sweetie. Denn an der Seite des Prinzen muss sie mehr können als sich drei Mal täglich umziehen und Küsschen geben: Sie muss repräsentieren (Wo eigentlich, fragt man sich kurz?), sich ordentlich benehmen (Also nicht mehr "geil" sagen) und generell eine Wertedebatte auf zwei Beinen sein. Dass sie das alles noch nicht ist, kann man seit gefühlten zehn Jahren in den Illustrierten und Klatsch-TV-Sendungen der Republik beobachten. Wie sich das in einem mehrwöchigen Crash-Kurs ändert, nur auf RTL 2 (vier Mal montags um 20.15 Uhr).

Dieser hauptsächlich für seine Reality-Soaps berühmte Sender begleitet die Prinzessin-Werdung aufopferungsvoll mit der Kamera. Und lässt Sweetie dabei von diversen Experten coachen: Wichtigste Reiseleiterin Richtung Aristokratie ist Nadine Meyden. Ihre Aufgabe: aus Tatjana eine Dame zu machen. In der Wahl der Mittel ist der Sender nicht zimperlich: Erstmal wird Sweetie heimlich bei einem Business-Lunch beobachtet.

Das Kleid fällt durch

Und - Überraschung - die Benimm-Mamsell hat viel zu meckern: Ellenbogen auf dem Tisch? Geht gar nicht! Hände unter dem Tisch? Dito! Den Teller des Gedecks verschoben? Pfui! Das Weinglas mit beiden Händen gegriffen? Doppel-Pfui! Während des Essens mit dem Handy telefoniert? Unfassbar! Es sei einmal dahingestellt, ob das Zielpublikum von RTL II überhaupt so einen Fauxpas als solchen erkennen würde. Die arme Möchtegern-Prinzessin wird später vor ihrem Zukünftigen gnadenlos auf jeden dieser Fehler hingewiesen.

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KOMMENTARE (2 von 2)
 
datenbaer (09.05.2006, 12:36 Uhr)
Inszenierung der Inszenierung mit innewohnender Fortsetzungsgarantie
Da haben sich zwei gefunden - der Adel kann mal wieder beweisen, daß er Bewahrer aller Manieren ist und daß man mit dem richtigen Benehm selbst billige Aschenbrödel zu etwas machen kann.
Aber zum Glück haben die beiden ja noch eine weile Ungewißheit vor sich, sodaß man demnächst dann die inszenierte Schlamm-Trennungsschlacht der Boulevardpresse entnehmen kann. das sichert Publicity und Nebeneinkommen, die man als durch Prunk- und Protzsucht warscheinlich monetär ärmlich gewordener Adliger dringend benötigen kann - geistig ist das ja wohl schon ein ganze Weile so. So ist beiden geholfen.
iaah (09.05.2006, 08:11 Uhr)
Bigamy is...
...having one wife too many. Monogamy is the same.
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