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Mehr Monarchie wagen

Deutschland im Prinzenfieber: Nicht nur das Royal Baby, auch der neue Stil im Hause Windsor kommt dank Prinz William als Daddy Cool gut an. Die Briten sind um ihre Monarchie zu beneiden.

Ein Plädoyer von Jens Maier

  Die glückliche Familie: Prinz William und Herzogin Kate mit ihrem Baby beim Verlassen des Krankenhauses

Die glückliche Familie: Prinz William und Herzogin Kate mit ihrem Baby beim Verlassen des Krankenhauses

Prinz, Gentleman und jetzt Papa: Beim Verlassen des Krankenhauses am Dienstagabend hält er seiner Kate die Tür zum Wagen auf, schnallt das Baby auf dem Kindersitz fest und fährt den Range Rover anschließend höchstpersönlich nach Hause. Ein Prinz der Tat. Ein Daddy Cool und fürsorglicher Familienvater. Ohne Allüren, völlig unprätentiös, einfach sympathisch - so ist Prinz William. Und so sind Englands neue Royals.

Seit Tagen sind William, Kate und das Royal Baby auch auf den Titelseiten deutscher Zeitungen und Online-Dienste das Thema Nummer eins. Auch stern.de berichtet ausführlich über den Nachwuchs im Königshaus. Auf den Klatschseiten von "Bild" und Co. lösen die Meldungen von der Geburt des Thronfolgers Geschichten über Jenny Elvers, Boris Becker und Bushido ab. Endlich, möchte man sagen. Eine glückliche Familie statt abgehalfterter Promis - das ist wie Urlaub für Häme, Voyeurismus und Fremdscham zugleich.

Die neuen Royals als Vorbild für die Jugend

Doch die neuen Royals sind nicht nur nett anzusehen. Sie erfüllen in Großbritannien eine wichtige Funktion. Sie sind Vorbild. Mit einer schrulligen Queen, einem unbeliebten Prinz Charles und einem halbnackten Prinz Harry in der Familie gewiss nicht immer skandalfrei und sicher nicht unumstritten. Doch William und Kate sind die neue Generation, die Hoffnungs- und Sympathieträger, nach denen sich junge Deutsche vergeblich sehnen.

Mehr als ein Drittel, nämlich 34 Prozent der 18- bis 24-Jährigen wünschen sich auch in Deutschland einen Monarchen. Das ergab im April eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur. Bei den Menschen ab 55 Jahren ist der Anteil weniger als halb so groß. Im Vergleich zu einem Präsidenten trauen viele es einem Monarchen dabei eher zu, als Identitätsfigur zu wirken.

Deutschland hat Gauck, England Kate

Der größte Nachteil der Monarchie ist zugleich ihr größter Vorteil: die Erbfolge. Nirgendwo anders haben junge Menschen die Möglichkeit, aber auch die Verpflichtung, so früh eine wichtige Rolle auszuüben. Sie werden in ihre Rolle geboren, lernen früh, Verantwortung zu übernehmen. Sportler, Popsänger und Schauspieler mögen zwar angesehen und beliebt sein, identitätsstiftend oder gar politisch einflussreich sind sie aber kaum.

Deutschland bleiben Joachim Gauck und Angela Merkel, England Prinz William, Kate und ihre kleine Familie. Beneidenswert.

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