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22. April 2011, 17:46 Uhr

Im Prinzessinnen-Dorf

Ein kleines Örtchen in England kann sich derzeit vor Touristen kaum retten: Bucklebury. Ein ganz normales Dorf? Aber nein! Hier reifte Kate Middleton zur Prinzessin heran. Von Cornelia Fuchs, London

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Die Dorfkneipe wird zum zentralen Anlaufpunkt bei der Besichtigungstour© Reuters/Toby Melville

Bucklebury in Berkshire wäre auch ohne das rote Ziegelhaus am Ende einer kleinen Privatstraße kein ganz normales Dorf. Vor dem Dorf-Pub steht zur Mittagszeit eine Armada aus Land Rovern, Jaguar und Porsche. Der einzige Laden im winzigen Zentrum des Dorfes verkauft teure Stoffe und patriotische Kissen und der kleine Metzger auf der gegenüberliegenden Straßen-Seite hat Strauß- und Krokodilfleisch im Angebot.

Doch im Land der Kiesauffahrten und Designer-Gummistiefel konnte von Normalität spätestens dann keine Rede mehr sein, seitdem hier die Verlobte von Prinz William wohnt. Tatsächlich verbringt Kate immer weniger Zeit im Haus ihrer Eltern, in das die 29-jährige nach Studienabschluss und von Paparazzi erschwerter kurzer Karriere in London wieder eingezogen war. Prinz William soll hier regelmäßig am Middletonschen Mittagstisch gesessen haben. Jetzt verbringt Kate sehr viel mehr Zeit in dem Bauernhaus auf der walisischen Insel Anglesey, wo Prinz William seine Zeit als Hubschrauber-Pilot des Rettungsdienstes verbringt.

Auch Dorfbewohner sind zur Hochzeit geladen

So verpasst sie wohl die kleinen Tourbusse, die sich auf Prinzessinnen-Suche durch die winzigen Straßen quälen. Statt Kate wird den Touristen Kurz-Ansichten des Elternhauses geboten sowie des Pubs Old Boot Inn, in dem Kate und William immer wieder mal ein Bier trinken sollen. Der nächste Dorfhöhepunkt ist der kleine Supermarkt, in dem William und Kate ihre Lieblingssüßigkeiten einkaufen, Haribo-Tüten und Viennetta-Schoko-Eis mit Minzgeschmack.

Die Inhaberin des Tante-Emma-Ladens Chan Shingadia mitsamt ihres Ehemannes Hash sind inzwischen immerhin in den Genuss einer Art 15-Minuten-Ruhmes gekommen, ganz im Schatten der berühmtesten Einwohnerin des Dorfes: Sie haben beide Einladungen in die Westminster Abbey erhalten. Außerdem sind aus dem Dorf noch der Metzger, der Kneipier und der Briefträger eingeladen. Kate Middleton wollte stets eine nette Dorfhochzeit haben, heißt es - und sie tut alles dafür, ihr Dorf zumindest irgendwo in den weitläufigen Sitzbänken zwischen den 1900 anderen Gästen zu verorten.

Frau Shingadia, die Kramladen-Besitzerin, bescheinigt Frau Noch-Middleton auch Bodenständigkeit. Zwei- bis dreimal die Woche komme sie vorbei, manchmal mit dem Prinzen. Sie habe daher stets Haribo und Viennetta-Eis vorrätig. Die berühmtesten Kunden sollte man schließlich nicht enttäuschen.

Eine Standpauke für den Gastwirt

Doch so großzügig die Middletons ihre Nachbarn behandeln, so schnell ist es mit der Freundlichkeit auch wieder vorbei. Kneipier John Haley ist ebenfalls zur Hochzeit eingeladen worden. Was aber Mutter Carole Middleton nicht daran hinderte, dem Mann angeblich eine ordentliche Standpauke zu halten. Sein Vergehen: Er ließ per rosa Plakat mit dem Abbild der Verlobten ein Hochzeits-Fest in seinen Räumlichkeiten bewerben, "super BBQ und Salate" sowie ein Wettbewerbe "für die besten Prinzen und Prinzessinnen" inklusive. Die 200 Tickets waren bald ausverkauft.

John Haley beteuert, er werde an der Feier "keinen Pfennig verdienen." Ausgeladen worden ist er bis jetzt nicht. Das wäre wahrscheinlich auch eine etwas übertriebene Reaktion - schließlich ist auch der König von Bahrain nicht ausgeladen worden, obwohl er seine Bürger bei Demonstrationen festnehmen und foltern lässt. Oder der König von Swaziland, der ebenso mit Teilnehmern von Protesten in seinem kleinen Königreich verfährt.

Vielleicht ist aber die Einladung selber schon Strafe genug für den geschäftstüchtigen Kneipier: John Haley wird wie die Mehrheit der 1900 Gäste, die ohne königliche Abstammung oder hohes Amt durchs Kirchentor schreiten, seinen Platz auf den harten Kirchenbänken bereits um acht Uhr morgens einnehmen. Bis zum Ja-Wort sind es da noch mindestens dreieinhalb ermüdende Stunden.

Von Cornelia Fuchs, London
 
 
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