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...Maite Kelly?

Als zweitjüngstes Kind des querköpfigen Trödlers Dan Kelly sang sie sich mit ihrer Großfamilie quer durch Europa. Ihre Platten verkauften sich mehr als 15 Millionen Mal.

Man hört ja gar nichts mehr von Ihnen.

Ich bin gerade aus Togo zurück. Da habe ich bei einem kirchlichen Projekt mitgewirkt und als "Volunteer" ausgeholfen.

Was genau haben Sie gemacht?

Morgens habe ich kleine Kinder gefüttert. Nachmittags bin ich zu Philosophiekursen gegangen, habe mit Studenten im Chor gesungen und diskutiert. Ziel ist es, eine Universitätspfarrei zu gründen.

Wollen Sie Missionarin werden?

Nein. Die Kelly Family tritt im Herbst mit dem Lichtkünstler Gerd Hof und dem Circus Roncalli auf. Früher haben wir 300 Konzerte im Jahr gegeben. So ein Tempo legen wir jetzt nicht mehr vor. Viele meiner Geschwister haben Familien gegründet, wollen ihre Zeit auch mit ihren Kindern und Ehepartnern verbringen.

Klingt wie die Sehnsucht nach einem ganz normalen Leben.

Das ist auch so. Es gab eine Zeit, da hatte ich richtig Nachholbedarf. Ich wollte zur Schule gehen, eben eine normale Zwanzigjährige sein. Damals habe ich dann in Amerika meinen High-School-Abschluss gemacht. Es war sehr schön, einfach eine von vielen zu sein.

Sie sind jetzt auch beim Weltjugendtag in Köln. Wie haben Sie zu Gott gefunden?

Mit 18 Jahren war ich auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Auf einer Pilgerreise nach Lourdes hat Gott mich gefangen wie einen Fisch. Aber das ist sehr privat, darüber will ich nicht so gern reden. Jedenfalls bin ich sehr froh, dass nicht die Drogen zu meinem Gott geworden sind - so wie bei anderen Popstars.

Ihre Familie war ein starker Clan. Ging Ihnen das nicht manchmal auf die Nerven?

Wenn ich zurückblicke, dann hätte ich mir mehr Struktur in unserem Familienleben gewünscht: Jetzt wird gegessen, dann werden Hausaufgaben gemacht. Aber mein Vater war nach dem Tod meiner Mutter mit zwölf Kindern allein. Ich hatte als Kind ungemeine Freiheiten, ich war immer draußen, durfte meine Klamotten dreckig machen. Sehr hippiemäßig. Heute habe ich mehr das Bedürfnis, ein normaler Bürger zu sein. Aufgewachsen sind Sie im Doppeldeckerbus, auf einem Hausboot und in einem Schloss.

Wie wohnen Sie jetzt?

Ich lebe mit meinem Verlobten in der Dachgeschosswohnung seiner Eltern in Paris. Bald ziehen wir in eine Wohnung, die 55 Quadratmeter groß ist. Ich finde kleinere Wohnungen schöner. Und dann will ich bald heiraten und Mutter werden.

Ist Ihr Zukünftiger auch Musiker?

Nein. Er arbeitet als Ingenieur. Ein Freund hatte Florent auf unser Konzert in Belgien mitgenommen. Er kannte die Kelly Family gar nicht.

Sie hatten elf Geschwister. Wollen Sie auch so viele Kinder?

(lacht) Eine Großfamilie zu gründen liegt mir vielleicht schon im Blut. Aber ob ich zwölf Kinder schaffe, weiß ich nicht. Mal sehen: step by step.

Vor Jahren haben Sie offen darüber gesprochen, dass Sie unter Bulimie litten. Wie geht es Ihnen heute?

Das bessert sich immer mehr. Ich bin nach wie vor übergewichtig, aber ich nehme es jetzt nicht mehr so ernst. Das geordnete Leben hilft mir, regelmäßig und vernünftig zu essen. Außerdem habe ich einen ganz tollen Mann - einen sehr hübschen noch dazu, der verrückt nach mir ist. Ich fühle mich in meinem Körper sehr gut. Mein Körper hat zwar ein Handikap, aber dadurch habe ich andere Stärken entwickelt. Ich habe gelernt, Respekt zu zeigen, andere Menschen zu achten, auch wenn sie schwach sind.

Interview: Alexandra Hilmer

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