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16. Mai 2003, 09:58 Uhr

Badetag

Asthma, schlechte Augen, kleine Füße: Deutschlands bester Schwimmer Thomas Rupprath hat das ein oder andere Handicap. Aber auch zwei Frauen, die ihn nicht untergehen lassen.

Thomas Rupprath mit Frau Urte und Tochter Lieschen in der heimatlichen Wanne© Nele Martensen

Der? Der soll Deutschlands bester Schwimmer sein, die Hoffnung für Olympia-Gold 2004, der "Delfinator"? Der ist doch zu klein, zu leicht, zu alt. Der hat Asthma, eine mickrige Armspannweite, schlechte Augen - und eine Frostbeule ist er dazu. Wie soll das bloß funktionieren? Es funktioniert. Mit: trotzdem. Mit Technik und knallhartem Training. Und mit Urte, seiner Frau. Aber der Reihe nach: Delfinator Thomas Rupprath misst nur 183 Zentimeter. "Albatros" Michael Groß, der vor 19 Jahren vier Olympia-Medaillen erschwamm, ist 18 Zentimeter länger, seine Armspannweite beträgt sogar 28 Zentimeter mehr. Als die beiden sich mal trafen, platzte Groß entsetzt raus: "So ein Kleiner hat meine Rekorde gebrochen!?" Sogar neue aufgestellt. Trotzdem.

Rupprath wiegt bloß 73 Kilo. Um Waschbrettbauch und Wespentaille schmiegt sich ein Speedo-Anzug in Kindergröße 152: "Das tragen normalerweise Zwölfjährige," sagt er. Rupprath hat Schuhgröße 44, der australische Schwimmstar Ian Thorpe 51. Ein Unterschied, der im Becken entscheidend sein kann. Dank doppelter Hornhautverkrümmung sieht Rupprath auch noch ziemlich verschwommen. Aber, wieder mal, trotzdem: Er hat Ende 2002 die Kurzbahn-Serie des Weltschwimmverbands gewonnen, ein Hammerprogramm auf drei Kontinenten in vier Wochen - Preisgeld 50.000 Dollar. "Macht so 45 000 Euro, Hälfte Eichel, Rest Konto", bilanziert Ruppi lakonisch.

So isser eben, an Land. Ziemlich trocken. Das Seepferdchenabzeichen schaffte er mit Bravour, das Fachabitur mit Note 2,7, "Ich war kein Superlerner". Er machte Zivildienst, "Füttern und Wickeln bei einem Rolli-Jungen, der war lieb". Lernte erst Versicherungskaufmann, brach dann aber ab, wurde Profi. Und: Stoiber-Wähler, Schäferhund-Besitzer, Reihenmittelhaus-Eigentümer: "Wat soll ich mit 'ner 30-Zimmer-Villa, wer soll dat sauber machen?"

Wenn Thomas Rupprath nicht in seiner Heimat Neuss trainiert, wohnt er hier mit Urte Lindner, seiner Frau, kurz "Urtchen". Ihr Häuschen steht in einem Neubaugebiet bei Rostock. Davor drei Mülltonnen und fünf Thujabäumchen, dahinter ein Teich. Drinnen Wände in Gelb und Orange, vanillefarbene Ledergarnitur, in der Küche Sparcoupons von McDonald's, unter der Holztreppe ein Schulranzen: von Urtes Tochter Elisabeth, kurz: Lieschen, 10, mit der Ruppi ins Blümchen-Konzert geht.

Seine Familie gibt ihm Kraft: "Ich war einen Monat mit Urtchen zusammen - und wurde dreifacher Europameister, cool. Seither wurde ich immer besser!" Urte Lindner ist eine taffe blonde 31-Jährige, der ein Möbelhaus gehört mit elf Angestellten; dazu ist sie Turniertänzerin, Schöffin und Mami. Und Fest-Organisatorin: "Anfang August heiraten Urtchen und ich noch kirchlich in Warnemünde.".

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