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11. Januar 2008, 22:00 Uhr
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Jung, prüde, schwanger

Sex vor der Ehe ist in den USA ein Tabu. Trotzdem - oder gerade deswegen - gibt es mehr als 750.000 schwangere Teenager pro Jahr. Britneys Schwester Jamie Lynn ist das prominenteste Beispiel. Dank ihr und eines neuen Kinofilms wird das Thema jetzt salonfähig. Von Frank Siering, L.A.

Schwanger mit 16: Britneys Schwester Jamie Lynn und die Filmfigur "Juno"© Mario Anzuoni/Reuters

Manchmal zeigt auch Hollywood seine überraschende Seite. So wie in diesen Tagen: Da schleicht sich ein kleiner, aber feiner Film ganz langsam, aber sicher vorbei an den großen Blockbuster-Streifen. "Juno" heißt das Juwel, das mit dem relativ geringen Produktionsbudget von sieben Millionen Dollar von Fox Searchlight hergestellt wurde und dieser Tage stramm auf die 100 Millionen Dollar Umsatzmauer zusteuert. Das ist gelinde gesagt eine Sensation für einen Film, in dem es sich um die Schwangerschaft eines Teenagers geht.

Wird doch dieses Thema - siehe Jamie Lynn Spears - gerne allzu oft totgeschwiegen, von Puritanern oder den sehr einflussreichen religiösen Rechten in den USA. Als würde es das nicht geben. Zumindest nicht im Amerika, das von Disney gezeichnet wird.

Weil nicht ist, was nicht sein darf

Die Wahrheit sieht wahrlich anders aus: Zwar sinkt die Schwangerschaftsrate von Teenagern in den USA seit einigen Jahren. Dennoch durchleben im Land der unbegrenzten Möglichkeiten jährlich zwischen 750.000 und 850.000 junge Frauen im Alter von 14 bis 17 Jahren jedes Jahr eine ungewollte Schwangerschaft.

Jamie Lynn Spears, die 16-jährige kleine Schwester von Britney, musste nach Bekanntwerden ihrer Schwangerschaft erst einmal für ein paar Tage mit der Mutter untertauchen, damit sich die Gemüter beruhigen konnten. Ihre TV-Serie "Zoey 101" soll nach Insider-Berichten jetzt abgesetzt werden, weil sich zu viele Menschen bei Disney über diesen Umstand beschwert hatten. Wohl gemerkt: Wir schreiben das Jahr 2008, auch in der Neuen Welt.

"Juno" trifft den Nerv der Zeit

Und nun macht ausgerechnet ein Film Schlagzeilen, der ein ebenfalls 16-jähriges Mädchen zeigt, das ungewollt in eine Schwangerschaft schlittert. Wie ist das möglich? "Ich glaube, dass wir mit diesem Film den Nerv der Zeit getroffen haben", erzählt Hauptdarstellerin Ellen Page im Gespräch mit stern.de in Beverly Hills. Ihr Charakter ist neu für viele junge amerikanische Frauen. "Sie ist stark, steht zu ihren Fehlern und entschuldigt sich nicht ständig für das, was sie ist", fährt Page fort. "Juno" ist so stark in seiner Aussage, dass vor allem die jungen Amerikanerinnen gleich drei- bis viermal Kinotickets lösen, um die Reise der 16-jährigen Schülerin zu verfolgen, die im wirklichen Leben übrigens 20 Jahre alt ist. Regisseur Jason Reitman ("Thank you for Smoking") ist der festen Überzeugung, dass vor allem junge Frauen in "Juno eine Frau sehen, die sich trotz ihrer Umstände nicht verstecken muss, die mit erhobenem Kopf durch die Gesellschaft stolzieren kann."

Und tatsächlich: Dieser Film bricht mit vielen Tabus, die in den USA noch heute vielfach Gültigkeit besitzen. Junge Frauen haben sich in der High School einem bestimmten Verhaltensmuster anzupassen. Sie werden vom Jungen zum "Date" eingeladen. Es gilt als unschicklich, den männlichen Counterpart zu einem abendlichen Dinner einzuladen. Das althergebrachte Rollenspiel - Mann führt Frau aus, Mann bezahlt Essen, Mann bestimmt den nächsten Schritt - hat in den USA noch heute erschreckende Aktualität. "Ich habe es niemals verstanden, weshalb Frauen nicht für ihre Leistungen, sondern für ihr Aussehen oder ihr Erscheinungsbild bewertet werden", erzählt "Juno"-Drehbuchautorin Diablo Cody.

Erfrischender Tabubruch

Wohl auch deshalb ist "Juno" ein solch erfrischender Charakter für viele Teenager, die sich diesen Streifen anschauen. Eben weil sie nicht "einfach verschwindet, nachdem sie herausfindet, dass sie schwanger ist", wie Regisseur Reitmann vermutet. "Juno ist präsent. Hier wird nichts unter den Teppich gekehrt, sondern hier wird sich hemdsärmelig und humorvoll mit dem Problem auseinandergesetzt", fügt Cody hinzu.

Vielleicht ist Amerika tatsächlich bereit, einige Gesellschaftstabus wie das der Teenager-Schwangerschaft aufzubrechen. Immerhin steht das Land dieser Tage ganz im Zeichen von "Veränderung" und "Fortschritt" - zumindest propagieren das die potenziellen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama und Hilary Clinton. Für Jamie Lynn Spears würde das bedeuten, dass sie sich mit ihrem wachsenden Babybauch nicht mehr verstecken muss. Und für junge Frauen wie "Juno" würde es Hoffnung auf ein Leben ohne Makel und Dissens wecken.

Von Frank Siering, L.A.
KOMMENTARE (10 von 16)
 
kuni40 (13.01.2008, 17:45 Uhr)
...
aus dem Kommentar von 042020 kann man lesen, wie wohl ein Amerikaner mit seiner schwangeren, jugendlichen Tochter umgehen wuerde. sicherlich ist es nicht der Traum der Eltern, wenn das Kind im Jugendalter ein Kind bekommt, jedoch ist es auch nicht das Ende der Welt. Umsonst ist jedenfals die Rate der schwangeren Jugendlichen in den USA nicht so hoch.
042020 (12.01.2008, 20:16 Uhr)
@kuni40
kuni, wie findest du am abends nach hause, wen alle hauser gleich ausehen ?
doch warscheinlich steht deine
schwangere 15 jahre alte tochter vor
der tur dan weist das zuhause bist.
lebst hier, doch kennst dich eben immer noch nicht aus.
glaube die haben direct fluge von
Phoenix nach FRA.
Robert67 (12.01.2008, 11:55 Uhr)
Ungesunder Umgang mit Sexualität
Den Amis fällt zum Thema Sexualität auch nicht mehr ein als "Verkneif es dir gefälligst vor der Ehe!" Dass Sexualität auch ein menschliches Grundbedürfnis ist, wird in den USA schlichtweg ignoriert. Kein Wunder also, dass dabei so verkorkste Kreaturen wie z.B. die Spears-Schwestern rauskommen, von denen die eine ihre Genitalien in der Öffentlichkeit zeigt und die andere mit 16 schwanger wird.
Kalox (12.01.2008, 09:09 Uhr)
kalox
was ist nun die folgerung des artikels bzw des films? Man(Frau) soll Dumm und mit Stolz erhobenem Haupt durch die Welt gehen und dass es Verantwortungsvoll ist mit 16 ein Kind zu haben und mit vollgas ins prekariat zu düsen?
bismarck (12.01.2008, 05:28 Uhr)
@johnquinn
wie bitte? etwas genauer mit ihren ausfuehrungen bitte sonst kann ihnen naemlich kein mensch folgen
johnquinn (12.01.2008, 04:36 Uhr)
@ bismarck
...deswegen ja auch: BIGOTT... etwas genauer lesen bitte.
bismarck (12.01.2008, 03:28 Uhr)
@kuni40
ich lebe hier in einer mittelgrossen stadt in suedkalifornien und was sie da fuer phoenix beschreiben trifft hier ueberhaupt nicht zu. vorsicht also mit solchen allgemeingueltigen aussagen.
bismarck (12.01.2008, 03:25 Uhr)
@Crossbow
"Ich fand...
...die amerikanische Prüderie und Verlogenheit besonders der bigotten, religiösen Rechten schon immer zum Kotzen. Und das im Land mit der größten Pornofilm-Industrie der Welt!"
Wie jetzt, zu pruede UND zu pornographisch? Sie wissen aber auch nicht was Sie wollen...
kuni40 (12.01.2008, 01:04 Uhr)
an alle...
Ich lebe hier in einem Vorort von Phoenix,der hauptsaechlich von Familien mit Kinder bewohnt wird. Der Himmel ist blau, die Sonne scheint. Vor jedem Haus (die sehen natuerlich alle gleich aus)stehen zwei Autos, Hund im Garten...! Also heile Welt!
Ich habe den Eindruck, dass Sex hier in den USA nach aussen hin vor der Ehe tabu sein SOLL. Mit dem Thema offen umzugehen scheint hier schwierig zu sein.
Alle, wenn sie dann mal eigene Kinder haben, scheinen wiederum nach aussen sehr konservativ zu sein, was aber nicht heisst, dass sie's nicht heimlich unheimlich treiben.
Auch scheinen's die Amis eher eilig mit Heiraten zu haben. Hier sind viele, noch nicht mal 30 Jahre alt, mit Frau und 3 Kindern, haben schon das zweite Haus gekauft usw.
algernon (11.01.2008, 23:06 Uhr)
Spears, Marco - und die Bildzeitung
Kommen der Stern und die Bild-Zeitung eigentlich aus dem gleichen Haus ???
Die armen namenlosen 750.000 jugendlichen Schwangeren - aber an der Spears können wir wieder was verdienen. Nun die junge ''Dame'' dürfte wohl, ausser charakterlichen, keine allzu großen Probleme haben.
Und ob es nun die bigotten, prüden verlogen Amerikaner, Marco und die jungen Engländerinnen - oder meine eigenen Töchtger sind: 16 Jahre sind für eine Schwangerschaft definitv zu jung.
Das Problem liegt nicht bei den Kindern, sondern bei uns Erwachsenen !
Meine Töchter haben durchaus - auch in diesem Alter - ihr Sexualleben, aber meine Frau und ich haben uns die Mühe gemacht (und im Teenager-Alter isses so , peinlich peinlich ;-)) mit unseren Kidds und ihren Freunden (!) die Problematik anzusprechen.
So werde ich vielleicht noch knapp 50 um mich Opa nennen zu dürfen - und da freue ich mich schon darauf ... ...
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