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Fröhliches Gefrotzel und einstudierte Gags

Wenn die beiden TV-Rivalen Gottschalk und Lanz im ZDF plaudern, bleiben Seitenhiebe nicht aus. Das Publikum ist amüsiert - und ziemlich parteiisch.

Von Thomas Schmoll

  In trauter Zweisamkeit: Die TV-Konkurrenten Markus Lanz (l.) und Thomas Gottschalk

In trauter Zweisamkeit: Die TV-Konkurrenten Markus Lanz (l.) und Thomas Gottschalk

An Markus Lanz ist ein professioneller Diener Gottes verloren gegangen. Der Südtiroler wäre ein guter Beichtvater im Dienste der Amtskirche geworden. Er hat die Gabe, in Leute "hineinzukriechen", um Sünden und andere Dinge aus ihnen herauszuholen, die sonst vor Gott und der Welt verborgen bleiben würden. In seiner ZDF-Talksendung am Donnerstagabend verzichtete Lanz - auch im eigenen Interesse - auf zu viel Kriecherei. Sein Gast gilt ohnehin als Plaudertasche vor dem Herrn und machte diesem Ruf auch tatsächlich alle Ehre, redete in dem Maße offen und ehrlich über Beruf und Privatleben, wie es das Showgeschäft zulässt. Es war Thomas Gottschalk, der Lanz die Ehre gab. Genau der Gottschalk, mit dem sich Lanz via Medien gestritten hatte, ehe er erstmals "Wetten, dass.."? moderierte. Gottschalk hatte das Unterhaltungsformat als Knochen bezeichnet, der "schon ziemlich abgenagt ist". Lanz soll seinem Vorgänger unterstellt haben, in die Jury von "Das Supertalent" gegangen zu sein, um Zuschauer von "Wetten, dass..?" zu RTL zu locken.

Lobhudeleien und Seitenhiebe

Wer bei dem Rede-und-Antwort-Spiel zu erfahren hoffte, was die zwei TV-Profis denn nun wirklich voneinander halten und ob der Zoff wahr oder ein Medienprodukt war, wurde enttäuscht. Gastgeber und Gast sparten das Thema in der 75-minütigen Sendung aus und redeten - durchaus amüsant - um den heißen Brei herum. Dabei hieß Lanz die Zuschauer "zu einer ganz besonderen Sendung" willkommen, was darauf schließen ließ, dass er die Erwartungshaltung sehr wohl kannte. Zwischendurch appellierte er an den älteren Kollegen: "Lass uns jetzt mal ganz ehrlich miteinander reden, Thomas". Gegenseitige Wertschätzung und Lobhudelei lagen dicht beieinander, was ein Urteil schwer machte, wie die beiden zueinander stehen. Zwar gab es den einen oder anderen Seitenhieb. Allerdings war es kaum möglich, den Grad der Ernsthaftigkeit einzuschätzen, beispielsweise wenn Gottschalk zu seinen TV-Aktivitäten sagte: "Das muss nicht der große Samstagabend sein, sondern das kann auch so eine kleine Veranstaltung sein wie hier zum Beispiel."

Lanz, der Versicherungsmakler

Wem es nicht um das Verhältnis der zwei Protagonisten ging und "nur" gut unterhalten werden wollte, war an diesem Abend beim ZDF bestens aufgehoben. Lanz und Gottschalk ließen selten Langeweile aufkommen und zeigten, wo ihre Stärken liegen. Im Laufe der Sendung - mit 75 Minuten definitiv zu lang - erhielt man eine Vorstellung davon, warum Gottschalk als Moderator von "Wetten, dass..?" so gut ankam und warum Lanz Schwierigkeiten hat, in diese großen Fußstapfen zu treten - trotz all seiner Qualitäten. Gottschalk zeigte sich durch und durch als Dampfplauderer, dem es gelingt, das Publikum für sich zu vereinnahmen. Lanz kam wieder einmal wie ein Versicherungsmakler daher, nett und freundlich, aber auch glatt und kantenlos. Gottschalk präsentierte sich wie so oft in den vergangenen 30 Jahren als "einer von euch". Pausenlos schwatzte er darüber, wie wichtig ihm der Kontakt zum Normalbürger sei. Und Markus Lanz? Hielt sich an seinen Karten und vorbereiteten Zitaten fest, als wäre jedes Maß an Improvisation ein Gräuel, das dringend umgangen werden müsse. Das mag ihn zu einem guten Talkmaster machen. Aber für eine Samstagabend-Show taugt das nicht.

Applaus am Morgen in der Küche

Am Donnerstagabend schien es so, als habe Lanz ein bestimmtes Konzept, ein Drehbuch, eine festgelegte Abfolge von Fragen im Kopf, von denen er auf keinen Fall abweichen will. Als Gottschalk bei seinem Auftritt mit - was sonst? - starkem Applaus empfangen wurde, stellte der Gastgeber die Frage, ob er süchtig nach Beifall sei und deshalb nicht aufhören könne, TV-Sendungen zu moderieren und zu besuchen. Gottschalk verlor sich in Sätzen wie: "Ich brauche es, wenn ich es beruflich mache." Jedenfalls nicht "früh in der Küche". Lanz ließ nicht locker. Halb als Frage, halb als Feststellung sagte er: "Du brauchst dieses Rampenlicht, diesen Applaus." Wenn seine Zeit im Fernsehgeschäft vorbei ist, "werde ich nicht daran zugrunde gehen", räumte der ältere Kollege ein. Um dann in die Offensive zu gehen und Lanz durch einen verbalen Schlag in den Unterleib einen mitzugeben: "Wenn du nicht kommunikativ bist, wenn du nicht in der Lage bist, auf Menschen zuzugehen, dann bist du in diesem Beruf verloren." Klingt simpel, aber ist genau einer der Punkte, warum Lanz als Moderator von "Wetten, dass..?" umstritten ist. Schließlich ist eine der Hauptkritiken an ihm, er könne mit den Kandidaten nicht umgehen und komme mit den Promi-Gästen nicht wirklich in Kontakt.

Auch das sprach am Donnerstagabend Bände: Lanz brachte das Publikum mit gut platzierten Einschüben zum Lachen, vorausgesetzt, es gelang ihm, Gottschalk bei seiner Selbstbeweihräucherung zu unterbrechen. Doch die Zuschauer in dem kleinen ZDF-Studio standen eisern zu Gottschalk. Er gab banale Weisheiten von sich, die anmuteten, als stammten sie von Oliver Kahn: "Wenn man Komplexe entwickelt, muss man erst lange über sich nachdenken. Und das habe ich immer vermieden", sagte Gottschalk. Es folgten weitere Sätze in Kahn-Qualität: "Du musst dich umstellen." "Da richtest du wirklich Schaden an." "Da tust du dir keinen Gefallen." "Da verkaufst du für einen Gag deine Großmutter." "Es ist ja so, dass du irgendwo nicht mehr merkst, was mit dir passiert."

Lanz gegen Gottschalk - so ein Quatsch

Lanz dagegen verfuhr nach seinem Drehbuch im Kopf. Man spürte regelrecht, wie es ihn drängte, endlich einen Witz loszuwerden: "Du hast mal gesagt, es kränkt dich schon, dass du neuerdings aus der Dusche kommst und sie nicht mehr in Ohnmacht fällt." Gemeint ist Gottschalks Frau Thea. Da musste auch der Gast lachen, um dann einen mäßigen Konterscherz zu machen: "Wir haben ein Lanz-Foto im Badezimmer hängen." Der Angesprochene lachte pflichtgemäß. Dabei zeigte Lanz, dass er auch spontan und witzig sein kann. Als Gottschalks Frisur merkwürdig verrutschte, sagte er: "Kannst du diese Haare wieder zurück... Das irritiert mich furchtbar." Und in der Tat sah Gottschalk furchtbar aus. Als Lanz sagte "Du warst eine Legende", keilte Gottschalk zurück: "Ich bin eine." Ist das Streit zweier Kontrahenten? Eher nicht. Zwar wurde das Thema Rivalität ausgeklammert. Dafür verkündete Gottschalk, Samstagabend nie wieder gegen Lanz anzutreten. "Im öffentlich-rechtlichen Bereich halte ich es für völlig unsinnig, wenn es eine Programmplanung gäbe, wo der Lanz im ZDF unterwegs ist und ich bei der ARD, also das halte ich für Quatsch."

Es war ein Schlagabtausch, der den unterschiedlichen Ansatz der beiden Moderatoren zwei unterschiedlicher Generationen auf den Punkt bringt. Lanz zitierte "den schönen Satz deiner Mutter", der da laute: "Der (Thomas) kann lügen, ohne zu stottern." Gottschalk freimütig: "In der Tat. Das musst du aber in meinem Job auch können, also in deinem Job auch." Lanz: "Ja, unbedingt." Dann sagt der Ältere: "Du neigst relativ zur Wahrheit." Der Südtiroler plustert kurz die Backen auf und sagt nach kurzer Denkpause: "Was is'n das fürn Satz?" Gottschalk erläuterte, was er meinte: "Du hast einen gewissen Grundernst, der mir fehlt. Also du willst dann wirklich was von den Leuten wissen. Wenn du dich so vorneigst." Gottschalk ahmte an der Stelle die typische Lanz-Geste nach, sich seinem Gesprächspartner mit dem Oberkörper zu nähern. Dann räumte er ein: "Ich stelle meine Frage und sage dann: Sag was oder auch nichts."

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