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... Wolfgang Menge?

Der gelernte Journalist schrieb unter anderem mit der Serie "Ein Herz und eine Seele" und seinem Protagonisten Ekel Alfred Fernsehgeschichte; die Serie startete 1973.

Herr Menge, Sie haben ja doch einen Fernseher.

Natürlich, warum sollte ich nicht?

Man konnte lesen, Sie gucken nicht mehr.

Ach nein, ich schalte sogar häufig ein. Oft allerdings nur, um nach zehn Minuten wieder auszuschalten oder auf Premiere überzugehen.

Was ärgert Sie am Fernsehen?

aus Deutschland langweilen mich zu Tode. Die seh ich schon seit Jahren nicht mehr.

Sie sind ja immer noch so ein Nörgler. Wird man im Alter nicht ein wenig weise?

Ohne mich selbst als Nörgler zu bezeichnen: Nörgler und Weise sind keine Gegensätze. Weise können ebenfalls nörgeln.

Was hat Sie zuletzt im Fernsehen aufgeregt?

Wenn ich einschalte, läuft fast immer Werbung. Und fast regelmäßig werde ich dann mit einem Spot für die "Apotheken Umschau" konfrontiert. Da wird mir mitgeteilt: "Fragen Sie in Ihrer Apotheke gezielt nach der 'Apotheken Umschau'." Gezielt, sagt der Sprecher. Soll ich in der Apotheke etwa nach neuen Kartoffeln fragen?

Gar nichts, was Ihren Ansprüchen genügt?

Was Serien angeht, halte ich fast sämtliche britischen oder amerikanischen für besser. Wie "CSI" aus Amerika. Anspruchsvoll, gute Handlung und von Leuten gemacht, die sich Mühe geben. Deutsche Serien stecken noch in der analogen Technik; amerikanische und britische Serien sind schon lange in der digitalen Welt eingetroffen. Allerdings haben amerikanische Produzenten für eine Folge mehr Geld zur Verfügung als wir für einen 90-Minuten-Film!

Keine Lust, es den anderen zu zeigen, noch mal mitzumischen?

Ich mag nicht mehr. Wir hatten früher ja auch Sorgen. Auch wir haben uns ständig überlegt, wie man das Publikum fesselt. Aber wir haben uns immer nur an das gehalten, was wir für richtig hielten. "Ein Herz und eine Seele" oder "Stahlnetz" wären heute nie ins Programm gekommen. Man muss den Zuschauer auch ein wenig erziehen, wenn man Qualität haben will.

Also kein Neuanfang?

Nein. Ich hätte aber Lust, etwas über Hamburger Straßennamen zu machen. In meiner Heimatstadt gibt es viele Straßen ohne "Straße" oder "Allee" im Namen. "Große Bleichen", "Schulterblatt" oder "Speersort". Das ist doch faszinierend, oder?

Aber was könnte das werden?

Das weiß ich noch nicht. Ich hoffe, dass mir etwas Passendes einfallen wird.

Sie gehörten zu den ersten Moderatoren der Talkshow "3 nach 9" von Radio Bremen. Sehen Sie das heute noch?

Das läuft ziemlich spät, oder?

Freitags um zehn.

Um die Zeit liege ich schon im Bett. Aber auch als ich die Sendung noch moderiert habe, habe ich sie nur in den seltensten Fällen noch mal auf Band angesehen. Marianne Koch, meine Co-Moderatorin, hat das immer am Tag nach der Ausstrahlung gemacht. Für mich wäre das Zeitverschwendung gewesen.

Sie gehen also früh ins Bett. Was machen Sie eigentlich so tagsüber?

Nicht viel. Ich lese vier Zeitungen, ein paar Wochen im Jahr bin ich im Haus auf Sylt, wir bekommen viel Besuch, und sonst sage ich dem Gärtner, was zu tun ist. Aber der macht sowieso, was er will.

Sie hatten vergangenes Jahr einen Schlaganfall. Haben Sie sich komplett erholt?

Eigentlich schon, ein paar Gedächtnislücken sind geblieben. Das ärgert mich. Und dass ich seitdem nicht mehr Auto fahren kann. Das ist das Schlimmste. Seit einem halben Jahr will ich schon ins KaDeWe. Denken Sie, ich komme dahin? Nein.

Interview: Anne Hansen/print

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