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Steinfeld leugnet fiktiven Mordanschlag auf Schirrmacher

SZ-Feuilletonchef Thomas Steinfeld hat zugegeben, Autor des Krimis "Der Sturm" zu sein. Doch er streitet ab, FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher als Vorbild für das Mordopfer genommen zu haben.

In seinem berühmten Roman "Mephisto" hat Klaus Mann einen Nazi-Karrieristen namens Hendrik Höfgen porträtiert. Gelesen wurde es aber als Buch über den Schauspieler Gustaf Gründgens. 1971 wurde der Schlüsselroman vom Bundesverfassungsgericht verboten. Auch der kommende Woche erscheinende Kriminalroman "Der Sturm" wirft wieder die alte Frage auf, was ein Schlüsselroman darf.

Für den unter Pseudonym verfassten Schwedenkrimi müssen SZ-Feuilletonchef Thomas Steinfeld und sein Co-Autor Martin Winkler kein Verbot fürchten. Niemand geht rechtlich gegen das Buch vor. "FAZ"-Herausgeber Frank Schirrmacher, dessen Züge andere in einem im Krimi ermordeten Chefredakteur erkennen wollen, hat sich bisher aus der hitzigen Debatte herausgehalten.

Generell wird unter einem Schlüsselroman ein literarisches Werk verstanden, das Rückschlüsse auf wirkliche Personen zulässt. Dies hat Steinfeld, der sich am Mittwoch nach heftigen Spekulationen über seine Autorenschaft als Ko-Verfasser des in der kommenden Woche erscheinenden Krimis zu erkennen gab, vehement zurückgewiesen. Der tote Chefredakteur namens Christian Meier sei eine "abstrakte, idealtypische Gestalt".

Darin seien einige der jüngsten Themen des internationalen Feuilletons sowie Züge vieler Kulturjournalisten eingeflossen. Es sei abenteuerlich, diese auf eine lebende Person "und zudem auf einen respektierten Journalisten" zu übertragen, betonte der Kulturchef der "Süddeutschen Zeitung", ohne Schirrmacher namentlich zu nennen.

"Welt"-Bericht hatte Diskussion entfacht

Die Zeitung "Die Welt", die am Dienstag mit einem großen Artikel über den Schwedenkrimi den Stein ins Rollen gebracht hatte, gab sich damit nicht zufrieden und legte am Donnerstag nach: Die im Roman dem mächtigen Journalisten Meier zugeschriebenen Debattenthemen von der Überalterung der Gesellschaft bis zur Gentechnik und den Gefahren des Internets würden nur mit einem Journalisten konkret verbunden, schreibt Literaturchef Richard Kämmerlings: "Mit Schirrmacher."

In Sachen Schlüsselroman hatte zuletzt 2007 ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts Aufsehen erregt. Maxim Billers Roman "Esra" wurde verboten, weil eine Ex-Freundin des Autors sich in der Schilderung intimer sexueller Details im Buch wiedererkannte. Karlsruhe hat aber auch zugleich betont, dass Romanfiguren ungünstig und negativ gezeichnet werden können - auch wenn das Vorbild erkennbar sei.

Neben den Autoren des Schwedenkrimis steht auch der Verlag S. Fischer in der Kritik. Schließlich hat er im Internet und im Buch eine eigene Vita um den angeblichen "Sturm"-Autor Per Johansson gestrickt - mit Foto und fiktivem Lebenslauf. Damit sei man zu weit gegangen, räumte das renommierte Verlagshaus ein. "Wir hätten die reale Existenz von "Per Johansson" in dieser Form nicht behaupten sollen", erklärte Programmgeschäftsführer Jörg Bong. Auf der Internetseite korrigierte der Verlag am Mittwochabend seine Angaben. Dort ist nun zu lesen: "Per Johansson ist das Pseudonym des Autoren-Duos Thomas Steinfeld und Martin Winkler."

fle/Thomas Meier, DPA/DPA
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