Karsten Speck muss ins Gefängnis

5. November 2004, 16:50 Uhr

Das Dortmunder Landgericht hat Schauspieler Karsten Speck zu zwei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt - wegen millionenschweren Betruges. Der tiefe Fall eines Fernsehstars.

TV-Moderator Karsten Speck verlässt während einer Verhandlungspause den Verhandlungssaal am Dortmunder Landgericht©

"So naiv wie nach der Wende bin ich nicht mehr", hat Karsten Speck einmal gesagt. Diese Aussage bezog sich auf gefloppte Moderationen, die der ehemalige DDR-Entertainer nach der Wende übernommen hatte. Dass er auch bei betrügerischen Immobiliengeschäften naiv gewesen und selbst übers Ohr gehauen worden sei, hatte Speck fast während seines gesamten Prozesses beteuert. Nachdem er vor kurzem eingeräumt hatte, nicht ganz so naiv gewesen zu sein, wurde der Schauspieler und Moderator am Freitag zu 34 Monaten Haft verurteilt.

Fast zwei Jahre hatte sich der Prozess wegen schweren Betrugs mit Bauobjekten in Ostdeutschland dahin geschleppt. Seit Januar 2003 musste sich Speck vor dem Landgericht Dortmund verantworten, insgesamt 129 Prozesstage lang. Als Drahtzieher war bereits im September ein Krankenpfleger zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Dieser hatte Mitte der 90er Jahre Investoren mit Steuererleichterungen geködert und Banken mit falschen Unterlagen um Kredite geprellt. Nach dem Schneeballsystem wurden mit neuen Geldern immer wieder alte Verbindlichkeiten beglichen.

Speck hatte sich früher als Opfer bezeichnet. Er habe für den Hauptangeklagten immer wieder bei den Banken gebürgt und sein gesamtes Geld verloren. Am 27. Oktober hatte er jedoch eingeräumt, er habe in einigen Fällen seine Popularität dazu genutzt, weitere Investoren zu finden. Es sei ihm egal gewesen, ob die Geldgeber Verluste erleiden würden.

Ernst, aber gefasst nahm der 44-Jährige am Freitag das Urteil auf, erst im Laufe der Urteilsbegründung schien seine Miene immer versteinerter zu werden. Specks Verteidiger sagte nach der Verhandlung: "Er wusste, was auf ihn zukommt. Er hat das akzeptiert." Das Urteil habe den Erwartungen entsprochen, und er werde seinem Mandanten raten, es anzunehmen. In diesem Fall werde Speck voraussichtlich irgendwann im nächsten Herbst die Strafe antreten. Der Haftbefehl gegen den seit drei Wochen in Untersuchungshaft sitzenden Speck wurde aufgehoben.

Geständnis strafmildernd

Specks spätes Geständnis wurde strafmildernd gewertet, da er schließlich in der Öffentlichkeit stehe und nun die Taten nicht mehr bestreiten könne. "Ohne das Geständnis hätten sie mit einer Strafe um die vier Jahre rechnen müssen", sagte Richter Thomas Beumer. Specks Anwalt betonte, sein Mandant habe keinen Prominenten-Bonus erhalten: "Er ist hier so behandelt worden, wie jeder andere auch." Vermutlich werde der Entertainer nun als erstes nach Berlin fahren, um seine Familie zu sehen. Der Anwalt sagte, er habe Speck als einen "sehr angenehmen Menschen" kennen gelernt.

Dieses Bild haben auch zahlreiche Fernsehzuschauer von Speck. Der 44-Jährige erreichte bereits in der DDR eine hohe Popularität und schaffte es, auch in Nachwendezeiten zu den bekannteren Show-Gesichtern zu gehören. Begonnen hatte er als Mitglied des DDR-Kabaretts "Die Distel", danach überzeugte er als vielseitiger Theater-, Kino- und Fernsehschauspieler. Vor allem aber konnte er mit der Moderation der Fernseh-Show "Ein Kessel Buntes" glänzen, einer der beliebtesten Sendungen des DDR-Fernsehens. Die ARD übernahm das Programm nach der Wende, es konnte sich aber nicht durchsetzen und wurde bald wieder abgesetzt.

Doch Speck verschwand damit nicht von der Bildfläche: Er etablierte sich als Schauspieler in Fernsehserien wie "Felix und 2 x Kuckuck" und "Drei Mann im Bett". Immer wieder war er in Serien in Episodenhauptrollen zu sehen und schaffte es auch in eine der beliebten Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen; außerdem spielte er schon in mehreren Staffeln der ZDF-Serie "Hallo Robbie" eine Hauptrolle.

Dreharbeiten als Freigänger möglich

Wie es nun mit Specks beruflicher Karriere weitergeht, bleibt abzuwarten. Die Chancen, dass er als Freigänger seiner Arbeit nachgehen kann - wie etwa sein Kollege Martin Semmelrogge - stehen gut. Dem Vernehmen nach soll Speck ab Dezember in Düsseldorf wieder Theater spielen.

Im März läuft eine bereits abgedrehte Staffel von "Hallo Robbie" an, dann wird entschieden, ob eine weitere Staffel folgen wird, wie ZDF-Sprecher Walter Kehr sagt. Man müsse zunächst abwarten, wie die Urteilsbegründung laute und ob Speck ein offener Vollzug gewährt werde. Dann werde man über das weitere Vorgehen entscheiden. "Schließlich hat sich Karsten Speck nicht beruflich etwas zu Schulden kommen lassen", sagt Kehr.

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