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30. Juni 2009, 11:12 Uhr
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Ein "Thriller" - über den Tod hinaus

Nach der ersten Autopsie in der Gerichtsmedizin von Los Angeles ließ die Familie den Leichnam des Superstars erneut obduzieren - von einem privaten forensischen Pathologen. Der Berliner Rechtsmediziner Michael Tsokos erklärt die Hintergründe - und vermutet eine Vergiftung als Todesursache.

Michael Jackson, Jackson, Todesursache

Prof. Dr. Michael Tsokos, 42© Siegfried Purschke

Thriller" war sein 1982 erschienenes Album betitelt, mit dem Michael Jackson muskalisch und vor allem kommerziell in eine neue Dimension vordrang. Nun wird die Klärung von Michael Jacksons Todesursache offensichtlich zu einem weiteren Thriller. Nach Abschluss der ersten Obduktion in der Gerichtsmedizin von Los Angeles, bei der die Todesursache Jacksons nicht geklärt werden konnte, ließ seine Familie nur wenige Stunden später eine zweite Obduktion von einem weiteren forensischen Pathologen durchführen. So rätselhaft wie für viele sein Leben war, so rätselhaft ist nun auch sein Tod.

Die gerichtsmedizinische Obduktion erbrachte keine Hinweise auf eine todesursächliche äußere Gewalteinwirkung, womit beispielsweise ein Angriff gegen den Hals, eine stumpfe äußere Gewalteinwirkung etwa durch Schläge oder Tritte oder andere gewaltsame Todesursachen wie Stich- und Schussverletzungen ausgeschlossen werden konnten. Solche Zeichen eines gewaltsamen Todes erschließen sich den untersuchenden Rechtsmedizinern bei der äußeren Leichenschau und der anschließenden Obduktion und sind für den erfahrenen Untersucher nicht zu übersehen.

Fremdverschulden kann nicht ausgeschlossen werden

Was allerdings nicht bedeutet, dass ein Fremdverschulden ("Gewalt durch fremde Hand") per se damit ausgeschlossen werden kann. Denn eine tödliche Giftbeibringung - die derzeit im Fall Jackson in Betracht gezogen werden muss, weil er kurz vor seinem Tod ein opiathaltiges Medikament injiziert bekommen haben soll - kann bei der eigentlichen Obduktion nicht festgestellt werden. Eine todesursächliche Intoxikation aber, eine Vergiftung also, lässt sich aufgrund der medizinischen Vorgeschichte, wie sie jetzt im Fall Jackson bekannt geworden ist, durchaus vermuten. Zumal eine morphologisch fassbare Todesursache fehlt und die Befunde an den inneren Organen in einem solchen Fall eher unspezifisch sind: Hirnschwellung (Hirnödem), Überwässerung der Lungen (Lungenödem) und akute Blutstauung der inneren Organe.

Ergeben sich die oben genannten Verdachtsmomente, werden im Anschluss an die Obduktion chemisch-toxikologische Untersuchungen verschiedener Organ- und Gewebeproben inklusive Blut, Urin und Haare eingeleitet - deren Ergebnisse im Fall Jackson in vier bis sechs Wochen erwartet werden.

Dass es offiziell weiter heißt, dass die Todesursache Jacksons durch die gerichtsmedizinische Obduktion nicht geklärt werden konnte, ist ein sicheres Indiz dafür, dass der Superstar der Popmusik offenbar nicht an gravierenden vorbestehenden inneren Erkrankungen litt, wie zum Beispiel an einer Herzerkrankung oder einem Krebsleiden, schweren Krankheiten also, die den Tod Jacksons zum gegebenen Zeitpunkt hinlänglich hätten erklären können.

Allerdings kann sich eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis) dem makroskopischen Nachweis, der Betrachtung mit dem bloßen Auge, im Rahmen der Obduktion entziehen, sodass auch Organ- und Gewebeproben Jacksons sicherlich von den Gerichtsmedizinern noch unter dem Mikroskop untersucht werden.

Eine Haaranalyse bringt Klarheit

Laboruntersuchungen nehmen Zeit in Anspruch, Ergebnisse müssen überprüft und verifiziert werden. Michael Jackson soll seit vielen Jahren medikamentenabhängig gewesen sein. Eine Haaranalyse - wenn er denn noch eigene Haare hatte - könnte das Ausmaß von Jacksons Tablettenabhängigkeit in qualitativer und quantitativer Hinsicht definitiv klären. Haare sind wie ein Archiv. In ihnen lagern sich die Abbauprodukte von Drogen und Medikamenten ab, sodass sich deren Konsum - in Abhängigkeit der Haarlänge - objektivieren lässt.

Bewahrheitet sich die Vermutung, dass eine Misch-Intoxikation mit mehreren unterschiedlichen Medikamenten die Ursache für Michael Jacksons plötzlichen Tod ist, würde er sich in die traurige Riege der Berühmtheiten einreihen, deren Ableben ebenfalls durch eine Überdosis verschiedener Schmerz- und Beruhigungsmittel zurückzuführen ist: Marilyn Monroe, Elvis Presley, Anna Nicole Smith und zuletzt 2008 Heath Ledger. In der richtigen Dosierung und als einzelne Substanz genommen, führen diese Medikamente die jeweils gewünschte Wirkung wie Beruhigung, Lösung von Angst- oder Spannungszuständen, Schläfrigkeit oder Schmerzlinderung herbei.

In ihrer Kombination machen sie jedoch einen tödlichen Gift-Cocktail aus.

Prof. Dr. Michael Tsokos, 42, leitet das Institut für Rechtsmedizin der Charité und das Landesinstitut für gerichtliche und soziale Medizin in Berlin.

KOMMENTARE (10 von 13)
 
PingPong36 (30.06.2009, 15:46 Uhr)
Eine PopIkone
Es ist schon schade, dass niemand abwarten kann bis es klare Fakten gibt. Irgendwie scheint sein gesammtes Leben ein Thriller gewesen zu sein. Viell. hat er ja jetzt Ruhe. Nach dem herausragenden Erfolg mit seinem Album Thriller, begannen wohl auch die ganzen Diskussion. Dabei wird manchmal vergessen, dass er ein herausragender Künstler war und mit Thriller einen Rekord aufgestellt hat und eine Platinschallplatte dafür erhielt. Durch Zufall bin ich auf diese Platte bei Tamundo gestoßen und denke einige wahre Fans würden sich bestimmt über so ein Stück Geschichte freuen. Schade des es nun keine neuen Alben mehr von MJ geben würd.
FloraMacDonald (30.06.2009, 14:47 Uhr)
Missbrauchs-Experten wohin man blickt unter den STERN-Kommentatoren!
Oh je, wie alle Bescheid wissen...!
1) Eine "Ferndiagnose", wie wir alle sie nur stellen könne, ist immer mit äusserster Vorsicht auszusprechen! (dies zu Stichworten wie "ich bin ganz sicher, dass...")
2) Stichwort fehlende "eindeutige Beweise" (für sexuellen Missbrauch): es liegt bei dieser Art des Missbrauchs (sprich: Täter aus dem Bekanntenkreis, kein Wildfremder, der mit körperlicher Gewalt vorgeht) leider in der Natur der Sache, dass "eindeutige" Beweise sehr selten vorliegen!
3) Stichwort "da wurde versucht Geld zu holen mit unzutreffenden VOrwüfen": ich empfehle allen, die diese Ansicht vertreten, sich seine eigenen (!) Kommentare zu seinem Verhältnis mit Kindern anzusehen und zu -hören - das spricht für sich!
JoeSkeleton (30.06.2009, 13:06 Uhr)
ich war...
auch einmal davon überzeugt das MJ ein "Kinderschänder" ist.Mittlerweile denke ich eher,dieser Mensch war asexuell.Hätte es eindeutige Beweise gegen ihn gegeben,hätte sich Jackson auch nicht "freikaufen" können.Die zweite Klage musste ja mangels Beweise fallengelassen werden.Wären die Aussagen glaubwürdig gewesen,Micheal wäre in den Knast gewandert.Nichts ist bewiesen,trotzdem wird darauf rumgeritten.Für mich war Jackson ne arme Sau,jeder versuchte sich durch ihn zu profilieren und zu bereichern.
botoxia (30.06.2009, 12:54 Uhr)
Schneiden
Selbst tot wird noch an ihm rumgeschnitten...
MahindraX (30.06.2009, 12:37 Uhr)
Pijey und Lilgrim
Das scheint mir fast die falsche Schlußfolgerung zu sein.
Sicherlich würden Sie beide und ich ( viele andere ebenfalls) den "Täter" verurteilt sehen wollen, aber ich behaupte, wir hätten es erst gar nicht erlaubt, dass unsere Kinder sich derart oft und lange auf solch fremden Terrain aufhalten- über nacht sogar! Einem völlig fremden Menschen - hier in dem Fall sogar mit zumindest seltsamen Attitudes-liefere ich doch mein Kind nicht aus, oder abgeschwächt: überlasse ich es nicht so derartig lange. Einfluss nehme nämlich ICH, qua Erziehung. Ich gebe doch die Kontrolle nicht ab.
Wer sich allerdings bei z.B. "Erwachsen auf Probe" auch noch den Nimbus gibt, genau deshalb ein "guter" Mensch zu sein, weil er seine Kinder- wie kurz auch immer- dem RTL Produktsteam überläßt, um "anderen Menschen auf die Sprünge zu _helfen_" ist vielleicht eben auch imstande, sich mit einer horrenden "Freikaufzahlung" eines Jackson zufriedenzugeben und damit auf Verurteilung zu verzichten.
Würde sich halt einfach passgenau und logisch in diese doch sehr offenkundige "Unmöglichkeit der Empathie" einfügen.
Als _wirklich_ liebende Eltern läßt man sich doch nicht, NIEMALS(!) seinen Einfluss nehmen, indem man IRGENDJEMANDEM, erst recht jemanden wie MJ ,quasi "Macht" über das Kind übergibt. Und das bezieht sich nicht einmal allein auf die Möglichkeit eines Mißbrauchs, sondern einzig und allein auf die "elterliche Sorge" und die schließt so etwas konsequent aus.
Pijey (30.06.2009, 12:06 Uhr)
@Dieter37
mich würde mal interessieren was sie machen würden wenn man sie zu Unrecht zu solch einer Tat beschuldigt. Ich gebe Lilgrem recht. Bezeichnend ist auch das der Vater des Kindes noch Anwalt ist und sich der Rechtslage sehr bewußt war. Ich für meinen Teil hätte nie locker gelassen, selbst nicht für Milliarden Dollar.
Die 25 Mio. hat er gezahlt, weil diese Geschichte im Detail in der Öffentlichkeit ausgtragen worden wäre, das wollte er sich ersparen. Da hatte er recht, das braucht kein Mensch.
Also einen Menschen auf Grund der Zeitung "Bild" zu verurteilene halte ich für sehr billig. naja, was soll ich sagen, kommt ja eh gleich der nächste Anruf und dann hast du es ja wieder "billig".....
Schlimmer finde ich noch das heut kein Mensch, der im Rampenlicht steht, seine Kinder verhüllen muss, bezw. ohne Security nicht mehr vor die Tür kann.
Sardor (30.06.2009, 11:44 Uhr)
Schockierend!
Da darf man sich wohl jetzt monatelang auf dem täglichen Jacko-Artikel "erfreuen", und nicht nur beim Stern... :(
lilgrem (30.06.2009, 10:58 Uhr)
Beschuldigen nach hören/sagen.
... wie oft doch gerade in letzter Zeit wieder der Vorwurf der "Kinderschändung" auf den Tisch kommt. Da braucht man doch wirklich nicht all zu viel Kombinationsgabe, um zu verstehen, daß die Kläger da genau wussten, was sie aus so einer Sache rausholen können. Würde sich jemand an meinem Kind vergreifen, könnte er mir 1 Trilliarde Dollar anbieten ... ich würde mich erst damit "zufrieden" geben, wenn ich denjenigen hinter Gitter sähe, - so denke ich würde jede normale Mutter reagieren, würde es ihr wirklich um ihr Kind und den psychischen Schaden gehen.
Aber so hat es sich ja für die Kläger gelohnt: 25Mio Dollar. Ohne viel dafür gemacht zu haben. Einfach jemanden denunzieren, der im Rampenlicht steht und von dem es ohnehin schon heißt, daß er sich mit Kindern umgibt, - vielleicht weil er selbst noch eins zu sein scheint / schien. Es gab keinen einzigen stichhaltigen Beweis. Nicht einen einzigen. Alles nur Indizien und ein darauf folgender Freispruch.
Also!? ... Das ist beschuldigen nach hören/sagen.
Da gabs doch mal diesen (mittler Weile) abgedroschenen Spruch: Im Zweifel für den Angeklagten?
Dieter37 (30.06.2009, 09:53 Uhr)
Mein Gott...
was wird um diesen Psycho für ein Trara gemacht. Der Typ hätte schon vor Jahren in die Klapse gehöert!
Für mich ist er ein Kinderschänder;(er hat sich nur freigekauft) singen konnte er schon lange nicht mehr. Wurum kommt keiner darauf, dass er sich vor seinem geplanten Comeback fürchtete, weil er wusste, dass er es nicht packen würde ? Kann doch sein, dass er deshalb Selbstmord begangen hat ? Ein abgewirtschafteter Sänger; hochverschuldet und lebensuntüchtig. Mehr ist von ihm doch nicht mehr geblieben!
butcher99 (29.06.2009, 17:28 Uhr)
ein sehr Kranker
Mensch, der wirkliche Hilfe gebraucht hätte. Due Familie hat sich da wohl nicht mit Ruhm bekleckert.
Drogen nehmen den Menschen leider jede Selbstbestimmung. Man hat deshalb nur solange Einfuss auf die eigene Persönlichkeit, wie man clean ist. Später ist alles zu spät.
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