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Manfred Rommel

Der CDU-Politiker und langjährige Stuttgarter Oberbürgermeister genehmigte im Oktober 1977 die Beerdigung der RAF-Terroristen Baader, Ensslin und Raspe in einem Gemeinschaftsgrab.

Der CDU-Politiker und langjährige Stuttgarter Oberbürgermeister genehmigte im Oktober 1977 die Beerdigung der RAF-Terroristen Baader, Ensslin und Raspe in einem Gemeinschaftsgrab.

Zur Person:


Manfred Rommel, 73, lebt mit seiner Frau Liselotte in einer Stuttgarter Wohnung. Der an Parkinson leidende frühere Politiker hat eine Tochter, Catherine. Der Sohn des Generalfeldmarschalls Erwin Rommel begann seine politische Karriere nach dem Jurastudium 1956 als Regierungsassessor in der baden-württembergischen Innenverwaltung. Er war unter anderem persönlicher Referent des damaligen Innenministers Filbinger und Staatssekretär im Finanzministerium. 1974 wurde Rommel Stadtoberhaupt von Stuttgart - er bekleidete dieses Amt bis 1996.

Warum haben Sie die Terroristen gemeinsam beerdigen lassen?

Pfarrer Ensslin, der Vater von Gudrun Ensslin, wollte seine Tochter zusammen mit den beiden anderen beerdigen lassen. Das war zu respektieren, und ich wollte deshalb kein bürokratisches Theater. Meine Sorge war, dass am Ende noch in den Bezirksbeiräten diskutiert wird, ob Baader und Raspe, die keine Stuttgarter waren, überhaupt ein Recht hätten, hier beerdigt zu werden. Dann hätte es womöglich ein Hin- und Hergeschiebe der Leichen gegeben, das wäre unwürdig gewesen. Nach dem Tod endet jede Feindschaft.

Manche Stuttgarter wollten die Terroristen lieber im Wald vergraben oder auf eine Müllkippe werfen.

Ich war schon platt über diese Reaktionen. Da war eine unglaubliche Aufgeregtheit, manche sind zur Witwe von Hanns Martin Schleyer gesprungen und haben gesagt: Jetzt gibt der Rommel den Terroristen noch ein Ehrengrab! Die taten so, als ob künftig jedes Jahr am Todestag eine größere Gruppe RAF-Angehöriger mit Maschinenpistolen aufkreuzen und eine Trauerveranstaltung abhalten würde.

Ein Jahr später hat sich die CDU-Fraktion im Landtag für Lothar Späth und gegen Sie als Ministerpräsidenten ausgesprochen. War das Rache?

Nein, Lothar Späth hatte eben viele Freunde in der Fraktion. Und einigen in der CDU-Fraktion war ich eben zu liberal.

Sie wurden danach noch zweimal als Oberbürgermeister wiedergewählt mit jeweils 70 Prozent. Noch heute scheint halb Stuttgart aus Rommel-Fans zu bestehen.

Der Zuspruch hat auch seine Schattenseiten. Ich bekomme jede Woche zehn bis 15 Briefe von Leuten, die mit den Behörden Schwierigkeiten haben und bitten, mich mal darum zu kümmern. Ich beantworte jeden Brief, aber das hat furchtbare Folgen, denn dadurch schreiben die Leute wieder zurück und empfehlen mich noch ihren Bekannten, so dass es am Ende immer mehr Briefe werden.

Wenige Politiker erreichen heute so ein Maß an Sympathie wie Sie.

Man muss halt seinen eigenen Stil entwickeln und den Mitbürgern die Wahrheit sagen. Die Bevölkerung heute ist für unangenehme Wahrheiten eher bereit, die Politiker reden aber dauernd auf sie ein wie auf ein kleines Kind, das man nicht aufregen darf. Ich bin auch dafür, die Renten zu kürzen, wenn die Altersversicherung nicht anders zu retten ist. Aber so was sagt keiner.

Wie geht's Ihnen denn gesundheitlich?

Ich muss jeden Tag 25 Tabletten schlucken gegen Parkinson und alle möglichen Nebenkrankheiten. Ich muss mich ständig bewegen, um nicht zu versteifen. Theater und Oper sind für mich leider gestrichen, weil ich keine zwei Stunden am Stück mehr sitzen kann.

Wie beschwerlich ist der Alltag?

Er bedarf einer erheblichen Energie. Das Zittern ist nicht angenehm, aber ich strenge mich an. Morgens um sieben gehe ich eine dreiviertel Stunde spazieren, danach mache ich Rückengymnastik, abends noch mal. Wenn ich bloß rumhocke, würde es immer schlimmer. Meine Frau spielt jetzt mit meinem Enkel Eisenbahn, weil ich nicht mehr auf den Boden runter komme.

Sie sagten mal: »Ehret die Alten, eh sie erkalten.« Wurden Sie ausreichend geehrt?

Natürlich, ich bin in vollem Umfang geehrt worden, übermäßig zum Teil. Ich hab darüber sogar ein Gedicht geschrieben: »Die Zahl der Titel will nicht enden. Am Grabstein stehet: bitte wenden!«

Interview: Markus Grill

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