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29. April 2011, 21:52 Uhr

Happy im Hyde Park

Die Queen wirkt fast herzlich, die Monarchie ein bisschen niedlich - und alle jubeln Kate zu. Ein Tag im Hyde Park unter begeisterten Briten, mit dem einen, speziellen romantischen Augenblick. Von Sophie Albers, London

Kate und William, Middleton, Prinz Willian, Royal Wedding, Hochzeit, Buckingham Palace, Westminster, London, 192018

150.000 Menschen haben im Hyde Park die Hochzeit gefeiert© Sophie Albers

Okay, ich habe es wirklich versucht. Mit elaboriertem, an den eiskalten 90ern gestähltem Zynismus habe ich mir die Hochzeit und ihre Fans angesehen. Ganz aus der Nähe. Verstanden habe ich sie nicht. Bis zu diesem einen Augenblick, als ich inmitten Tausender Hochzeitsfans im Hyde Park stand, wo die ganze Veranstaltung auf drei riesigen Leinwänden übertragen wurde. Und da ist es passiert: Da hat es geklickt - und es war völlig in Ordnung. Wie konnte das passieren?

Der Morgen begann um halb sechs, als rosa Wolkentupfen hoffen ließen, dass es doch nicht - wie prophezeit - Regen und Gewitter geben werde. Im Hyde Park zwitscherten die Vögel mit dem allgegenwärtigen Helikopterdröhnen um die Wette, und vor den Großleinwänden saßen schon rund 50 Fans, die in der Weite der Anlage ehrlich gesagt ziemlich albern wirkten. "Ich fürchte, wir waren die ersten hier, um halb fünf", sagt eine ältere Dame mit fedrigem Krönchen und lächelt schief.

Es ist nicht proppenvoll, aber für diese Uhrzeit sind verdammt viele Menschen unterwegs. "Oh ja, es sieht nach Regen aus", sagt eine Londonerin auf dem Weg zum Buckingham Palast. Sie kauft sich trotzdem ein Union-Jack-Fähnchen mit Will&Kate-Konterfei für drei Pfund.

Viertel vor sieben an der Mall, der Prachtstraße zum Palast, gibt es an den Absperrgittern erste kleine Gerangel. "Da werden langsam Ellbogen eingesetzt", sagt Bernadette, 31, aus New York. Sie ist extra für die Hochzeit angereist und hat an der Mall übernachtet. Geschlafen hat sie aber nicht. Auch nicht Diane, 49, aus Bournemouth. "Die haben nachts die Klos umgesetzt. Das war ein Höllenlärm", sagt sie und reiht sich in die Schlange zum Kaffeestand ein. Ist das alles wirklich diese paar Sekunden Sicht auf das Brautpaar wert, frage ich angesichts ihrer immer wieder zuklappenden Augen. "Natürlich ist es das!" Das ist auch keine Frage für Molly und Clarissa, beide 16, obwohl sie in ihren Secondhand-Hochzeitskleidern in der Nacht unglaublich gefroren haben.

Auch jetzt ist der Himmel grau, und der Wind kommt kalt aus Osten. Aber immerhin regnet es nicht. Während sich die Mall immer weiter füllt, zieht die Polizei immer neue Absperrungen, um Überfüllung zu verhindern. "Unglaublich gut organisiert", sagt eine ältere Dame.

David Beckham und Sekt

Auf dem Weg zurück in den Hyde Park treffe ich Bine, die Donnerstagnacht mit ihren Freundinnen aus Limburg an der Lahn angereist ist. Sie heiratet selbst im August, und ihre Schwester Christina dachte, Williams Hochzeit sei der perfekte Anlass für den Junggesellinnenabschied. "Bine ist der gleiche Jahrgang wie William und wollte den früher unbedingt heiraten", sagt Christina und lacht. "Sie war auch immer so eine Prinzessin."

Um kurz nach acht grüßt die Besatzung der internationalen Raumstation das Brautpaar per Liveschaltung von den Großleinwänden. Um kurz nach neun wird ein ehemaliger Lehrer Kate Middletons interviewt. Natürlich weiß er nur Gutes zu berichten. Die Menschen im Park haben sich auf Decken ausgebreitet. Es sieht aus wie ein grenzenloses Picknick. Dazwischen flattern Union Jacks verschiedener Form und Größe. Um halb zehn sieht man, wie David und Victoria Beckham sich im Westminster Abbey durch die Menge zwängen. Der Park grüßt lautstark. Auch Rowan Atkinson und Elton John.

Während der Erzbischof von Canterbury erzählt, dass er mit dem Brautpaar lange und ausführlich über die Bedeutung der Ehe gesprochen habe und dass beide sehr sensibel und zugleich realistisch seien, knallen im Park die Sektkorken. Das tun sie bis zum Nachmittag. Da die Übertragung im Hyde Park selbst auch Teil der Berichterstattung ist, springen die Menschen immer wieder auf, jubeln und schwenken Fähnchen, sobald der Kameraarm sich senkt. Der Park ist nun voll, ein Ausgang bereits geschlossen. Die Stimmung ist entspannt. Vor dem Clarence House skandieren Fans "We want Will". Der kommt - ganz in Rot - um exakt 10.12 Uhr Ortszeit samt Bruder Harry in einem Bentley herausgefahren. William lächelt. Harry grinst. Der Park jubiliert. "Oh, guck mal, wie glücklich er ist", ruft eine Frau. Daraufhin öffnet ihr Freund noch ein Bier.

God save the Queen

Die Menge im Park ist wie ein großer Organismus. Auf die Bemerkungen der Kommentatoren wird reagiert. Der Park lacht, als es um "Harrys Energie" geht, und der Park macht "oooh", als die kleinen Brautjungfern zu sehen sind. Ab und zu steht jemand auf, guckt sich um und sagt "Wow, Menschen so weit man gucken kann." 150.000 sollen es gewesen sein.

Über William und Harry hat der Park sich gefreut, bei der Queen dreht er durch. Als die Dame in Kanariengelb in ihre Kutsche steigt, ist der Jubel ohrenbetäubend. Die Frau ist England. Hier sitzt ihr Volk. Dass Charles gerade am Eingang des Westminster Abbey seinen Hut abgibt, wird hingenommen. Als die Queen ankommt, steht der Park auf. Mittlerweile ist Kate Middleton aus dem Goring-Hotel geschlüpft und in den 1950er Rolls Royce der Queen gestiegen. Mehr als ein langer Schleier und viel Spitze sind nicht zu erkennen gewesen. Aber sie winkt ziemlich hektisch, und das sorgt im Park für Belustigung. Eine Gruppe von Studentinnen aus London kann sich darüber kaum beruhigen, obwohl sie eigentlich so aussehen, als müssten sie auf der Republikaner-Party tanzen.

Am Abbey endlich kommt es raus: Das Kleid stammt aus dem Hause Alexander McQueen, und die Schleppe ist definitiv keine acht Meter lang, so wie die damals von Diana. Während Middleton von ihrem Vater durch die Kathedrale geführt wird, fällt den Studentinnen auf, dass die meisten Leute mit den begehrten Einladungen überhaupt nichts sehen können. "Da haben wir es hier besser!" Sprach's und nimmt noch einen Schluck Pimms.

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