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... Dr. Ulrich Strunz?

Der Mediziner und Extremsportler hatte mit Vorträgen und Büchern in Millionenauflage die Deutschen ans Laufen gebracht. Vor 18 Monaten dann stürzte er bei einem Radunfall auf Mallorca und verletzte sich schwer.

In den Zeitungen liest man, Sie säßen gelähmt im Rollstuhl. Wie geht es Ihnen?

Nicht so besonders. Gerade bin ich wieder mal kläglich gescheitert bei dem Versuch, ins Leben zurückzukehren.

Sprechen Sie denn aus dem Jenseits?

Nein, ich habe versucht, einen Kilometer am Stück zu laufen. Ein Stück der Bandscheibe war abgesplittert und wurde operativ entfernt. Die Narbe drückt auf den Ischias. Man spürt nur noch Feuer im Bein.

Was hat Sie aus dem Leben katapultiert?

Ich bin auf Mallorca vom Rennrad in eine Schlucht gestürzt. Feuerwehrleute haben mich auf einer Trage nach oben gezogen. Damals dachte ich, jetzt stirbst du. Dabei waren die Erstretter ziemlich die einzigen Profis, denen ich seither ausgeliefert war.

Wie meinen Sie das?

Im Inselkrankenhaus haben die mich in meinem Bett hin- und hergeschmissen wie einen Sack. Ich hatte unerträgliche Schmerzen, das Knie war offen. Der Arzt sagte, ich könne mein Bein verlieren, man müsse operieren. Dann hat er sich verabschiedet. Er habe jetzt keine Zeit.

Und Sie?

Bin geflohen.

Im Rollstuhl?

Nein, mit einem Flugzeug der Notrettung. Aber auch in Deutschland musste ich kämpfen. Nach vier Wochen hat man festgestellt, dass ich acht Rippen gebrochen hatte. Noch drei Wochen später, dass auch mein dritter Brustwirbel kaputt ist. Ich hätte querschnittsgelähmt sein müssen, so wie die mich in Spanien rumgeschmissen haben! Oder tot. Gott sei Dank hatte ich da meine Muskeln intuitiv so angespannt, dass die Wirbelsäule stabilisiert war. Gut, dass ich die Diagnose Schritt für Schritt erfahren habe. Alles auf einmal - ich hätte mich erschossen.

Ein einfacher Patient waren Sie nicht. Sie sind Arzt ...

...und ich fühlte mich beleidigt. Die haben mir ein Gipskorsett angepasst, in dem ich fast erstickt wäre. Da bin ich aus der Klinik abgehauen und habe in der Provinz endlich eine Kapazität gefunden, die sich die Operation am Wirbel zutraute. Aber es ist schwierig, einen Ironman behandeln zu wollen, es geht immer was schief.

Bei Ihnen auch?

Bei der zweiten OP ging meine Lunge hops. Danach habe ich mir gedacht: Sterben kann ich auch daheim. Ich hab mich in Schmerztherapie vertieft, mich selbst medikamentiert. Aber ich möchte nicht weiter im Unrat der Vergangenheit wühlen.

Was tun Sie in der Gegenwart?

Ich unterhalte noch meine Praxis, empfange jeden Morgen einige Privatpatienten.

Halten Sie denn noch Vorträge?

Ja, neulich vor 720 Zahnärzten. Es geht um Lebensfreude, um Liebe. Meine Frau ist das beste Beispiel. Sie war in der schwersten Zeit für mich da. Sie hat mir jeden Tag Essen gebracht, von der Krankenhauskost habe ich keinen Bissen angerührt.

Werden Sie als Fitnesspapst jetzt noch ernst genommen?

Das mit dem Fitnesspapst lassen wir mal beiseite. Ich habe Fitness gelehrt, um das Leben des Einzelnen zu verlängern. Das ist ein bisschen egoistisch. Jetzt weiß ich, es gibt ein Leben zu zweit. Und auch eines mit meinen Kindern. Jetzt hat Uli Strunz die Liebe entdeckt.

Altersweise? Deswegen die neue Frisur?

Meiner Frau gefällt es länger und dunkler besser. Außerdem ist so die Narbe meiner Schädeloperation nicht mehr zu sehen.

Pläne für die nahe Zukunft?

Ich träume davon, eine Berghütte zu kaufen. Ich kapiere langsam, dass ich ein anderer Mensch bin. Man könnte auch sagen: ein Krüppel. Aber meine Seele weiß, dass ich das überwinde.

Interview: Joachim Rienhardt/print

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