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... Toni Schumacher?

Der Torhüter wirbelte vor 20 Jahren mit seinem Skandalbuch "Anpfiff" die Fußballwelt auf. Daraufhin flog er aus der Nationalmannschaft und musste später auch den 1. FC Köln verlassen

Herr Schumacher, darf ich meine Zigarette auf Ihrem Arm ausdrücken?

Ich weiß, worauf Sie anspielen. Die Zeiten sind vorbei!

Ihre erste Frau soll das zu Beginn Ihrer Karriere einmal bei Ihnen gemacht haben...

Stimmt. Weil ich ihr beweisen wollte, dass man den Schmerz in den Griff bekommen kann, dass man alles erreichen kann, was man sich vornimmt. Eine Jugendsünde!

War Ihr Buch "Anpfiff" - 1,5 Millionen Mal verkauft - auch eine Jugendsünde?

Ich habe es damals als eine Lebensbeichte angesehen. Deshalb wollte ich es auch zu meiner aktiven Zeit veröffentlichen. Das passte einfach zu Toni Schumacher. Viele andere haben erst ein Buch geschrieben, nachdem sie alles erreicht hatten. Denen konnte nichts mehr passieren. Ich wollte provozieren und die Wahrheit aussprechen - zum Beispiel, dass auch im Fußball gedopt wird. Ich dachte, für die Wahrheit kann man nicht bestraft werden.

Und dann kam der 22. Februar 1987...

Der Rausschmiss! In Köln - oder war's die Nationalmannschaft? Ich bin ja bei beiden rausgeworfen worden.

Das war der Tag, an dem Auszüge aus Ihrem Buch in der Presse landeten.

Ich habe es nie verstanden - dass der 1. FC Köln nach 15 Jahren sagt: Toni, das war's.

Hatten Sie keine Unterstützer?

Einer der Ersten, der anrief, war Franz Beckenbauer. Er sagte: "Reg dich nicht auf! Bald schreibt die Presse über was anderes."

Trotzdem hat er Sie später aus der Nationalmannschaft geschmissen!

Das war weniger Franz, das war der DFB. Hermann Neuberger, der damalige Präsident, sagte mir, dass Schluss ist. Einen internen Machtkampf zwischen Franz und Neuberger wollte ich nicht. Kein Spieler ist so viel wert.

Träumen Sie noch vom Weltmeisterpokal?

Das war mein großes Ziel, und ich habe alles versucht, um es zu erreichen. Aber man darf den Chancen nicht nachtrauern. Ich hatte zweimal die Gelegenheit, 1982 und 1986. Damals waren die beiden zweiten Plätze für mich nicht viel wert. Aber wer kann schon von sich behaupten, zweimal im Endspiel gestanden zu haben?

Heute führen Sie mit zwei Partnern eine Sportmarketing-Agentur. Fällt es Ihnen schwer, nicht mehr die Rampensau auf dem Platz zu sein? ?

Na ja, ich stand ja auch auf dem Platz die meiste Zeit unbeachtet ganz hinten. Nur bei den 1 : 1-Situationen und beim Elfmeterschießen haben alle auf mich geschaut. Und da konnte mir keiner helfen. Das habe ich geliebt. Heute stehe ich sicher auch hinten, trage Verantwortung, ziehe die Fäden - wobei: So ganz stimmt das nicht. Manchmal bin ich Sturmspitze, spreche die Firmen an, breche das Eis.

Sie sollen die Partnerschaft zwischen Schalke und Gasprom mit Leben füllen. Verzerren russische Gasmillionen nicht den Wettbewerb?

Die britische Ölfirma BP hat beim HSV zu Netzers Zeiten auch auf den Trikots geworben und gut dafür gezahlt. Die Telekom überweist, glaube ich, 20 Millionen an Bayern München. Dass die Russen jetzt diesen Markt entdeckt haben, ist legitim.

Bei Niederlagen haben Sie früher in Ihrem Keller auf einen Sandsack geboxt, bis die Hände bluteten...

Der Sandsack hängt noch da. Nur heute brauche ich ihn, um beweglich zu bleiben.

Und Ihre Träume? Zum Ende Ihrer Karriere haben Sie 1992 im stern einen genannt...

...Präsident des 1. FC Köln - und Karnevalsprinz war auch ein Traum. Wolfgang Overath hat beides vorgemacht. Er war Karnevalsprinz in Siegburg und ist jetzt Präsident. Das Thema FC ist also erst mal ad acta gelegt. Und Karnevalsprinz in Köln? Dafür habe ich zu wenig Zeit.

Interview: Matthias Thiele/print

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