16. Mai 2008, 11:06 Uhr

Klägliche Verkaufszahlen für Tokio Hotel

Tokio Hotel ist auf US-Eroberungstour - und das Land der unbegrenzten Möglichkeiten liegt der Teenie-Band zu Füßen. So ist es zumindest überall zu lesen. Doch weit gefehlt: Denn die CDs von Kaulitz und Co. will kaum jemand kaufen. Von Frank Siering, L.A.

Umjubelt bei ihren Auftritten in den USA: Tokio Hotel - doch warum will keiner ihre CDs kaufen?©

Was tun, wenn der deutsche Markt erobert ist? Na klar: Auf nach Amerika. Tokio Hotel ist auf US-Tour. Und das mit "unglaublichem Erfolg", wie die PR-Strategen hinter dem Kaulitz & Co. unablässig in die Heimat melden. New York, Los Angeles, Miley Cyrus und die Jonas Brothers müssen sich warm anziehen. Here comes Tokio Hotel!

Oder doch nicht? In Wirklichkeit sehen die Fakten düsterer aus als der Eyeliner von Bill Kaulitz: Nach den aktuellen Billboard-Zahlen, die die verkauften Tonträger in den USA messen, gingen gerade einmal 16.000 CDs von Tokio Hotel über die Ladentische. Die Band liegt damit trotz aufwendiger PR-Attacke hinter so unbekannten Künstlern wie Rick Ross und Michael Bubble. Die vom Tokio-Hotel-Management angepeilte eine Million verkaufter CDs liegt jedenfalls in weiter Ferne.

"Amerika ist so groß"

Zeit für einen Reality-Check: Der Erfolg in den USA kommt sicherlich nicht ueber Nacht. Das wissen auch Stars wie Miley Cyrus oder Rihanna. Und irgendwie scheint auch Frontmann Bill Kaulitz geahnt zu haben, dass das Abenteuer Amerika kein Spaziergang werden würde: "Es ist sehr schwierig, Fans in anderen Ländern zu gewinnen", sagt er mit schwerem deutschen Akzent in englischen Interviews. "Amerika ist so groß, da ist es ganz schwer, bekannt zu werden."

Deutsches Stehvermögen

Immerhin haben Tokio Hotel eine gute deutsche Tugend mit über den Atlantik gebracht: Stehvermögen. Ein Konzert auf einem Parkplatz in New Jersey? Wird gemacht! Auftritt im (heute eher unwichtigen) "Avalon" in Los Angeles? Na klar! 1500 Fans passen dort rein - mehr als 900 Leute dürften nicht dagewesen sein. Das ist noch weit entfernt von dem Erfolg einer Miley Cyrus, die ein Konzertsaal mit 10.000 Sitzplätzen in weniger als zehn Minuten ausverkauft.

Tatsächlich haben deutschsprachige Bands - wie übrigens auch Schauspieler - traditionell einen schweren Stand in den USA. Nena und Rammstein sind auch heute noch die einzigen deutschen Gesangsexporte, die von der Fan-Basis anerkannt werden. Deutsche Stars wie Til Schweiger oder Franka Potente scheitern kläglich in Hollywood und zogen letztendlich murrend von dannen. Daran, dass Tokio Hotel - oder besser: deren Management - das Ziel ausgeben haben, den finanziell lukrativen zu US-Markt erobern, ist nichts auszusetzen. Doch es ist eben auch ein waghalsiges Mannöver, das Kaulitz und Co. da fahren. Amerika ist der größte Musikmarkt der Welt. In LA spielen jeden Tag weltbekannte Bands in guten Locations. Sie kommen, und sie gehen. Oftmals fast unbemerkt. Eine Band wie Tokio Hotel könnte schnell im Niemandsland verschwinden, bevor sie überhaupt richtig losgelegt haben. Und dann bliebe ihnen der "Scream" - so der englische Titel des aktuellen Albums - sprichwörtlich im Halse stecken bleiben...

Von Frank Siering, L.A.
 
 
KOMMENTARE (10 von 23)
 
Maximiliane46 (19.05.2008, 14:07 Uhr)
90%???
Wenn sich mein Vorschreiben da man nicht irrt.
Nein, es gibt mehr Fans über den gern zitierten Altersdurchschnitt von 12-16 Jahren.
Leider wird es gern in den Medien so dargestellt, dass nur hysterische Mädels den Jungs zu Füssen liegen.
Besonders in USA scheint es so zu sein, dass viele 18-20 jährige diese Band toll finde.
Ich bin zwar kein Fan und kein Teenie, jedoch auch ich finde die Band erstaunlich.
Deren Text sind im Vergleich der Musik, die uns jeden Tag auf den Sendern um die Ohren geschlagen wird,
hautnaher. Die Themen von Liebe und Leid ist bei anderen Künstlern genauso vertreten.
Sorry, des allgemeine hinstellen von Teeniemusik, kann ich bald nicht mehr hören.
Bonsaipanther (19.05.2008, 13:08 Uhr)
Finanzkraft der Fan-Gemeinde
Ohne jede Wertung der Musik-Qualität würde ich zu den Verkaufszahlen sagen, dass dies auch ein Problem der Fans der Gruppe ist. Mindestens 90 % sind doch pupertierende Teenies im Taschengeld-Alter und das weltweit.
Eigentlich kann einem die Band nur leid tun. Sie werden gnadenlos vermarktet und sonnen sich (mit Sicherheit nicht mehr all zu lange) in einem Erfolg, der den von Rammstein nicht mal andeutungsweise erreicht.
Administrator (19.05.2008, 09:05 Uhr)
@Maximiliane46
Liebe/r Maximiliane46,
vielen Dank für Ihre Beitrag. Da wir an dieser Stelle kein Posting löschen mussten, bitten wir Sie die Einstellungen Ihres Browsers zu prüfen. Hin und wieder verhindern bestimmte Einstellungen der Cookies erfolgreiches Kommentieren.
Grundsätzlich sollte Ihr Beitrag zunächst immer erst online erscheinen - muss ein Beitrag gelöscht werden, so geschieht dies nach der Veröffentlichung.
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Sunny80 (18.05.2008, 15:12 Uhr)
Klaegliche Berichterstattung
Einen Ratschlag an Herrn Siering:
Polemische, von persönlichen Ressentiments eingefärbte, Meinungsmache „gewinnt“ immer nur für kurze Zeit.
Auf Dauer führt diese Art unseriöser Berichterstattung bei Bürgern, die gerne HINTER die Fassaden schauen, zu Verdrossenheit und Leserverlust.
Und als STERN-Journalist sollte man dazu in der Lage sein, die eigenen Berichte Korrektur zu lesen.
Dann würde man als Leser auch keine peinlichen Rechtschreib- und Satzbau-Fehler wie im letzten Absatz finden...
Beste Grüße!
S. Neukirchen, Bonn
Maximiliane46 (18.05.2008, 10:35 Uhr)
Falsche Darstellung
Liebe Redaktion, warum werden meine Stellungnahmen nicht gezeigt.
War ich zu kritisch, passte es nicht, dass ich gegen ihre Darstellung war?
Bitte, berichten sie opjektiv und machen sich vor Ort schlau.
Und den Hassern sei gesagt, so wie es hier aussieht, ist es nicht. Sie haben Erfolg und behaupten nicht, dass das nun der grosse Durchbruch war.
Sie sind im übrigen in den BILLBOARD CHRTS Platz 39,in den Top Rock Albums Platz 6 und den den Top Modern Rock/Alternative Albums Charts Palts 5.
Also, es tut mir leid, euch enttäuschen zu müssen. TOTGEGLAUBTE LEBEN LÄNGER.
kbase (17.05.2008, 23:54 Uhr)
Billboard Charts
Vielleicht beruhigt es Sie, lieber Herr Siering, dass Tokio Hotel in den amerikanischen Charts zwar hinter den von ihnen zitierten Künstelern, jedoch aktuelle VOR den unbekannten Gruppen namens R.E.M., Linkin Park und den Eagles liegt. Noch ein fruchtbares Wirken beim Stern!
kbase (17.05.2008, 23:37 Uhr)
Und noch ein Nachtrag
Die Aussage, dass man ein Konzert auf einem Parkplatz gegeben habe, zeigt schließlich eindeutig, dass sich der Autor in keinster Weise ernsthaft mit der Gruppe befasst hat. Der Parkplatz war ein Festival mit ca. 100.000 Menschen, die die Tokio Hotel Songs auf deutsch mitsangen. Ein Blick auf youtube würde dem Autor die Realität etwas näherbringen. Der Grund, weshalb die Gruppe nur dort und im (angeblich unbekannten) Avalon auftrat, war die Stimmoperation. Von 16 geplanten und ausverkauften Konzerten in MITTEL großen Hallen wurden ja 14 abgesagt. Also sorry, aber man kann zur Gruppe stehen wie man will, diese STERN Kampagne ist einfach nur lachhaft.
kbase (17.05.2008, 23:17 Uhr)
Journalistisch problematischer Artikel
Gute Abend,
ich rate mal etwas zur Vorsicht mit der Aussage keiner interessiere sich in den USA für Tokio Hotel. Das einzige Argument, das dafür spricht, sind 16.000 verkaufte CD's. Denn die Auftritte in TRL und bei O'Brian sind für eine deutsche Band extrem außergewöhnlich.
Das Argument mit den niedrigen Verkaufszahlen ist absolut unseriös, da die CD zu diesem Zeitpunkt erst 4 Tage auf dem Markt war und mit diesem Absatz in ihrer ERSTEN Woche direkt auf Platz 39 der amerikanischen Billboard Charts eingestiegen ist.
Dagegen die langfristig angestrebten Tonträger von 1.000.000 zu stellen, ist journalistisch nicht nur problematisch, sondern mutet fast als Absicht an. Ich bin kein Fan der Gruppe, aber diese Darstellung entbehrt wirklich jeder Sachlichkeit.
Freundliche Grüße aus Mannheim.
heiner5362 (17.05.2008, 18:25 Uhr)
MUSIKER ???
ja was denn.
ein nöhlgesang im umfang innerhalb einer oktave(b.ferry schafft sieben bis acht je nach tagesform), das clavinet im backstage(playback), NA DAS ist ja mal eine ganz tolle nummer.
dass die ami-kids nicht davon zu begeistern sind war ja abzusehen.
eine nation die ihre idole hat u.a. +
hendrix j.joplin presley j.winter kiss(ja auch die spielen LIVE) usw usf braucht keine kraut-kiddie-band um sich gross aufzuregen.
da hilft auch das schminken nichts und gequältes styling, da fallen nur deutsche schulabbrecherinnen drauf rein ohne zähne ohne hirn.
international zählt professionalität und virtuosität, da muss man schon mal -vom blatt!!!- nen basslauf zum nussknacker draufhaben aus dem stand.
und wer singen meint zu können : schickt den kleinen mal zur DSDS!
DAS wäre mal sehenswert.
bohlens sprüche wären gold wert...
ne das is alles schrott.
und die amis lassen sich in punkto musik nicht verarschen.
fahrt nach hause jungs und lernt noten.
55flora98 (17.05.2008, 12:55 Uhr)
Kläglich
Der Artikel zeigt, dass hier mal wieder der selbsternannte deutsche homo culturiensis seinen selbstgebastelten Eliteanspruch verspritzt. Es spricht für Bill und Tom Kaulitz, dass sie ihre US-Tour selbst als Achtungserfolg einschätzen. Sie haben damit mehr Klugheit bewiesen als die Hüter der deutschen Kulturwerte. Im Übrigen hat der Stern selbst dem Phänomen Tokiko Hoteleinen Riesenartikel gewidmet. Warum jetzt diese Häme?
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